
Auch wenn es Ende November bei uns im Sauerland das erste Mal richtig kalt war in diesem Winter, lagen die Temperaturen in den vergangenen Jahren im Schnitt zum Winterstart doch über den Durchschnittswerten früherer Jahre. Eine Verschiebung hin zu „wärmeren“ Wintern mit weniger Frostperioden hat nach Angaben von Wald und Holz NRW erhebliche Auswirkungen auf die Tier- und Pflanzenwelt in den Sauerländer Wäldern.
Für Pflanzen bedeuten milde Temperaturen zum Winterstart, dass sie zum Teil früher aus ihren Ruhephasen erwachen und austreiben. Das sei riskant, weil weil Spätfröste im Januar/Februar dann Knospen und junge Triebe schädigen können, so Wald und Holz. Milde Temperaturen gepaart mit feuchter Luft würden zudem die Verbreitung von Pilzsporen und Krankheitserregern begünstigen und die Atmungs- und Stoffwechselaktivität der Bäume erhöhen. Das kann an Standorten, die im Winter eigentlich bestimmte Wasserreserven brauchen, zu Stress führen.
Winterschläfer erwachen früher - Rehe aktiver
Auch für viele Tiere bedeuten milde Temperaturen Probleme, etwa wenn sie wie Igel, Siebenschläfer oder Fledermäuse in Winterschlaf bzw. Winterruhe sind. Sollte es zu lange zu warm sein, würden sie frühzeitig aktiv werden und so wertvolle Energiereserven verbrauchen. Dies gilt auch für Amphibien in Winterstarre.
Andere Tiere überwintern bei milden Temperaturen besser, wie Zecken, Milben und manche Insekten, aber auch Wildschweine oder Rehe, die dann auch aktiver sind und mehr Nahrung brauchen, was sich wiederum auf die Vegetation, andere Wildtiere, aber auch auf Vögel und Menschen auswirkt. Wenn es mehr Rehe oder anderes Schalenwild in den Wäldern gibt, kann der Wuchs junger Bäume gestört werden. Auch könnten bestimmte Vögel, die eigentlich für den Winter in Richtung Süden ziehen, vor Ort bleiben und das Ökosystem verändern. Des Weiteren könnte die Verbreitung der Vogelgrippe beeinflusst werden.
Population von Schädlingen steigt
Frost tötet traditionell große Teile der Larven von Borkenkäfern und anderen Insekten ab. Ohne Frost können deren Populationen explodieren. Das ist z. B. ein Grund für die extremen Borkenkäfer-Schäden der letzten Jahre. Auch beim Baubestand kann es zu Veränderungen kommen, weil frosttolerante Arten unter Druck geraten und wärmebegünstigte Arten wie Eiche, Douglasie, Esskastanie und manche mediterranen Arten profitieren. Wenn es nicht friert, bleibt zudem der Waldboden weicher und matschiger, was für Forstmaschinen zum Problem werden kann, was die Waldbewirtschaftung erschwert.
Bestimmte Bäume sind anpassungsfähig
Ob Bäume mit dem selteneren Frost und den veränderten klimatischen Bedigungen zurechtkommen, hängt laut Wald und Holz stark von der jeweiligen Art ab. Arten wie Die Anpassungsfähigkeit hängt stark von der Baumart ab. Eiche, Hainbuche, Linde, Tanne oder Douglasie haben etwa eine hohe Anpassungsfähigkeit. Fichte, Birke oder Rotbuche haben es dagegen schwerer, vor allem, wenn der Bestand schon älter ist. Künftig werde sich der Wald im Sauerland hin zu mehr Mischwäldern mit eher wärmeliebenden Arten entwickeln.