
Gegen Kriminalität
Berlin (dpa) - Alkohol enthemmt und führt oft zu aggressiverem Verhalten, seit Jahren berichten Bahnbeschäftigte von Problemen mit betrunkenen Reisenden. Die Deutsche Bahn will nun mit harter Hand gegensteuern - und in 5.400 Stationen deutschlandweit das Trinken von alkoholischen Getränken verbieten.
Die Ankündigung sorgt für großes Aufsehen, Gewerkschaften und der Fahrgastverband Pro Bahn halten die Maßnahme grundsätzlich für richtig. So könne das subjektive Sicherheitsempfinden der Fahrgäste und auch der Beschäftigten verbessert werden.
Doch wie genau soll das Verbot ausgestaltet werden? Wird es Ausnahmen geben? Und verkauft die Bahn dann in ihren eigenen Zügen bald auch keinen Alkohol mehr? Eine Übersicht über die wichtigsten Fragen.
Was genau hat die Bahn vor?
Der bundeseigene Konzern plant ein sogenanntes Alkoholkonsumverbot in allen Stationen. Das Verbot soll im Rahmen des Hausrechts eingeführt werden. «Dafür sind in den nächsten Wochen lokale Anpassungen von Hausordnungen in Abstimmung mit Kommunen, Behörden und Verwaltungen nötig», teilte die Bahn mit.
Die neue Regel soll bundesweit gelten und bis zum 15. Oktober 2026 schrittweise an 5.400 Bahnhöfen umgesetzt werden. Schon ab dem 1. September werden laut Konzern der Berliner Hauptbahnhof sowie die Bahnhöfe Berlin Gesundbrunnen, Kiel und Braunschweig alkoholfrei sein.
Gibt es bereits Alkoholkonsumverbote an Bahnhöfen?
Ja, in mehr als 30 Bahnhöfen deutschlandweit, darunter in den Hauptbahnhöfen Bonn, Bremen, Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Köln und München. Die Bahn teilte mit, dass sie bisher sehr positive Erfahrungen mit der Maßnahme gemacht habe: «In den Modellprojekten konnte gezeigt werden, dass deutlich weniger Müll anfällt und das Verbot auch dazu beiträgt, Gewaltkriminalität, Konflikte und Auseinandersetzungen unter Alkoholeinfluss zu verringern, wie zum Beispiel am Hamburger Hauptbahnhof.» Dadurch verbessere sich das Sicherheitsgefühl für Reisende und der Reinigungsaufwand gehe zurück.
Welche Ausnahmen wird es geben?
Vom Verbot ausgenommen sei das Trinken von Alkohol innerhalb der Gastro-Angebote an Bahnhöfen, teilte die Bahn mit. Auch das Mitführen von Alkohol in verschlossenen Taschen oder aus Einkäufen soll weiterhin gestattet bleiben.
Gilt das Alkoholkonsumverbot auch auf den Vorplätzen?
Das lässt sich nicht generell sagen. «Das Alkoholkonsumverbot gilt im gesamten Bahnhofsbereich inklusive Bahnsteige und Zuwegungen. In einigen Kommunen zählen auch die Vorplätze dazu, die der DB gehören», teilte die Bahn auf Nachfrage mit. Gleichzeitig könne es aber auch Ausnahmen bei den Bahnhöfen geben, wenn zum Beispiel die Gebäude nicht der Deutschen Bahn gehören.
Welche Konsequenzen drohen, wenn man erwischt wird?
Laut DB gibt es einen sofortigen Platzverweis für alle, die beim illegalen Alkoholkonsum erwischt werden. «Im Wiederholungsfall spricht die DB ein Hausverbot aus», hieß es.
Gilt das Verbot künftig auch in den Zügen der Deutschen Bahn?
In den Fernzügen der Bahn gebe es derzeit keine Pläne, ein generelles Alkoholverbot einzuführen, teilte ein Konzernsprecher mit. In den Bordbistros verkauft die Bahn selbst alkoholische Getränke. Auch mitgebrachten Alkohol könnten die Fahrgäste an Bord der Züge trinken, «sofern dies in angemessenem Rahmen geschieht und Mitreisende nicht gestört werden». Das A und O sei die gegenseitige Rücksichtnahme.
Im Regionalverkehr gibt es den Angaben zufolge keine bundeseinheitliche Regelung. Einige Verbünde, etwa in Hamburg, Köln, München oder Nürnberg, untersagten den Alkoholkonsum in den Regionalbahnen generell. Wer eine Gefahr für andere Fahrgäste oder die Sicherheit und Ordnung des Betriebs darstelle, könne generell des Zugs verwiesen werden.
Kann solch ein Verbot konsequent durchgesetzt werden?
Das ist wohl der schwierigste Punkt in der Debatte. Gleichzeitig stellt sich auch die Frage, wie wichtig eine konsequente Durchsetzung ist oder ob das Verbot bereits eine ausreichende, abschreckende Wirkung hat. Beispiel Rauchen: Seit vielen Jahren darf in Bahnhöfen und auf Bahnsteigen nur an ausgewiesenen Stellen gequalmt werden. Auch daran halten sich nicht alle Leute - aber wohl doch die meisten.
Alexander Poitz von der Gewerkschaft der Polizei geht nicht davon aus, dass die konsequente Durchsetzung des Alkoholverbots möglich ist. Dafür gebe es zu wenig Personal bei der Bundespolizei, die zusammen mit der DB Sicherheit dafür zuständig sein dürfte. «Wir sind gebunden in Veranstaltungen, Großveranstaltungen und Grenzkontrollen mit der Bundespolizei. Das wird schwer, das umzusetzen», sagte der stellvertretende GdP-Bundesvorsitzende im «Frühstart» von RTL/ntv.
Grundsätzlich hält Poitz das Alkoholkonsumverbot aber für gerechtfertigt - und macht sich für eine Ausweitung auch auf alle Züge stark. «Es macht keinen Sinn, an den Bahnhöfen ein Alkoholverbot umzusetzen und dann aber in der Bahn selbst Alkohol konsumieren zu dürfen», sagte Poitz.
Was macht die Bahn sonst für die Sicherheit an Bahnhöfen?
Die Deutsche Bahn hat im Januar auf Wunsch von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) ein Programm für mehr Sicherheit und Sauberkeit speziell an Bahnhöfen gestartet. Dabei will die Bahn an 25 ausgewählten Stationen mehr Sicherheitskräfte einsetzen. Mit der Bundespolizei arbeitet der Konzern eigenen Angaben zufolge daran, weitere Bahnhöfe mit Kameras und Videotechnik auszustatten. Insgesamt setzt die Deutsche Bahn deutschlandweit rund 4.500 Sicherheitskräfte an Bahnhöfen ein.
In den Zügen können die Beschäftigten auf freiwilliger Basis Bodycams tragen und in brenzligen Situationen einschalten. Zudem werden sogenannte Doppelbesetzungen getestet, damit Zugbegleiter zum Beispiel nicht alleine Tickets kontrollieren müssen.
Die Bahn überwacht die Züge und Bahnhöfe mit Tausenden Kameras, allein in den Stationen sind es bundesweit rund 11.000 Stück. Sie arbeitet daran, die Aufnahmen der Kameras in den Zügen in Echtzeit an die Verkehrszentrale weiterleiten und per KI auswerten zu lassen.
Einer Auswertung des Interessenverbands Allianz pro Schiene zufolge ist die Zahl der Straftaten an Bahnhöfen in Deutschland im vergangenen Jahr zurückgegangen. Allerdings habe es aber mehr Angriffe auf Bahn-Beschäftigte gegeben.

