
Die Gräflich zu Stolberg'sche Brauerei Westheim GmbH in Marsberg-Westheim ordnet ihre finanzielle Zukunft neu. Das Unternehmen hat beim zuständigen Amtsgericht in Bielefeld ein formelles Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung beantragt, dem das Gericht bereits stattgegeben hat. Ziel dieser Maßnahme ist es laut der Firmenleitung, den Betrieb angesichts eines schwierigen Marktumfeldes wirtschaftlich umfassend zu sanieren. Dabei soll der Standort dauerhaft gesichert werden.
Rahmenbedingungen erschweren Geschäft
Wie das in der sechsten Generation geführte Familienunternehmen mitteilt, machen die allgemeinen Rahmenbedingungen der gesamten deutschen Brauwirtschaft schwer zu schaffen. Gestiegene Kosten in den Bereichen Energie, Rohstoffe, Verpackung, Logistik und Personal belasten die Konten erheblich. Hinzu kommt ein kontinuierlich sinkender Bierkonsum sowie die andauernden wirtschaftlichen Nachwirkungen der Corona-Pandemie. Durch das Verfahren in Eigenverwaltung behalte die aktuelle Geschäftsführung die volle Entscheidungsgewalt im Haus und wolle sich aktiv an diese veränderten Konsumgewohnheiten anpassen, heißt es.
Keine spürbaren Änderungen geplant
Für Geschäftspartner, die Kundschaft aus der Gastronomie oder dem Einzelhandel und nicht zuletzt für die 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ergeben sich durch den Insolvenzantrag nach Westheimer-Angaben aktuell keine spürbaren Änderungen. Laut Geschäftsführung laufen die Produktion, die Abfüllung und der Verkauf der Getränke völlig planmäßig weiter. Die Brauerei versichert, dass sie ihre Lieferfähigkeit und die gewohnte Zuverlässigkeit im vollen Umfang aufrechterhalte.
Was bedeutet Insolvenz in Eigenverwaltung?
Ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung ist ein gesetzlich vorgesehenes Instrument zur Sanierung von Unternehmen, die grundsätzlich eine tragfähige Perspektive für die Zukunft haben. Die Geschäftsführung bleibt dabei voll handlungsfähig und wird nicht durch einen externen Insolvenzverwalter abgelöst. Begleitet wird die Brauerei Westheim in den kommenden Monaten stattdessen von einem spezialisierten Restrukturierungsberater aus einer Wirtschaftskanzlei sowie einem gerichtlich bestellten Sachwalter. Gemeinsam sollen in dieser Zeit die Prozessabläufe modernisiert, das Produktportfolio gezielt weiterentwickelt und die finanzielle Basis des Unternehmens gestärkt werden.
160 Jahre Brautradition
Die Brauerei ist seit dem Jahr 1862 fest in Marsberg verwurzelt und braut ihr Bier unter anderem mit Quellwasser aus drei eigenen Brunnen auf dem Gelände. Zum Portfolio des Unternehmens gehören neben der Hauptmarke Westheimer auch Marken wie Arolser und Allersheimer. Hinzu kommen inzwischen auch diverse alkoholfreie Produkte.