
Sauerland muss bekannter für Fachkräfte werden
Vier zentrale Probleme belasten die Attraktivität des Sauerlandes. Dazu zählen die Themen eingeschränkte Mobilität, fehlende Angebote für junge Menschen, Defizite in der Gesundheitsversorgung sowie eine uneinheitliche digitale Infrastruktur. Das hat eine Studie der FH Südwestfalen ergeben.
Veröffentlicht: Sonntag, 12.04.2026 22:00
Die Studie der FH Südwestfalen hat die Lebensqualität bei uns im Sauerland genauer betrachtet. Dafür sind Studenten und Forscher mit knapp 1.000 Menschen aus den Kreisen Hochsauerland, Märkischer Kreis, Olpe und Soest ins Gespräch gekommen. Das Thema öffentliche Verkehrsmittel wurde von der Altersgruppe zwischen 18 und 25 als größtes Problem angesehen. Das Thema ärztliche Versorgung beschäftigt eher die Sauerländer zwischen 40 und 65 Jahren. Allgemein geben in allen Altersgruppen 55 Prozent an, leichten Zugang zu ärztlicher Versorgung zu haben. 75 Prozent können schnell ein örtliches Krankenhaus erreichen. Zeitgleich ist aber für rund 90 Prozent der befragten Sauerländer eine gute medizinische Versorgung in der unmittelbaren Umgebung wichtig. Der Auftraggeber der Studie, Sauerland lnitiativ, empfiehlt der regionalen Politik, diese und andere Handlungsfelder gezielt anzugehen: durch bessere und flexiblere Mobilitätsangebote, mehr Freizeit- und Begegnungsräume für junge Menschen, eine Sicherung der medizinischen Versorgung sowie einen beschleunigten Ausbau der digitalen lnfrastruktur. Ziel ist es, die Lebensqualität des Sauerlandes weiter zu stärken und die Wettbewerbsfähigkeit der Region langfristig zu sichern.
Studie wichtig für Sauerländer Unternehmen
Sauerland Initiativ, ein Zusammenschluss aus 85 Unternehmen aus unserer Region, hatte die Studie der FH Südwestfalen zum Thema Lebensqualität beauftragt. "Die Lebensqualität vor Ort ist einer der wichtigsten Faktoren für einen Arbeitgeberwechsel, zum Beispiel ins Sauerland". Das sagt Frau Prof. Dr. Anne Jacobi von der Fachhochschule Südwestfalen. Sie hatte gemeinsam mit ihren Studenten die Studie durchgeführt und ausgewertet. Das Sauerland hat laut einer Befragung in den NRW-Großstädten zwar viele gute Standortfaktoren wie vergleichsweise niedrigere Lebenserhaltungskosten oder viel Natur. Gleichzeitig gibt es vor allem bei den jungen NRWlern ein zentrales Problem: Viele kennen das Sauerland gar nicht. 44 Prozent der befragten Menschen bis 25 haben angegeben, noch nie etwas vom Sauerland gehört zu haben. "Wenn überall in NRW bekannt ist, dass es im Sauerland eine gute Lebensqualität gibt, werden viele Fachkräfte und Jugendliche bereit sein, ins Sauerland umzuziehen. Heutzutage ist es für alle Leute aus NRW ganz wichtig, dass man dort wohnen und leben möchte, wo die Lebensqualität super gut ist. Deshalb ist wichtig für die Unternehmer, dass viele Leute wissen, wie gut es ist, im Sauerland zu leben und zu arbeiten", so Prof. Dr. Anne Jacobi, gebürtige Sauerländerin von der Fachhochschule Südwestfalen. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels müsse man mehr Aufmerksamkeit auf unsere Region lenken. Einige Betriebe gehen bereits andere Wege. Eine Firma aus dem märkischen Kreis hat zum Beispiel die Marketingabteilung nach Köln verlegt, um so für junge Menschen attraktiver zu werden.