
In Meschede könnte schon bald ein Kinderarzt fehlen. Bei der Sicherung der medizinischen Versorgung. arbeiten Stadt, Wirtschaftsförderung, Kreisgesundheitsamt und KVWL zusammen. Eine gute medizinische Versorgung entscheide heute mit darüber, wo Familien leben möchten, wo Unternehmen Fachkräfte gewinnen können und wie attraktiv eine Stadt langfristig bleibt, so die Stadt Meschede. Sie sieht Gesundheitsversorgung als zentralen Bestandteil ihrer Standortentwicklung – und arbeitet seit Jahren daran, die ärztliche Versorgung zu sichern.
Kinderarztansiedlung
Seit rund zwei Jahren kooperieren Stadtverwaltung und Wirtschaftsförderung gemeinsam mit dem HSK-Gesundheitsamt, der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL), Kliniken, bestehenden Praxen und weiteren Netzwerkpartnern. Sie arbeiten daran, Kinderärztinnen und Kinderärzte für Meschede und Freienohl zu gewinnen, heißt es. Ziel sei zum einen die kurzfristige Sicherung der Versorgung, zum anderen der Aufbau moderner und langfristig tragfähiger Strukturen für die medizinische Versorgung von Familien in der gesamten Region.
„Eine verlässliche Gesundheitsversorgung gehört heute zu den entscheidenden Faktoren für die Attraktivität eines Wohn- und Wirtschaftsstandortes. Für junge Familien ist eine gute kinderärztliche Betreuung vor Ort ein echter Pluspunkt“, so Bürgermeister Christoph Weber.
Haus- und Fachärztekonzept
Mit dem Haus- und Fachärztekonzept hat Meschede schon vor einigen Jahren auf die Herausforderungen reagiert, die viele ländliche Regionen zunehmend spüren: eine alternde Ärzteschaft, steigender Versorgungsbedarf und ein wachsender Wettbewerb um medizinische Fachkräfte. Besonders im Bereich der Kinder- und Jugendmedizin zeige sich aktuell, wie wichtig strategisches und frühzeitiges Handeln ist. Ab Mitte 2026 droht eine Versorgungslücke, da altersbedingt bestehende Kapazitäten wegfallen könnten, gleichzeitig aber der Bedarf an wohnortnaher kinderärztlicher Betreuung weiter steigt.
Maßnahmenpaket
In den vergangenen Monaten wurde ein Maßnahmenpaket entwickelt. Dazu gehören die Zusammenarbeit mit dem Landarztstarterprogramm von Hochsauerlandkreis und KVWL, der Aufbau eines eigenen Info-Bereichs zur Ärztegewinnung auf meschede.de sowie gezielte Marketing- und Netzwerkmaßnahmen. Die Wirtschaftsförderung beteiligt sich darüber hinaus am Kinder- und Jugendärztetag des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Mannheim mit einem Messestand, Anzeigenkampagne und gezieltem Online-Marketing. Parallel entsteht derzeit eine Informationskampagne zum Arztstandort Meschede, die die beruflichen Perspektiven sichtbar machen soll und auch die hohe Lebensqualität der Region.
Gespräche
Die aktuell laufenden Gespräche mit der KVWL, dem Kreisgesundheitsamt, Kliniken und
bestehenden Praxen zu möglichen Kooperations- und Versorgungsmodellen zeigen verschiedene Optionen für den Standort auf, so die Stadt. Ziel sei, konkrete Praxisstandorte in Meschede und Freienohl sowie mögliche MVZ-Strukturen zu prüfen, um jungen Ärztinnen und Ärzten moderne und flexible Arbeitsmodelle anbieten zu können. Auch zusätzliche kommunale Fördermöglichkeiten nach Vorbild anderer Kommunen würden derzeit bewertet.
Die Beteiligten sprechen u.a. potenzielle Kinderärztinnen und Kinderärzte gezielt über Alumni
Netzwerke, Kliniken und Fachnetzwerke an. Dabei setze Meschede auch auf persönliche Ansprache, Netzwerke und Standortgeschichten. Ärztliche Rückkehrerinnen und Rückkehrer aus der Region sind dabei Botschafter für den Gesundheitsstandort Meschede, heißt es.
Anlauf- und Servicestelle
Die Wirtschaftsförderung Meschede verstehe sich als zentrale Anlauf- und Servicestelle für
interessierte Ärztinnen und Ärzte. Sie begleitet bei Fragen zu Praxisstandorten, Fördermöglichkeiten, Verwaltungsprozessen und Netzwerken sowie bei Themen wie Wohnen, Familie und Integration vor Ort. „Ziel ist es, Ansiedlungsprozesse möglichst unkompliziert, schnell und persönlich zu unterstützen“, so Christina Wolff von der Wirtschaftsförderung Meschede.
Ein wichtiger Baustein sei auch die Unterstützung der Elterninitiative, die sich für die Sicherung der kinderärztlichen Versorgung einsetzt. Stadt und Wirtschaftsförderung begleiten die Initiative organisatorisch. Neben Marketing und Netzwerkarbeit stehen jetzt strukturelle Fragen im Mittelpunkt, so die Stadt: Praxisangebote, moderne Versorgungsmodelle, schnelle Verwaltungsprozesse und langfristig tragfähige Rahmenbedingungen für Ärztinnen und Ärzte. Genau daran arbeiten Stadt, Wirtschaftsförderung, Kreisgesundheitsamt und KVWL derzeit intensiv gemeinsam.