
2026 wird ein spannendes Jahr, so formuliert es der Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Westfalen Mitte Volker Verch bei der Vorstellung der Konjunkturumfrage 2025/2026. Die meisten Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie sind nach wie vor in einer bedenklichen wirtschaftlichen Lage und sehen mit Skepsis auf das neue Jahr.
Die befragten Unternehmen haben rund 30 000 Beschäftigte und rund 520 Auszubildende. Es werden unter dem Strich keine Verbesserungen erwartet, viele befürchten sogar eine weitere Abwärtsentwicklung im kommenden halben Jahr. Dieser Trend müsse dringend gestoppt werden, so Verch. Er sieht die Politik in der Pflicht, die Rahmenbedingungen zu ändern. Energie sei bei uns im europäischen Vergleich viel zu teuer, es gebe zu viel Bürokratie. Zum Vergleich in Polen hätte ein Unternehmen oft schon nach 6 Wochen eine erforderliche Baugenehmigung, bei uns dauerten Genehmigungen oft sogar Jahr.
Schlechte Stimmung überwiegt
Viele Unternehmen klagen über schlechte Geschäfte. Bei ihnen ist die Stimmung im Keller. Unsicherheit und Enttäuschung über die Krise, die jetzt ins 4. Jahr geht, seien unübersehbar. Die Firmen leiden unter der unberechenbaren Zollpolitik von den USA und China. Zollpolitik wird als Machtpolitik missbraucht, heißt es. Auch die hohen Lohnkosten machten den Standort hier unattraktiv. Unternehmen müssten sich im internationalen Wettbewerb behaupten, wer zu teuer sei, bekomme keine Aufträge. Der Kunde bestimme den Preis, heißt es. Wenn andere billiger sind, ist er weg.
Investitionen
Die meisten Unternehmen in der Region wollen weniger investieren, wenn überhaupt Geld für Investitionen vorgesehen ist, geht es oft in Standorte im Ausland. Der Anteil der Betriebe, die im Ausland investieren wollen, hat sich laut Umfrage verdoppelt. Kapital fließt somit ab und ist hier nicht mehr verfügbar.
Forderungen
Wir brauchen grundlegende Reformen und weniger Regulierung, so Verch. Hier würden gute Ideen oft durch eine Überregulierung von vorneherein ausgebremst. Das liefe in anderen Ländern besser. " Unsere heimische mittelständisch geprägte Industrie hat eine lange Tradition als erfolgreicher Player auch international, weil ihre Substanz stabil und der Standort früher stark war. Zu diesem Potential müssen wir zurückfinde. Dann schaffen wir auch den Weg aus der Krise und sichern den Wohlstand für alle," so Verch weiter. Dabei setzt er auf die Unterstützung aus der Politik, die Rahmenbedingungen ändern müsse.
Keine Entlassungswelle befürchtet
Trotz der kritischen Lage in der heimischen Metall- und Elektroindustrie, zu der auch viele Zuliefererbetriebe gehören, wird keine Entlassungswelle erwartet. Die Unternehmen wollen ihre Beschäftigten halten, heißt es. Wenn es schlecht läuft, werden die Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt, um die schwache Phase zu überstehen. Der Unternehmensverband begrüßt dabei nochmal ausdrücklich die Verlängerung der Bezugsdauer von 12 auf 24 Monate. Dadurch würde Arbeitslosigkeit verhindert, so Verch. Allerdings gebe es dadurch das Mitarbeiter in Rente gingen und keine Nachbesetzung stattfinde, einen einen schleichenden Stellenabbau.
Ausbildungsbereitschaft
Die Unternehmen hätten weiterhin eine hohe Ausbildungsbereitschaft, heißt es. Es gibt durch den demografischen Wandel aber durchweg deutlich weniger Bewerber als früher. Wer jetzt noch keinen Ausbildungsplatz hat, hat laut Verch noch gute Chancen. Auch im Februar, März und April gebe es noch freie Stellen und Firmen freuten sich über Bewerber. 15 % der Betriebe wollen sogar mehr Azubis ausbilden. Im letzten Jahr hatten das nur 11 % angekündigt. 23 % der befragten Unternehmen kündigten an, weniger junge Menschen ausbilden zu wollen. Im letzten Jahr hatten das 19 % gesagt.