
Straßenraub, räuberische Erpessung, Abzocke - gefühlt scheint es in Neheim mehr von Jugendlichen begangene Strafttaten zu geben, als anderswo im Hochsauerlandkreis. Ende vergangenen Jahres hatte es eine Häufung von Taten in der Neheimer Innenstadt gegeben. Auch in diesem Jahr haben Jugendliche einige Straftaten begangen. Die Problematik ist der Polizei bekannt. "Straftaten, bei denen Jugendliche als Tatverdächtige in Erscheinung treten, werden sehr ernst genommen – insbesondere dann, wenn Gewalt angewendet wird oder Bürgerinnen und Bürger sich dadurch verunsichert fühlen", sagt Polizeisprecher Pascal Kraas auf Anfrage von Radio Sauerland. Die aktuelle Entwicklung werde von der Polizei fortlaufend analysiert und bewertet. "Dabei betrachten wir nicht nur einzelne Vorfälle, sondern auch mögliche Zusammenhänge, Tatorte, Personengruppen und zeitliche Häufungen. Einzelne Delikte erzeugen verständlicherweise eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit." Es sei aber wichtig, die Gesamtlage differenziert zu betrachten."Unser Ziel ist klar: Straftaten frühzeitig zu verhindern, konsequent einzuschreiten und den öffentlichen Raum für alle Menschen sicher zu halten. Wer Straftaten begeht oder andere einschüchtert, muss damit rechnen, dass die Polizei einschreitet – unabhängig vom Alter."
Polizei zeigt Präsenz
Bereits im vergangenen Jahr hat die Polizei auf Kriminalität von Jugendlichen reagiert und die Präsenz in der Neheimer Innenstadt verstärkt. Dazu gehören sichtbare Streifen, Kontrollen, Ansprechbarkeit im öffentlichen Raum sowie ein enger Austausch mit Gewerbetreibenden, Schulen, Kommunen und Bürgerinnen und Bürgern. Die Polizei verfolge Vorfälle konsequent und nehme Hinweise aus der Bevölkerung ernst, so Kraas: "Wer Straftaten beobachtet oder sich unsicher fühlt, soll sich jederzeit an die Polizei wenden."
Prävention
Jugendkriminalität kann dauerhaft nur gemeinsam mit anderen Institutionen wirksam bekämpft werden. Die Polizei arbeitet deshalb eng mit Jugendämtern, Familienhilfen, Schulen, Ordnungsbehörden, Ausländerbehörden, Sozialarbeit, Staatsanwaltschaft und weiteren Partnern zusammen.
Gerade bei jungen Intensivtätern oder auffälligen Gruppendynamiken sei ein abgestimmtes Vorgehen wichtig, so Pascal Kraas: "Ziel ist es, problematische Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen einzuleiten. Dabei geht es sowohl um konsequentes Einschreiten als auch um Prävention und soziale Unterstützung." Die Erfahrung zeige: Dort, wo Informationen gebündelt, Zuständigkeiten abgestimmt und Maßnahmen gemeinsam entwickelt werden, können Entwicklungen frühzeitig beeinflusst und weitere Straftaten verhindert werden.
Polizei reagiert konsequent auf Fehlverhalten von Kindern und Jugendlichen
In einer Vielfalt der Fälle sind die Tätergruppen ganz oder teilweise polizeilich bekannt, beziehungsweise können ermittelt werden. Bei einem Straßenraub Ende April sind sich Täter und Geschädigter bereits zuvor begegnet. In diesem Fall handele es sich nicht um ein klassisches Raubdelikt.
Bei anderen Taten ging es teilweise um „Abzocke“ unter Jugendlichen, außerhalb oder innerhalb des schulischen Rahmens.
Bei Kindern und Jugendlichen verfügt die Polizei über verschiedene Möglichkeiten, um konsequent auf Fehlverhalten zu reagieren und Gefahren abzuwehren.
Kinder unter 14 Jahren gelten als strafunmündig und können strafrechtlich nicht verfolgt werden. Das bedeute aber ausdrücklich nicht, dass polizeiliches Handeln folgenlos bleibt, so Kraas: "Die Polizei kann Personalien feststellen, Platzverweise aussprechen, Kinder aus gefährlichen Situationen herausnehmen und erzieherische Gespräche führen. Die Erziehungsberechtigten werden, wenn möglich, immer über ein Ermittlungsverfahren und das Verhalten ihrer Kinder informiert. Von jedem Fall erhält das Jugendamt Kenntnis. Darüber hinaus werden Sachverhalte dokumentiert und an zuständige Stellen weitergegeben."
Bei strafmündigen Jugendlichen und Heranwachsenden werden Straftaten konsequent verfolgt. Hier arbeitet die Polizei eng mit der Staatsanwaltschaft zusammen. Je nach Einzelfall kommen erzieherische Maßnahmen, Auflagen oder gerichtliche Sanktionen in Betracht, so Kraas.
Die große Mehrheit der Jugendlichen verhalte sich aber verantwortungsbewusst und friedlich.