
Boxen
Oberhausen (dpa) - Nach seinem schnellen K.o-Sieg heizte Agit Kabayel die 13.000 Fans in der ausverkauften Arena nochmal an. «Ich glaube, wir sind jetzt ready, um um die WM zu boxen - oder was sagt ihr?!», schrie der Schwergewichtsboxer ins Mikrofon. Das Publikum antwortete ihm mit einem lauten Jubel und viel Beifall.
Bei seinem ersten Kampf seit fast drei Jahren in Deutschland hatte der ungeschlagene Boxprofi einen weiteren Schritt Richtung WM-Kampf gemacht. «Mir geht's um die große Krone», sagte der Bochumer, der vor heimischer Kulisse in Oberhausen den Polen Damian Knyba durch technischen Knockout in der dritten Runde besiegte. Der 33-Jährige verteidigte vor begeisterten Zuschauern zudem erfolgreich seinen WM-Interimsgürtel des Verbandes WBC und feierte seinen 27. Profisieg.
«Das deutsche Boxen lebt»
«Ich bin so glücklich darüber. Wir haben ein Statement gesetzt, wir haben der Welt gezeigt, dass das deutsche Boxen lebt», sagte Kabayel im ersten Interview nach dem Sieg bei DAZN. Die Stimmung in der vollen Halle begeisterte auch Ex-Weltmeisterin Regina Halmich. «Ich habe wirklich Gänsehaut, das erinnert mich an die gute alte Boxzeit. Das Boxen in Deutschland lebt wieder - und das tut so gut», sagte die DAZN-Expertin.
Gegen den etwa zehn Zentimeter größeren Polen zog sich Kabayel gleich in der ersten Runde einen Cut über dem rechten Auge zu. «Ich habe in der ersten Runde nicht auf den Coach gehört», gab Kabayel zu. Knyba nutzte seine größere Reichweite clever aus und ließ den Deutschen nur selten in den Innenfight kommen. Doch Kabayel passte sich besser an. In der dritten Runde verpasste er seinem Gegner einen wahren Schlaghagel, bis der Ringrichter den Kampf beendete.
Kabayels Ziel: Zweiter deutscher Schwergewichtsweltmeister
In der jüngsten Vergangenheit hatte sich Kabayel dank seiner drei Knockout-Erfolge in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad gegen starke Gegner in der Weltspitze positioniert. Der Profiboxer träumt davon, als zweiter deutscher Schwergewichtler nach Max Schmeling vor mehr als 95 Jahren den Weltmeistertitel zu gewinnen.
Die Kulisse in Oberhausen konnte sich sehen lassen. Letztmals besuchten mehr Zuschauer einen Boxkampf bei der Niederlage von Wladimir Klitschko gegen Tyson Fury. Vor mehr als zehn Jahren kamen etwa 50.000 Menschen nach Düsseldorf. «Das erfüllt einen mit Stolz», hatten Kabayel der Deutschen Presse-Agentur gesagt, nachdem die Arena innerhalb von fünf Tagen ausverkauft war.
Jetzt gegen Usyk?
Boxbeobachter hoffen auf ein Duell zwischen dem ukrainischen Dreifach-Champion Oleksandr Usyk und Kabayel zum Ende des Jahres. Der Ukrainer hatte allerdings von der WBC die Möglichkeit bekommen, dass er eine freiwillige Titelverteidigung durchziehen kann - und wird wohl im Frühjahr gegen den US-Amerikaner Deontay Wilder antreten.