
Die Industrie prägt nach wie vor die Wirtschaft im Sauerland. Auch wenn in den letzten Jahren der Anteil der Beschäftigten, die in dem Bereich arbeiten, zurückgegangen ist, sind immer noch deutlich mehr Menschen in einem Industrieunternehmen tätig als im bundesweiten Schnitt, wie der aktuelle Jobmonitor der Bertelsmann Stiftung zeigt.
Insolvenz und Stellenabbau
Umso schwerwiegender treffen die Region die aktuellen wirtschaftlichen Probleme, die sich besonders auf Industrieunternehmen auswirken. Grad die Metall- und Elektrobranche befindet sich nach Angaben des Unternehmensverbands Westfalen-Mitte seit Jahren in der Krise. Was das für Folgen haben kann, hat sich zuletzt durch die Insolvenz des Medebacher Maschinenbauers Paul Köster gezeigt.
Eine weitere negative Nachricht kam diese Woche vom Autozulieferer Martinrea Honsel aus Meschede. Der Mutterkonzern hat dort angekündigt, bis zu 300 Stellen streichen zu wollen, was etwa einem Fünftel der dortigen Belegschaft entspreche.
Innen- und außenpolitische Gründe
Gründe für diese kritische Lage sind laut Volker Verch, dem Geschäftsführer des Unternehmensverbands Westfalen-Mitte zum einen die weltpolitischen Einflüsse, wie der Krieg in der Ukraine, der Konflikt im Nahen Osten oder der Zollstreit mit den USA.
Dazu kämen aber auch strukturelle Nachteile innerhalb Deutschlands, die die Produktion vor Ort für viele Firmen zu wenig lukrativ machen würden: Neben bürokratischen Hürden nennt Verch etwa die hohen Steuern und Energiepreise, die Arbeitszeit oder auch technologische Rückstände, die die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands international und auch gegenüber den europäischen Nachbarn wie Polen, Österreich oder Ungarn schwächen würden.
Reformen gefordert
Verch fordert deshalb von Bundes- und Landesregierung Reformen, die den Unternehmen im internationalen Wettbewerb helfen, sonst könnten weitere Betriebe im Sauerland wirtschaftliche Probleme bekommen und deswegen dazu gezwungen sein, ähnliche Maßnahmen zu ergreifen.
„Es gibt ja Instrumente, die bei einer schwächeren Auftragslage genutzt werden können, zum Beispiel Kurzarbeit. Irgendwann reicht aber auch die nicht mehr aus und die Unternehmen haben keine Alternativen mehr zu Maßnahmen wie Personalabbau. Für die Region ist das natürlich ein herber Einschnitt.“ – Volker Verch, Geschäftsführer Unternehmensverband Westfalen-Mitte
Unternehmen suchen nach Lösungen
Die Beispiele Köster und Honsel zeigten, wie wichtig jetzt schnelle Entscheidungen der Politik seien, so Verch weiter. Denn ohne die passenden Rahmenbedingungen könnten Unternehmen die aktuelle Lage langfristig kaum stemmen. Auch eine mögliche Ausweitung der Geschäftsfelder, etwa im Bereich Rüstungsindustrie, helfe nur bedingt.