
Respektloses Verhalten, Beleidigungen und schwierige Situationen im Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern: Auch in den Kommunen im Hochsauerlandkreis ist der Schutz von Mitarbeitenden in Verwaltungen und Jugendämtern ein wichtiges Thema. Nach den tödlichen Schüssen auf sechs Beschäftigte in der Jugendhilfe im niedersächsischen Stade gucken viele Städte und Behörden noch einmal genauer auf ihre Sicherheitskonzepte. Dabei zeigt sich: Die Ausgangslage ist unterschiedlich, das Thema beschäftigt aber alle. Radio Sauerland hat nachgefragt:
Jugendämter im Fokus: Kommunen setzen auf Prävention und Deeskalation
Gerade in Jugendämtern, aber auch in anderen Bereichen mit viel Publikumsverkehr oder konfliktbeladenen Gesprächen, wächst die Bedeutung von Schutzmaßnahmen. Mehrere Kommunen im Hochsauerlandkreis setzen nach eigenen Angaben auf Schulungen, organisatorische Vorkehrungen und den Austausch im Netzwerk #sicherimDienst. Im Hochsauerlandkreis haben der Kreis und die Städte Arnsberg, Schmallenberg und Sundern eigene Jugendämter.
Hochsauerlandkreis: Thema regelmäßig im Arbeitsschutzausschuss
Beim Hochsauerlandkreis ist der Umgang mit möglicherweise problematischem Klientel nach eigenen Angaben schon länger Thema - unabhängig von einer Mitgliedschaft im Netzwerk #sicherimDienst oder von einzelnen Vorfällen. Besprochen wird das regelmäßig in den mehrmals jährlich stattfindenden Sitzungen des Arbeitsschutzausschusses.
Daraus hat der Kreis verschiedene Maßnahmen abgeleitet. Mitarbeitende können an Schulungen zur Deeskalation, Selbstbehauptung und Selbstverteidigung teilnehmen. In Büros gibt es die Möglichkeit eines stillen Alarms, für den Außendienst soll demnächst zusätzlich ein Personen-Notsignal-Gerät eingeführt werden. Für Außendienstpersonal wurden außerdem stichsichere Westen angeschafft. In einzelnen Verwaltungsbereichen ist der Zugang bereits eingeschränkt.
Kommt es zu Vorfällen, kann der Hochsauerlandkreis nach eigenen Angaben Hausverbote erteilen und Strafanzeige stellen. Beschäftigte können sich außerdem an eine externe Mitarbeiterberatung wenden, wenn sie Unterstützung nach belastenden Situationen brauchen. Aus dem Jugendamt heißt es dazu, der Ton sei oft rauer geworden und es fehle mitunter an respektvollem Umgang.
Stadt Arnsberg: Jugendhilfe arbeitet oft in hoch emotionalen Situationen
Die Stadt Arnsberg weist darauf hin, dass die Jugendhilfe den gesetzlichen Auftrag habe, auch in kritischen Lebenslagen Kindeswohlgefährdungen abzuwenden. Dazu gehörten im äußersten Fall auch Herausnahmen von Kindern und Jugendlichen aus Familien. Diese würden anschließend stets durch die Familiengerichte überprüft. Dabei treffe die Jugendhilfe zum Teil auf hochstrittige und stark emotionalisierte Eltern. Das Jugendamt versuche dann, die Lage durch frühzeitige Gesprächsangebote zu entspannen. In den meisten Fällen gelinge das auch.
Nach Angaben der Stadt sind die Mitarbeitenden des Allgemeinen Sozialen Dienstes erfahren im Umgang mit Konfliktsituationen. Zusätzlich gibt es in unregelmäßigen Abständen Schulungen zur Deeskalation und Selbstverteidigung. Bei unangekündigten Hausbesuchen oder Konfliktgesprächen seien grundsätzlich mindestens zwei Mitarbeitende im Einsatz.
In Einzelfällen setzt die Stadt Arnsberg nach eigenen Angaben auch auf besondere Zugangskontrollen an Besprechungsorten und teilweise auf die Unterstützung des Kommunalen Ordnungsdienstes, um die Sicherheitsbedingungen zu erhöhen. Gleichzeitig räumt die Stadt ein, dass sich eine gezielt vorbereitete Gewalttat nie vollständig ausschließen lasse. Jugenddezernent Michael John erklärt dazu, man gehe aber davon aus, in fast allen Situationen die Lage rechtzeitig entspannen oder durch besondere Vorgehensweisen absichern zu können.
Mit Blick auf das neue Rathaus will die Stadt Arnsberg außerdem alle gebäudebezogenen Sicherheitsfragen noch einmal überprüfen. Diese Diskussion läuft nach Angaben der Stadt auch im Rahmen der Mitgliedschaft im Netzwerk Sicher im Dienst.
Schmallenberg: Netzwerk als Plattform für Austausch
Die Stadt Schmallenberg ist seit drei Jahren Mitglied im Netzwerk Sicher im Dienst. Nach Angaben der Stadt bietet das Netzwerk eine wichtige Plattform für den Austausch zwischen Behörden und Kommunen in Nordrhein-Westfalen. In Workshops und Treffen würden Erfahrungen, Informationen und Handlungsempfehlungen zum Schutz der Mitarbeitenden geteilt. Weil dem Netzwerk fortlaufend weitere Kommunen beitreten, wachse auch der gemeinsame Erfahrungsschatz.
Der aktuelle Fall in Stade ist für die Stadt Schmallenberg Anlass, Schutzmaßnahmen und organisatorische Abläufe im Jugendamt, aber auch in anderen Bereichen des Rathauses noch einmal zu überprüfen. Dazu gehören auch Schulungen für Mitarbeitende zum Verhalten in Konflikt- und Gefahrensituationen.
Besondere Sicherheitsvorkehrungen wie Eingangskontrollen oder einen Sicherheitsdienst gibt es in Schmallenberg nach Angaben der Stadt derzeit weder im Jugendamt noch in anderen Verwaltungsbereichen. Das Rathaus sei grundsätzlich ein öffentliches Gebäude und für Bürgerinnen und Bürger frei zugänglich. Verbale Auseinandersetzungen oder Beleidigungen kämen vereinzelt vor, bewegten sich aber im Rahmen von Einzelfällen.
Stadt Sundern: Keine Details zu konkreten Schutzmaßnahmen
Die Stadt Sundern ist dem Präventionsnetzwerk #sicherimDienst erst vor Kurzem beigetreten. Nach Angaben der Stadt haben Schutz und Sicherheit der Beschäftigten höchste Priorität. Unabhängig von aktuellen Ereignissen oder einzelnen Vorfällen überprüfe und entwickle die Stadt beziehungsweise das Jugendamt ihre Maßnahmen zum Schutz der Mitarbeitenden kontinuierlich weiter. Wenn belastende Ereignisse eintreten, würden diese gemeinsam mit den betroffenen Mitarbeitenden im Team aufgearbeitet. Außerdem stelle die Stadt Unterstützungsangebote bereit. Nach eigenen Angaben arbeitet das Jugendamt Sundern eng mit anderen Behörden und Netzwerkpartnern zusammen und bietet Beschäftigten regelmäßig Schulungen und Sensibilisierungsmaßnahmen an.
Zu konkreten Sicherheitsvorkehrungen, internen Abläufen oder möglichen Einsatzszenarien macht die Stadt Sundern bewusst keine näheren Angaben. Auch zu einzelnen Konfliktfällen aus dem Arbeitsalltag äußert sie sich nicht.