
Bei den laufenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie in NRW deutet aktuell nichts auf eine Einigung zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaft hin. Die Forderungen der IG Metall und das Angebot der Arbeitgeber liegen weit auseinander. Sollte es zu keiner Einigung kommen, sind ab Sonntag auch im Hochsauerlandkreis Warnstreiks möglich. Die Friedenspflicht endet mit dem Ablauf des 31. Oktober. Am Samstag will die Tarifkommission der IG Metall NRW über den Verhandlungsstand diskutieren und über das weitere Vorgehen entscheiden.
Angebot der Arbeitgeber
Bereits in der zweiten Verhandlung der Tarifrunde 2026 hat die nordrhein-westfälische Metall- und Elektroindustrie der Arbeitgeberseite gestern ein Angebot vorgelegt. Als Vertreter für Südwestfalen haben der Vorsitzende des heimischen Unternehmensverbandes Markus Dürkes und Geschäftsführer Volker Verch mit am Verhandlungstisch gesessen.
Das Arbeitgeberangebot sieht eine differenzierbare Einmalzahlung in Höhe von 1 Prozent des durchschnittlichen tariflichen Jahresbruttoentgelts im Juli 2027 sowie eine Tabellenerhöhung um 1,3 Prozent im Juli 2028 bei einer Laufzeit bis Ende 2028 vor. Zugleich soll die automatische Differenzierung ausgeweitet und dauerhaft fortgeschrieben werden. Darüber hinaus verbindet die Arbeitgeberseite das Angebot mit Vorschlägen zur Sicherung von Investitionen, Innovationen, Standorten und Beschäftigung
Unternehmensverbands-Vorsitzender Markus Dürkes: "Vor dem Hintergrund der weiterhin angespannten wirtschaftlichen Lage der Branche setzt das Angebot auf eine schnelle und konstruktive Lösungsfindung. Entscheidend bleibt, Wettbewerbsfähigkeit und Investitionen zu stärken und damit Beschäftigung an den heimischen Standorten zu sichern.
Auch die Beschäftigten stehen durch gestiegene Lebenshaltungskosten unter Druck. Ein tragfähiger Abschluss muss deshalb beides verbinden: Entgeltperspektiven für die Beschäftigten und wirtschaftlichen Spielraum für die Betriebe. Dafür muss die automatische Differenzierung ausgeweitet und dauerhaft fortgeführt werden. Ergänzend brauchen wir ein betriebliches Instrument, das Investitionen, Innovationen, Standorte und Beschäftigung sichert.
Jetzt kommt es auf eine schnelle Einigung an. Ein wirtschaftlich tragfähiger Flächentarif schafft verlässliche Bedingungen für Unternehmen und Beschäftigte. Ihn zu sichern, ist unser klares Ziel.“
IG Metall lehnt Angebot ab
Die IG Metall bei uns war unter anderem mit einer Forderung nach fünf Prozent mehr Lohn bei einer Laufzeit von 12 Monaten in die Verhandlungen gegangen. Sie lehnte das Angebot umgehend ab. Es sei "faktisch eine Minus-Runde", sagte IG Metall-Verhandlungsführer Knut Giesler, laut dpa.
Giesler deutete an, dass nach Ende der Friedenspflicht an diesem Samstag auch Warnstreiks erwogen werden. "Sollte sich die Arbeitgeberseite nicht deutlich bewegen, wird sie nach Ablauf der Friedenspflicht die Antwort der Beschäftigten auf den Straßen und vor den Werkstoren erleben."
Die Tarifverhandlungen für die bundesweit gut 3,7 Millionen Beschäftigten in der größten deutschen Industriebranche hatten vor knapp drei Wochen begonnen. In NRW sind rund 640.000 Menschen in der Branche beschäftigt.