
Der Caritasverband Brilon und das Krankenhaus Maria-Hilf Brilon machen sich Sorgen um die Versorgung im ländlichen Raum. Auf die aktuellen Reformen im Gesundheits‑ und Sozialwesen blicken die beiden größten Institutionen im Altkreis Brilon mit großer Sorge. Gemeinsam machen sie auf die drohenden Auswirkungen aufmerksam. Beide Träger betonen, dass sie sich aus Verantwortung für die Menschen in der Region zusammenschließen: Ziel sei es, die Versorgung im ländlichen Raum zu sichern und die Qualität sozialer und medizinischer Leistungen trotz politischer Einsparmaßnahmen zu erhalten.
Stellungnahmen des Caritasverbandes und des Maria-Hilf-Krankenhauses zu den Reformen
Caritasverband Brilon
Heinz‑Georg Eirund, Vorstand des Caritasverbandes Brilon, ordnet die Reformen deutlich ein: „Diese Reformen betreffen alle Menschen und alle Generationen. Gesundheit, Pflege, Rehabilitation, Eingliederungshilfe, Jugend‑ und Familienhilfe: Wer ein Problem hat, wird es zukünftig noch schwerer haben Hilfe und Lösungen zu finden. Was als Reform bezeichnet wird, sind in Wahrheit reine Einsparpakete.“
Besonders fürchtet Eirund die negativen Auswirkungen auf die Tariftreue: „Wenn tarifliche Vergütungen nicht mehr vollständig refinanziert werden, führt das zu Leistungseinschränkungen, steigendem Arbeitsdruck und weiterem Fachkräftemangel. Das gefährdet die Qualität der Versorgung und erhöht den wirtschaftlichen Druck auf die Träger.“
Auch die geplanten Änderungen in der Pflege, wie etwa spätere Zugänge zu Leistungen, gekürzte Budgets und neue, nicht auskömmliche Finanzierungsmodelle, treffen insbesondere Frauen als pflegende Angehörige und Pflegebedürftige hart. Eirund: „Unterversorgung, steigende Wartezeiten und eine Verschlechterung des Pflegezustands sind absehbar. Familien werden zusätzlich belastet, denn das Geld für professionelle Dienste ist nicht mehr da.“
Städtisches Krankenhaus Maria-Hilf Brilon
René Thiemann, Geschäftsführer des Städtischen Krankenhauses Maria-Hilf Brilon, sieht vor allem das GKV‑Beitragssatzstabilisierungsgesetz kritisch. „Für ländliche Krankenhäuser überwiegen die wirtschaftlichen Belastungen deutlich. Die Deckelung der Budgetentwicklung, das Ende der vollständigen Pflegekostenrefinanzierung und die Ausweitung der Prüfungen durch den Medizinischen Dienst, welche einen erheblichen administrativen Mehraufwand abseits der Patientenversorgung verursachen, erhöhen den Druck auf das Krankenhaus massiv.“
Thiemann erläutert die Folgen für die Klinik: „Wenn steigende Personal‑ und Sachkosten nicht mehr auskömmlich refinanziert werden, trifft das ländliche Häuser besonders hart. Gleichzeitig steigen die Anforderungen etwa durch strengere Abrechnungsprüfungen mit höherem Finanzrisiko und Bürokratiewachstum. Das bindet Zeit, Mittel, Geld und buchstäblich auch Nerven, die besser, weil zweckdienlicher wie menschlicher in die Patientenversorgung fließen müssten.“
Gemeinsamer Appell aus Brilon
Krankenhaus und Caritas fordern eine Überarbeitung der Reformen mit Blick auf die Versorgungsstrukturen im ländlichen Raum. Thiemann appelliert: „Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen, die Qualität und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen ermöglichen.“ Eirund ergänzt: „Gute Pflege, gute Medizin und gute soziale Arbeit sind nur möglich, wenn die medizinischen und sozialen Institutionen inklusiver der Tariftreue finanziell abgesichert bleiben. Die Menschen im ländlichen Raum dürfen nicht die Leidtragenden von Sparmaßnahmen werden.“
Hintergrund: Zwei starke Träger im ländlichen Raum
Der Caritasverband Brilon ist mit 64 Diensten und Einrichtungen der größte Arbeitgeber der Region. Über 1.250 Mitarbeitende erreichen täglich über 5.000 Menschen aller Altersstufen in der Pflege, Beratung, Begleitung, Eingliederungshilfe und existenzsichernden Hilfen.
Das Städtische Krankenhaus Maria-Hilf Brilon versorgt als zentraler medizinischer Anbieter im Hochsauerland jährlich über 17.000 Patientinnen und Patienten. Mit rund 200 Betten und ca. 500 Mitarbeitenden gewährleistet das Haus die Grund- und Regelversorgung in den Fachbereichen Allgemeine Chirurgie, Unfallchirurgie und Orthopädie, Gynäkologie und Geburtshilfe, Allgemeine Innere Medizin, Gastroenterologie, Kardiologie, Geriatrie und Intensivmedizin. Ergänzt wird das Versorgungsangebot durch die Belegabteilung Urologie sowie die Teilnahme an der Notfallversorgung. Der Gesundheitspark in Brilon wird durch verschiedenste Facharztpraxen, medizinische Zentren und dem Bildungsinstitut für Gesundheit ergänzt.
Beide Träger stellen sich den strukturellen Herausforderungen.