
Heute ist Tag der Organspende. Die Ärztekammer Westfalen-Lippe (ÄKWL) macht aus diesen Anlass deutlich: Deutschland braucht mehr Verbindlichkeit, mehr Klarheit und den politischen Mut zur Widerspruchslösung.
„In Deutschland warten weiterhin über 8.000 schwerstkranke Menschen auf ein rettendes Organ, allein in Nordrhein-Westfalen sind es rund 1.800“, erklären Dr. Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, und Prof. Dr. Theodor Windhorst, Transplantationsbeauftragter der Ärztekammer Westfalen-Lippe. „Wer Organspende ernst nimmt, muss jetzt die strukturellen Voraussetzungen verbessern.“
Zu wenig Organspender
Während 2021 die Zahl der Organspenden noch auf einem vergleichsweise hohen Niveau lagen, gab es 2022 einen deutlichen Rückgang. In den beiden darauffolgenden Jahren blieb die Zahl der realisierten Organspenderinnen und Organspender weitgehend stabil auf niedrigerem Niveau. Für 2025 zeichnete sich wieder eine Erholung ab, im Zeitraum Januar bis April 2026 stieg die Zahl der sogenannten postmortalen Organspenden um knapp 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Aus Sicht der Ärztekammer sind das wichtige Signale, aber noch keine grundlegende Trendwende. Die Lücke zwischen dem Bedarf an Spenderorganen und den tatsächlich verfügbaren Organen bleibt groß.
Ein zentraler Grund dafür ist aus Sicht der Ärztekammer, dass viele Menschen ihre Entscheidung zur Organspende nicht dokumentiert haben. Angehörige müssen dann in einer emotional extrem belastenden Situation stellvertretend entscheiden. „Es hilft sehr, wenn Menschen ihren Willen festhalten — mit einem Organspendeausweis oder durch einen Eintrag im Organspende-Register“, betonen Gehle und Windhorst. „Damit wird den Angehörigen in einer Ausnahmesituation eine schwere Entscheidung abgenommen.“
Aufklärung, Information und das bundesweite Organspende-Register seien wichtige Schritte. Sie reichten jedoch allein nicht aus, um die Zahl der Organspenden nachhaltig zu erhöhen. „Positive Haltung allein rettet keine Leben, wenn sie nicht dokumentiert ist“, so Gehle und Windhorst. „Deshalb brauchen wir mehr als Appelle.“
Widerspruchslösung gefordert
Die Ärztekammer Westfalen-Lippe spricht sich klar für die Widerspruchslösung aus. Danach gilt grundsätzlich jede und jeder als spendebereit, sofern dem nicht ausdrücklich widersprochen wurde. „Das ist keine Entmündigung, sondern eine klare und gerechte Regelung“, so die Ärztekammer. „Sie legt die Verantwortung dorthin, wo sie hingehört: zu uns selbst — zu Lebzeiten.“
Neben dem Organspendeausweis gib es seit zwei Jahren auch die Möglichkeit sich online als Organspender zu registrieren unter «organspende-register.de».