Sauerland: Klimafeste Wälder

In Brilon haben sich jetzt Waldhauptstädte getroffen. Sie haben Wege zu einem klima-stabilen Wald diskutiert

© Stadt Brilon

Die Wälder im Klimawandel schützen und zukunftsfest machen - das ist eine der größten Herausforderungen für die kommunalen Forstbetriebe. Das ist in Brilon beim Treffen des Netzwerks der Waldhauptstädte klar geworden. Nur durch einen stabilen Wald kann die Wirtschaftskraft aufrechtherhalten werden. Weitere Funktionen des Waldes: Er schützt den Boden, das Klima und bietet Erholung. Die Forstämter rechnen damit, dass Schadensereignisse wie Stürme und Waldbrände noch häufiger werden. Die Waldhauptstädte fordern u.a. eine neue Ausrichtung der Jagd. Sie soll Verbiss und Schälschäden verhindern.

Diese Aspekte sind beim Waldaufbau- und -umbau besonders bedeutsam

- Die besondere Rolle des Kommunalwalds beim Aufbau/Umbau eines klimastabilen, resilienten und multifunktionalen Zukunftswaldes erfordert weniger zentrale, zunehmend bürokratisierende Vorgaben als vielmehr Vertrauen in die Kompetenz der vor Ort auf er fachlichen wie auf der politischen Ebene Verantwortlichen.

- Die hohe gesellschaftliche Bedeutung gerade im Zeitalter der Klimaveränderung, in dem der Wald als CO2-Senker Nummer eins zwingend gebraucht wird, erfordert eine dauerhafte Förderung von Maßnahmen des Waldumbaus und der Wiederbewaldung nach Kalamitätsereignissen. Insofern ist die Entscheidung der Bundesregierung zu begrüßen, die GAK- Mittel ((Gemeinschaftsaufgabe Agrar- und Küstenschutz) für den Waldbereich für 2024 aufrecht zu erhalten. Diese Mittel müssen auch darüber hinaus langfristig verfügbar sein.

- Förderprogramme, die den Waldumbau, die Wiederbewaldung und die nachhaltige Waldwirtschaft betreffen, sollten auf die etablierten Zertifizierungssysteme zurückgreifen. Ein Aufbau zusätzlicher Organisationsformen würde die praktische Arbeit vor Ort nicht nur erschweren und bürokratisieren, sondern auch die Wirksamkeit der Förderprogramme in der Fläche einschränken.

- Der Zugang zu Förderprogrammen ist für Kommunen zusätzlich durch die so genannte DeMinimis-Regelung beschränkt, weil die kommunalen Forstbetriebe nicht als eigenständige Unternehmen im Sinne des EU-Beihilferechts, sondern als unselbständiger Teil der Gesamtkommune verstanden werden. Hier ist ein einheitliches Verständnis als selbständiges Unternehmen zu fordern, um die Anrechnung anderer kommunaler Fördermittel zu vermeiden. Eine Ausweitung der EU-Notifizierung von Förderprogrammen könnte dies unterstützen.

- Der Erfolg der Wiederbewaldung auf den deutschlandweit ca. 600.000 ha Kalamitätsflächen, ebenso der Waldumbau zu einem klimastabilen Mischwald ist neben anderem vor allem abhängig von einem darauf angepassten Wildbestand. Es muss gewährleistet sein, dass die Hauptbaumarten ohne zusätzliche Maßnahmen zum Schutz vor Verbiss- und Schälschäden gedeihen können. Die Jagdpraxis ist auf dieses Ziel hin auszurichten und dort, wo erforderlich, anzupassen. Eine Zertifizierung kann nur für Wälder erfolgen bzw. weitergeführt werden, in denen dies gegeben ist.

PEFC-Waldhauptstädte

PEFC ist ein transparentes und unabhängiges System zur Sicherstellung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Holz- und Papierprodukte mit dem PEFC-Siegel stammen aus ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltiger Waldbewirtschaftung. Seit 2011 zeichnet PEFC Jahr für Jahr Kommunen als PEFC-Waldhauptstädte aus. Sie erfüllen die geforderten Kriterien einer nachhaltigen Bewirtschaftung ihrer Wälder in besonderer Weise. Kommunalwälder, die das PEFC-Siegel tragen, weisen in besonderer Weise nach, dass sie die Anforderungen an einen klimastabilen, naturnahen und multifunktionalen Wald erfüllen. In Deutschland sind insgesamt 2.729 Betriebe PEFC-zertifiziert. In Brilon haben sich die Bürgermeister und Forstbetriebsleiter der Waldhauptstädte Schwarzenbach, Warstein, Heidelberg, Templin, Ilmenau, Wernigerode und Brilon gemeinsam mit Vertretern von PEFC Deutschland getroffen.

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