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Seltene Vögel auf Borkenkäferflächen
© Wald und Holz NRW/Hannah Kalthoff
Sperlingskauz
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Seltene Vögel auf Borkenkäferflächen

Eine Untersuchung zeigt, dass auf Borkenkäferflächen im Sauerland überraschend viele gefährdete Vogelarten leben

Veröffentlicht: Mittwoch, 29.04.2026 22:00

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Sturm, Dürre und der Borkenkäfer haben die Wälder im Sauerland in den vergangenen Jahren stark geschädigt. Deshalb ist das Ergebnis einer Untersuchung von Forscherinnen und Forschern der Uni Osnabrück umso überraschender: Sie konnten auf den Borkenkäfer-Schadflächen eine bemerkenswert hohe Zahl an gefährdeten und teilweise vom Aussterben bedrohten Brutvogelarten nachweisen. Die Auswertung der erhobenen Daten hat jetzt Projektleiterin Hannah Kalthoff in Arnsberg vorgestellt.

Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass auch besonders seltene Vogelarten sich unter Umständen relativ schnell an veränderte Umweltbedingungen anpassen können. Die Forschenden vermuten beispielsweise, dass einige der endeckten Vogelarten, die zu den Zugvögeln gehören auf den gestörten Waldflächen einen ungeplanten Zwischenstopp eingelegt haben und dann spontan geblieben sind, weil die Bedingungen hier in diesem Moment für die Aufzucht ihrer Jungen günstig waren. Denn auf den Borkenkäfer-Schadflächen wuchsen im Untersuchungszeitraum zum Teil deutlich mehr Blühpflanzen, die viele Insektenarten anziehen, was wiederum die wichtigste Nahrungsgrundlage bei der Aufzucht junger Vögel ist. Gleichzeitig konnten die Höhlenbrüter in den vorhandenen abgestorbenen Bäumen oder Baumteilen ausreichend Brutplätze finden. 

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Bedeutung für Naturschutz und Waldbewirtschaftung

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„Die Forschung liefert uns sehr wichtige, aktuelle Informationen über die Artenvielfalt in unseren Wäldern. Je genauer wir sie kennen, desto gezielter können wir sie schützen und fördern“, sagt Olaf Ikenmeyer, Leiter des Regionalforstamtes Arnsberger Wald.

So zeige sich etwa, dass selbst einzelne abgestorbene Bäume oder wenige Meter hohe Baumstümpfe auf größeren Schadflächen von Höhlenbrütern wie dem Sperlingskauz gut angenommen werden. „Das war grundsätzlich zu erwarten – jetzt haben wir für die untersuchten Flächen Gewissheit. Und die entstandenen Vogelbilder machen diese wertvolle Vielfalt auch anschaulich sichtbar“, so Ikenmeyer weiter.

„Vor allem auf den Borkenkäfer-Schadflächen waren unter den Vogelsichtungen schon echte Highlights: Darunter der Wendehals. Er gehört zu den Spechten, baut aber keine eigenen Höhlen und ist auf bestehende Strukturen angewiesen. Da der Wendehals in NRW vom Aussterben bedroht ist, ist die hohe Zahl an Brutpaaren, die wir nachweisen konnten umso erfreulicher. Der Wendehals hat damit eindeutig davon profitiert, dass Höhlenbäume im Zuge der Forstarbeiten gezielt erhalten wurden.“, erklärt Hannah Kalthoff von der Universität Osnabrück, Abteilung für Biodiversität und Landschaftsökologie. Seinen Namen verdankt der Wendehals seiner auffälligen Abwehrstrategie: Bei Gefahr imitiert er mit zischenden Bewegungen eine Schlange. Er ernährt sich vor allem von Ameisen sowie anderen Insektenlarven, die er in großen Mengen auf den Borkenkäfer-Schadflächen findet.

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Forschungsansatz: Wälder im Klimawandel im Vergleich

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Durch klimawandelbedingte Ereignisse wie Stürme, Dürreperioden und Massenvermehrungen von Schadinsekten verändert sich der Wald in vielen Regionen Nordrhein-Westfalens deutlich. Welche Auswirkungen hat das auf die Artenvielfalt? Und wie unterscheiden sich stark geschädigte Wälder von weitgehend intakten Beständen?

Diesen Fragen ging das Projekt „Einfluss klimawandelbedingter Störereignisse auf die Biodiversität mitteleuropäischer Wirtschaftswälder“ der Universität Osnabrück nach. In den Monaten März bis Juli 2024 erfassten die Forschenden auf insgesamt 50 Waldflächen in den Regionalforstämtern Arnsberger Wald, Soest-Sauerland und Oberes Sauerland systematisch die Brutvögel. Pro Fläche (je 30 Hektar) wurden fünf Tages- und zwei Nachtbegehungen durchgeführt.

Untersucht wurden schwerpunktmäßig Flächen auf denen der Borkenkäfer seit 2018 immense Waldschäden hinterließ und sowohl durch den Sturm Kyrill (2007) geschädigte Wälder als auch intakte alte Laubmischwälder. Das Ergebnis: eine bemerkenswert hohe Zahl an gefährdeten und teilweise vom Aussterben bedrohten Brutvogelarten konnte teilweise mit vielen Individuen auf den Borkenkäfer-Schadflächen nachgewiesen werden.

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Seltene Vögel auf Borkenkäferflächen
© Wald und Holz NRW/Hannah Kalthoff
Ein Wendehals mit Ameisenpuppen im Schnabel
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