Anzeige
Sauerland: Milchbauern kämpfen mit Preisverfall
© Radio Sauerland
Teilen:

Sauerland: Milchbauern kämpfen mit Preisverfall

Vor zehn Jahren hatten Landwirte gegen niedrige Milchpreise protestiert. Die aktuelle Situation belastet viele Betriebe erneut.

Veröffentlicht: Dienstag, 18.11.2025 23:00

Anzeige

Vor zehn Jahren hat der Milchpreis einen Tiefstand erreicht. 27 Cent haben die Milchviehalter im Sauerland damals am Liter Milch verdient. Für viele zu wenig, um ihren Hof über Wasser zu halten. Auch die Milchbauern aus dem Sauerland protestierten und machten auf ihre Situation aufmerksam. 2015 gab es noch 460 Milchviehbetriebe im HSK. Heute sind es 325. Pro Hof gibt es im HSK nach den Zahlen von IT.NRW 66 Milchkühe.

Anzeige

"Höfesterben nicht die Lösung"

Anzeige

Nachdem der Milchpreis zuletzt noch bei etwa 55 Cent pro Liter lag, ist er in den letzten Wochen immer weiter gesunken. Grund dafür war, dass mehr Milch produziert wurde. Das gestiegene Angebot könne derzeit nicht durch die Nachfrage abgedeckt werden, sagt Michael Alterauge aus Drolshagen als Landesvorsitzender des Verbandes deutscher Milchviehhalter und Sprecher der Milchviehhalter im Hochsauerlandkreis. "Die Lage ist besorgniserregend. Sollte sich die Situation rund um den Milchpreis nicht ändern, droht langfristig der Verlust weiterer Betriebe, die durch die niedrigeren Einnahmen die gestiegenen Kosten für die Energie, den Tierarzt und das Futter nicht mehr ausgleichen können", so Alterauge. Ein mögliches Höfesterben würde die Lage am Milchmarkt aber nicht verbessern, denn die Kühe der Betriebe, die aufgeben, würden verkauft und später für wen anders auf der Weide stehen. Alterauge plädiert dafür, die Milchproduktion in den Betrieben zeitweise zu reduzieren, um durch ein geringeres Angebot den Milchpreis zu stabilisieren.

Anzeige

Forderungen an Politik, Händler und Verbraucher

Anzeige

Um die Produktion verringern zu könnten, müssten aber die politischen Rahmenbedingungen stimmen. Alterauge fordert einen sogenannten freiwilligen Lieferverzicht, bei dem Milchviehhalter für einen begrenzten Zeitraum weniger Milch an Molkereien liefern als üblich und dafür eine finanzielle Entschädigung pro Liter erhalten. Ein ähnliches Instrument hatte es schon nach dem Milchpreisfall vor zehn Jahren gegeben und habe sich damals bewährt.

Auch Händler und Verbraucher könnten etwas tun, um Betriebe zu unterstützen und zum Beispiel beim Milchkauf auf Marken zu achten, die sich für faire Preise einsetzen oder aus regionalen Betrieben stammten.

Anzeige

Strukturwandel in der Landwirtschaft

Anzeige

Nach Alterauges Meinung lässt sich der Strukturwandel in der Landwirtschaft nicht aufhalten. Jedes Jahr gibt es vier Prozent weniger Landwirte. Michael Alterauge hofft allerdings, dass Höfe nicht mehr wegen des schlechten Verdienstes aufgegeben werden müssen. Auch wünscht er sich Neueinsteiger, die sich für das Landleben begeistern.

Das Sauerland steht für sattgrüne Wiesen, auf denen Kühe weiden. Dass Milchkühe weiter jeden Tag auf die Weide getrieben werden, sei keine Selbstverständlichkeit, so Michael Alterauge. Für die Landwirte bedeute die Weidehaltung einen erheblichen Mehraufwand. Bislang bekommen die Milchviehhalter von den Molkereien dafür 1 Cent mehr. Um den Aufwand zu decken, wären mindestens 5 Cent pro Liter Milch nötig, so Alterauge.

Anzeige

Klimawandel setzt Kühen zu

Anzeige

Auch spürten die Michkühe den Klimawandel. Weil viele Waldgebiete im Sauerland durch Trockenheit und Borkenkäfer vernichtet worden sind, fänden die Kühe auf manchen Weiden keinen Schatten mehr, so Alterauge. Die Folge: Sonnenbrand auf den Eutern. Die Kühe lassen sich nicht melken. Deshalb würden viele Milchviehhalter ihre Kühe in geräumigen offenen Ställen halten. Dort können sich die Kühe frei bewegen und haben Bürsten zum Saubermachen und Duschen. "Kühe, die sich wohl fühlen, geben auch mehr Milch, so Alterauge.

Michael Alterauge will auch die CO2 Bilanz der Milchproduktion im Sauerland verbessern. Dafür hat er sich zusammen mit einem weiteren Landwirt zusammengeschlossen und die Molkerei "Volle Kanne" gegründet. So muss die Milch nicht über weite Strecken zur nächsten Großmolkerei transportiert werden. Auch die Upländer Bauernmolkerei in Willingen verarbeitet die Milch bei uns in der Region.

Anzeige
Anzeige
Anzeige