
Die Lebensqualität im Sauerland ist in den letzten Jahren gestiegen, trotzdem gibt es einige Baustellen, die in Angriff genommen werden müssen. Das sagt Frau Prof. Dr. Anne Jacobi von der Fachhochschule Südwestfalen. Sie hat im Sommer 2025 gemeinsam mit ihren Studenten eine Marktforschungsstudie zum Thema „Lebensqualität im Sauerland" durchgeführt. Dabei wurden im Zeitraum von Mai bis Juli 1.651 Menschen befragt. Der Großteil davon, 958 Befragte, kommt aus dem Sauerland bzw. aus den Kreisen Hochsauerland, Märkischer Kreis, Olpe und Soest. Um einen Vergleichswert zu haben und gleichzeitig die Meinung anderer Menschen über das Sauerland einbeziehen zu können, sind auch Menschen aus NRW-Großstädten befragt worden. Die Lebensqualität einer Region ist heute ein wesentlicher Standortfaktor für ihre Zukunftsfähigkeit. Sie beeinflusst, ob Menschen bleiben, zurückkehren oder neu in die Region zuziehen, so Jacobi. Heimische Unternehmen profitieren also bei einer hohen Lebensqualität. Sie helfe bei der Gewinnung qualifizierter Fachkräfte, heißt es. Das Sauerland befindet sich in einem Umfeld, das von demografischem Wandel, Fachkräfteengpässen und zunehmender Konkurrenz mit urbanen Regionen geprägt ist. Gleichzeitig verfügt die Region über starke Identitätsmerkmale wie ursprüngliche Natur, Sicherheit, Wirtschaftskraft, Zusammenhalt und Lebenshaltungskosten-Vorteile, so die Studie. Auftraggeber der Studie ist Sauerland Initiativ, ein Zusammenschluss aus 85 Unternehmen aus der Region.
Positive Faktoren unserer Heimat
Die Studie „Lebensqualität im Sauerland" bestätigt insgesamt eine hohe Zufriedenheit mit der Region. Besonders Natur, Sicherheit, Wirtschaftskraft, Zusammenhalt und vergleichsweise niedrige Lebenshaltungskosten werden als zentrale Stärken wahrgenommen. Die positive Entwicklung ist auch im Vergleich zu den Studienergebnissen von vor 13 Jahren zu erkennen. Damals hatten 33 Prozent der befragten Sauerländer ihre Heimat als optimalen Wohnort angegeben. Bei der aktuellsten Studie ist es mit 52 Prozent schon mehr als jeder Zweite. Als Gründe werden verschiedene positive Entwicklungen herangezogen.
Die befragten Sauerländer empfinden es im Durchschnitt zum Beispiel leichter, einen qualifizierten Job zu finden. 69 Prozent haben das in der aktuellen Studie angegeben, 2012 war es rund jeder Zweite. Außerdem habe sich der Service in den Stadtverwaltungen bei uns verbessert. Das KiTa-Angebot hat sich laut Studie ebenfalls verbessert. 18 Prozent empfinden das Angebot an Kindertagesstätten bei uns als ausreichend. Das Freizeitangebot im Sauerland trägt auch einen wichtigen Teil zur Lebensqualität bei, so Jacobi. Genau damit sind die Sauerländer deutlich zufriedener im Vergleich zu 2012. Rund 60 Prozent sind mit dem Angebot an Bars und Restaurants in unserer Region zufrieden, eine ähnlich hohe Zustimmung bekommen Sport- und Freizeitanlagen bei uns. Gestiegene Lebenserhaltungskosten haben in den letzten Jahren vor allem in den Großstädten für viel Unmut gesorgt. Im Sauerland können derweil mehr Menschen etwas von ihrem Gehalt zurücklegen, so die Studie. 69 Prozent der Befragten haben angegeben, von ihrem Gehalt Rücklagen bilden zu können. Das ist ein höherer Wert als in den NRW-Großstädten wie Köln oder Düsseldorf. Als Gründe werden unter anderem die niedrigeren Kosten für Mietwohnungen, Häuser oder Grundstücke herangezogen, so Jacobi. Abschließend wurden die Sauerländer in der Studie gefragt, ob ihre Lebensqualität hoch ist. Die Antwort ist im Vergleich zu 2012 gleich geblieben: 91 Prozent haben als Antwort „ja“ angegeben.
Negative Faktoren unserer Heimat
Vier zentrale Engpässe belasten die Attraktivität der Region, so die Studie. Dazu zählen die Themen eingeschränkte Mobilität, fehlende Angebote für junge Menschen, Defizite in der Gesundheitsversorgung sowie eine uneinheitliche digitale Infrastruktur. Das Thema öffentliche Verkehrsmittel wurde von der Altersgruppe zwischen 18 und 25 als größtes Problem angesehen. Das Thema ärztliche Versorgung beschäftigt eher die Sauerländer zwischen 40 und 65 Jahren. Allgemein geben in allen Altersgruppen 55 Prozent an, leichten Zugang zu ärztlicher Versorgung zu haben. 75 Prozent können schnell ein örtliches Krankenhaus erreichen. Zeitgleich ist aber für rund 90 Prozent der befragten Sauerländer eine gute medizinische Versorgung in der unmittelbaren Umgebung wichtig. Sauerland lnitiativ empfiehlt der regionalen Politik, diese und andere Handlungsfelder gezielt anzugehen: durch bessere und flexiblere Mobilitätsangebote, mehr Freizeit- und Begegnungsräume für junge Menschen, eine Sicherung der medizinischen Versorgung sowie einen beschleunigten Ausbau der digitalen lnfrastruktur. Ziel ist es, die Lebensqualität des Sauerlandes weiter zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit der Region langfristig zu sichern.
Lösungansätze
,,Die Marktforschungsstudie zum Thema Lebensqualität im Sauerland wurde durchgeführt, um die Unternehmen aus der Region zu unterstützen. Wenn überall in NRW bekannt ist, dass es im Sauerland eine gute Lebensqualität gibt, werden viele Fachkräfte und Jugendliche bereit sein, ins Sauerland umzuziehen. Heutzutage ist es für alle Leute aus NRW ganz wichtig, dass man dort wohnen und leben möchte, wo die Lebensqualität super gut ist. Deshalb ist wichtig für die Unternehmer, dass viele Leute wissen, wie gut es ist, im Sauerland zu leben und zu arbeiten", so Prof. Dr. Anne Jacobi, gebürtige Sauerländerin von der Fachhochschule Südwestfalen. Der akute Handlungsbedarf geht auch aus den Befragungsergebnissen bei jungen Menschen in den NRW-Großstädten hervor. In der Altersgruppe von 18 bis 25 Jahren haben 44 Prozent angegeben, das Sauerland nicht zu kennen. Je älter die befragte Person, desto eher war die Person schon bei uns in der Region. In der Altersklasse zwischen 40 und 65 Jahren waren bereits rund 70 Prozent im Sauerland zu Besuch. "Die Studie zeigt sehr klar: Das Sauerland hat starke Grundlagen – aber wir dürfen uns darauf nicht ausruhen. Jetzt kommt es darauf an, die identifizierten Engpässe konsequent anzugehen. Wir brauchen ein gemeinsames Vorgehen von Politik, Wirtschaft und Kommunen, um Mobilität zu verbessern, Angebote für junge Menschen zu schaffen, die Gesundheitsversorgung zu sichern und die Digitalisierung voranzutreiben. Nur so bleibt das Sauerland auch in Zukunft ein attraktiver Lebens- und Arbeitsstandort", so Tobias Metten von Sauerland Initiativ.
NRW-Großstädte
Knapp jeder zweite Jugendliche in den NRW-Großstädten kennt das Sauerland nicht. Das ist eine der Erkenntnisse der heute vorgestellten Studie. "Menschen aus den Großstädten zwischen 18 und 25 Jahren haben bisher aus wirtschaftlicher Sicht wenige Anhaltspunkte zu den Hidden Champions im Sauerland. Maximal die großen Brauereien wie Veltins sind bekannt", so Jacobi. Deswegen müssen Unternehmen verstärkt auch mit Social-Media-Kampagnen und anderen Aktionen auf den Wirtschaftsstandort Sauerland aufmerksam machen, um Fachkräfte zu gewinnen, heißt es. Das Sauerland bietet laut Studie einige positive Punkte, die Menschen aus den Großstädten in ihrer Heimat eher vermissen. Dazu gehören zum Beispiel die Sicherheit auf dem Nachhauseweg oder niedrigere Lebenserhaltungskosten. Mietwohnungen und Häuser sind bei uns deutlich günstiger als in den Großstädten wie Düsseldorf oder Bielefeld.