
Für zwei bekannte Brauereien in Nordrhein-Westfalen gibt es einschneidende Pläne: Die Herforder Brauerei soll Ende August geschlossen werden, die Paderborner Brauerei noch im Laufe dieses Jahres verkauft werden. Das teilt die Haus Cramer Gruppe mit Sitz in Warstein mit. Betroffen sind knapp 100 Arbeitsplätze in Herford und rund 110 in Paderborn. Sollte ein Verkauf nicht gelingen, werde auch der Betrieb in Paderborn zum Jahresende 2026 eingestellt. Betroffen sind 98 Mitarbeiter in Herford und 113 in Paderborn. Es werde angestrebt, einen Teil der Belegschaft in Warstein zu übernehmen.
Verkündung der Pläne am Donnerstagmittag
Die Nachricht sei am Donnerstagmittag bei Mitarbeiterversammlungen in Herford und Paderborn übermittelt worden. Kritik daran kommt von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, kurz NGG. Der nordrhein-westfälische NGG-Landeschef Mohamed Boudih spricht von einer „Hiobsbotschaft“ für die Belegschaften.
Wörtlich sagt er: „Heute ist ein Katastrophen-Tag für das Bier-Land Nordrhein-Westfalen. Ein schwarzer Tag fürs Bier. Ein Horror-Tag für die Brauerei-Städte Herford und Paderborn. Und vor allem ein Schock-Tag für alle, die in Herford und Paderborn vom und für das Bierbrauen leben.“
Nach Angaben der Gewerkschaft habe die Nachricht die Beschäftigten „eiskalt erwischt“.
NGG erhebt schwere Vorwürfe gegen Haus-Cramer-Gruppe
Besonders scharf kritisiert die NGG die Haus-Cramer-Gruppe, zu der auch die Warsteiner Brauerei gehört. Nach Darstellung der Gewerkschaft sei zwar bekannt gewesen, dass die gesamte Gruppe mit wirtschaftlichen Problemen kämpfe. Die jetzige Entscheidung sei dennoch ein Eklat.
Boudih verweist auf einen Zukunftssicherungsvertrag, der die Standorte Herford und Paderborn eigentlich bis Ende 2028 absichern sollte. Die Beschäftigten hätten dafür bereits seit Mitte 2021 auf Tariferhöhungen, Urlaubsgeld und Teile des Weihnachtsgeldes verzichtet. Die NGG wirft der Geschäftsführung deshalb vor, ein gegebenes Versprechen gebrochen zu haben. Jetzt soll es für alle Betroffenen ein Sozialplan ausgehandelt werden.
Bier wird in Warstein weitergebraut
Das Familienunternehmen begründete die tiefen Einschnitte mit dem sinkenden Bierkonsum in Deutschland. Mit den jetzt veröffentlichten Maßnahmen werde die Bierproduktion der Gruppe in Nordrhein-Westfalen am Stammsitz Warstein konzentriert. Auch die dortige Lohnproduktion für Kunden werde nach Warstein verlagert.
Der Standort soll nach Angaben der Haus Cramer Gruppe in den kommenden Jahren kontinuierlich zum zentralen Produktions- und Logistikzentrum der Getränkegruppe in NRW entwickelt werden. Geplant sind Investitionen in Produktionstechnologie sowie die Optimierung nachhaltiger Produktionsprozesse. Dabei soll auch der eigene Bahnanschluss der Brauerei noch stärker genutzt werden, um die Logistikstärke des Standorts weiter auszubauen. Auch eine eigene Windenergieanlage ist in Bau, die den Standort mit Strom versorgen soll.
Die Biermarken Herforder und Paderborner blieben erhalten und würden künftig in Warstein hergestellt. Die Haus Cramer Gruppe verfügt zudem über drei Produktionsstandorte in Bayern, die aber nicht betroffen seien.