
Windkraft beschäftigt Schmallenberg und Winterberg
Bei einer nichtöffentlichen Sitzung der Schmallenberger Stadtvertretung geht es heute Abend ausschließlich um Flächen für Windenergie. Winterberg hat Beteiligungsmodelle an Gewinnen aus Windkraft vorgestellt.
Veröffentlicht: Dienstag, 12.05.2026 05:36
Im Rat der Stadt Schmallenberg geht es heute nur um ein einziges Thema: Windkraft. Der Stadt liegen Anfragen und Anträge vor, die vorgegebenen Flächen noch auszuweiten. Möglicherweise auch auf Flächen, die der Stadt Schmallenberg gehören. Dafür wäre eine kommunale Positivplanung nötig. Das bedeutet, dass eine Kommune ergänzend zu den Windenergiebereichen im Regionalplan der Bezirksregierung weitere Flächen für Windenergie im eigenen Flächennutzungsplan selbst ausweisen kann, heißt es von der Stadt. Ob es dazu kommt, ist aktuell noch unklar. In der nichtöffentlichen Ratsitzung werde zunächst nur infomiert und die Thematik erörtert. Auch grundstückrechtliche Fragen stehen auf der Tagesordnung.
Sofern künftig eine konkrete Entscheidung über etwaiges Planungsrecht ansteht, sind die politischen Beratungen öffentlich.
Stadt Winterberg will selber Windkraftflächen entwickeln
Rund 150 Bürgerinnen und Bürger waren jetzt beim zweiten Bürgerdialog zum Winterberger Weg zur Windenergie dabei, um sich zu informieren und aktiv mitzudiskutieren. Bei der Veranstaltung seien die unterschiedlichen Sichtweisen deutlich gemacht worden, so die Stadt Winterberg. Deshalb sei der Dialog so wichtig. Bürgermeister Michael Beckmann erläuterte die Hintergründe des städtischen Ansatzes – und machte deutlich, warum die Stadt Winterberg bewusst die Initiative ergriffen hat, anstatt abzuwarten.
Planungshoheit eingeschränkt – trotzdem aktiv gestalten
Mit dem Inkrafttreten des Wind-an-Land-Gesetzes im Jahr 2023 verloren Kommunen den Einfluss auf die Ausweisung von Windenergieflächen. Diese Entscheidung fiel auf Ebene der Regionalplanung. So wurden seitens der Regionalplanung der Bezirksregierung Arnsberg insgesamt 8 Windenergiebereiche in Winterberg ausgewiesen. Vor diesem Hintergrund stellte sich die Stadt eine grundlegende Frage: Abwarten, bis sich externe Projektierer die Flächen sichern – oder den Prozess aktiv mitgestalten? Die Stadt hat sich dafür entschieden, den Wettbewerb mit den Projektierern aufzunehmen, die noch nicht extern verpachtete Flächen selbst zu entwickeln, die Erlöse in der Region zu halten und sie für das Gemeinwohl zu nutzen. Statt dass die Gewinne abfließen und vor Ort vor allem die Belastungen bleiben, sollen die Erträge aus der Windkraft künftig in Schulen, Feuerschutz, kommunale Infrastruktur und die Arbeit der Vereine fließen. Einen ersten Schritt hat die Stadt bereits getan: Im März 2025 sind die Stadtwerke Winterberg Energie gegründet worden.
Kämmerer Bastian Östreich stellte konkrete Beteiligungsmodelle vor: eine geplante Bürgerenergiegenossenschaft, eine Bürgerenergiestiftung sowie das sogenannte Bürgerenergiegeld. Diese Ansätze liegen dem Stadtrat zur Beratung vor.
„Die vorgestellten Beteiligungsmodelle sind kein Versprechen auf die Zukunft – sondern ein konkreter Weg, wie Winterberger Bürgerinnen und Bürger direkt von der Energiewende profitieren können“, so Bastian Östreich.
Bürgermeister Michael Beckmann betonte gemeinsam mit Dr. Norbert Menke und Henrik Weiß die enorme Bedeutung der Bürgerbeteiligung und des konstruktiven Dialogs: „Der Winterberger Weg lebt vom Austausch mit den Menschen. Dass so viele Bürgerinnen und Bürger gekommen sind, zeigt das große Interesse – zugleich aber auch, dass noch Fragen und Sorgen bestehen. Entscheidend ist, dass wir im Gespräch bleiben, Transparenz schaffen und den weiteren Weg gemeinsam gestalten.“
Konkrete Planungen für zwei Windenergiebereiche
Die Geschäftsführer der Stadtwerke Winterberg Energie, Dr. Norbert Menke und Henrik Weiß, informierten über den aktuellen Planungsstand. Derzeit stehen zwei Windenergiebereiche im Fokus: WEB.001 im Bereich Nordhelle/Blasius zwischen Silbach, Siedlinghausen und Niedersfeld sowie WEB.007 im Bereich Franzosenkreuz/Lagerstein zwischen Kernstadt und Züschen. Beim Bürgerdialog sind die nächsten Schritte im Genehmigungsverfahren dargestellt worden.