
Im November wird an vielen Orten im Sauerland der Reichspogromnacht am 09.11.1938 gedacht. Sie erinnert an die Schrecken der NS-Herrschaft, die auch hier in der Region verbreitet war. Heute Abend läuft dazu ein Vortrag in Sundern. Die VHS Arnsberg/Sundern lädt ein zu dem Vortrag, der die Umsetzung der NS-Erbgesundheitslehre und Rassenhygiene im regionalen Bereich zeigt. Der Referent, dessen Familie selbst von der „Euthanasie“ betroffen war, hat die NS-Verbrechen in seinem Heimatort Arnsberg-Voßwinkel erforscht. Er beschreibt die Arbeitsweise der Erbgesundheitsgerichte am Beispiel des EGG Arnsberg wie auch die des Erbgesundheitsobergerichts (EOG) Hamm. Dieses war für sieben EGG in der Region zuständig. Nach Vorarbeit und mit Unterstützung der Gesundheitsämter sollte die „Reinheit des Volkskörpers“ erreicht werden. „Ballastexistenzen“ sollten vernichtet werden. Durch Auswertung der Aufzeichnungen des Gesundheitsamtes Arnsberg kann der Referent zeigen, wie viele Menschen im Bereich der heutigen Stadt Sundern zwangsweise sterilisiert wurden.
In dem Vortrag geht es nicht um anonyme Zahlen, sondern um persönliche Schicksale. Der Referent beschreibt an einem Beispiel den Ablauf eines Sterilisationsverfahrens und den Weg von zwei Patienten der Heilanstalt Warstein, die in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet wurden. Außerdem geht es um das Schicksal eines achtjährigen Kindes in der Heilanstalt Marsberg. Alles belegt mit Originaldokumenten. Das am 1. Januar 1934 in Kraft getretene "Gesetz zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses" bildete für die Nazis den Einstieg in die Organisation der "Euthanasie" und den späteren Holocaust. Der Vortrag beginnt heute um 18:30 in der vhs Sundern.
Besonderer Kinoabend im Briloner Cineplex
Das Cineplex Brilon zeigt morgen ab 19.00 Uhr den Dokumentarfilm „Albrecht Weinberg – Es ist immer in meinem Kopf“. Die Filmvorführung findet in Kooperation mit dem Briloner Bündnis für Demokratie statt. Tickets sind an der Kinokasse und online erhältlich. Im Mittelpunkt des Films steht Albrecht Weinberg, der als deutscher Jude den Holocaust überlebte. Seine Lebensgeschichte ist geprägt von Verfolgung, Entrechtung und den Verbrechen des Nationalsozialismus. Bis heute steht seine Geschichte beispielhaft für die Bedeutung einer lebendigen Erinnerungskultur, so die Veranstalter. Der Film zeichnet ein persönliches Porträt und macht deutlich, warum die Auseinandersetzung mit der Geschichte auch für die Gegenwart von Bedeutung ist. Mit der Filmvorführung möchten das Cineplex Brilon und das Briloner Bündnis für Demokratie einen Beitrag zur Erinnerungskultur und politischen Bildung leisten.
Briloner Stolpersteine werden gereinigt
Das Briloner Bündnis für Demokratie lädt am Sonntag ab 15.30 Uhr zu einer gemeinsamen Reinigung der Stolpersteine in Brilon ein. Treffpunkt ist der Marktplatz in Brilon. Die in den Boden eingelassenen Messingtafeln erinnern an Menschen, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, entrechtet, vertrieben oder ermordet wurden. Sie geben den Opfern einen Namen und verankern die Erinnerung an ihre Schicksale dort, wo sie einst lebten. Im Laufe der Zeit können sich die Messingoberflächen durch Witterung und Oxidation verfärben. Mit der gemeinsamen Reinigung sollen die Stolpersteine wieder sichtbar gemacht werden. Gleichzeitig versteht das Briloner Bündnis für Demokratie die Aktion als Zeichen für eine lebendige Erinnerungskultur. Wer mitmachen möchte, sollte nach Möglichkeit einen Abwaschschwamm mit rauer Seite, Messing- oder Metallputzmittel, Küchenpapier oder ein Wischtuch sowie eine Flasche Wasser mitbringen. Auf Drahtbürsten und andere harte Gegenstände sollte verzichtet werden, da diese die Messingplatten beschädigen können, so die Veranstalter.
Gedenken am 09. November
Am Montag wird das Jugendparlament in Brilon eine Gedenkfeier anlässlich der Reichspogromnacht, die in der Nacht vom 09. auf den 10. November 1938 stattfand, veranstalten. Sie soll uns alle an das dunkle Kapitel unserer deutschen und auch Briloner Geschichte erinnern. Gemeinsam soll ein Zeichen für Frieden, gegen jegliche Gewalt und gegen das Vergessen gesetzt werden. Beginn ist um 19.00 Uhr am alten jüdischen Friedhof, im Derkerborn oberhalb der Grundschule St. Engelbert und anschließend durch die Straßen Brilons bis zum Mahnmal am Standort der ehemaligen Synagoge an der Kreuziger Mauer. Der Weg führt auch durch das Rathaus. Im Rahmen der Initiative „Würde unantastbar“ von Bürgermeister Dr. Bartsch zeigt die Stadt Brilon ab heute bis zum 30. November 2026 die Ausstellung „Gesichter und Geschichten – Jüdisches Leben in Deutschland“ des jüdischen Museums Köln im Foyer des städtischen Rathauses. 16 Roll-ups thematisieren markante Tief- und Höhepunkte der über 1.700 Jahre währenden deutsch-jüdischen Geschichte, aufgeteilt in folgende Themenschwerpunkte: „Recht und Unrecht“, „Leben und Miteinander“, „Religion und Geistesgeschichte“ und „Kunst und Kultur“. QR-Codes leiten auf verschiedene Online-Angebote des jüdischen Museums Köln. Ergänzend dazu wird eine Fotoausstellung von Bildern jüdischer Mitbürgerinnen und Mitbürger Brilons gezeigt, ihr Lebenswerk und ihre Lebensgeschichten sind dokumentiert.
Um 17:30 Uhr lädt Brilon Kultour am Montag alle Interessierten in die Evangelische Stadtkirche zu der Tanzperformance DIE WEISSE ROSE ein. Das Stück versetzt das Publikum nach München, Stadelheim 1943. Es sind die letzten Stunden vor der Hinrichtung von Sophie und Hans Scholl, Mitglieder der Widerstandsbewegung „Die weiße Rose“, die Flugblätter gegen Hitler und sein Regime verteilt haben. Bis heute sind die Geschwister Scholl Vorbild für Mut, Zivilcourage, Freiheit und Menschlichkeit. In dieser Grenzsituation ihres Lebens geht es um ihre Gefühle, Sorgen und Gedanken kurz vor ihrem Tod, die einfühlsam und ausdrucksvoll vertanzt werden. Es sind Tagebuchaufzeichnungen, Texte und Gedichte, die in dieser gleichnamigen Oper von Udo Zimmermann, ihre Lage widerspiegeln. Der Eintritt für die knapp einstündige Veranstaltung ist frei. Anschließend haben alle die Gelegenheit, sich zum alten jüdischen Friedhof zu begeben.
Kranzniederlegungen im Arnsberger Stadtgebiet
Die Stadt Arnsberg erinnert an die Opfer der Reichpogromnacht mit Kranzniederlegungen auf den jüdischen Friedhöfen in Arnsberg. Die konkreten Termine am Montag:
Oeventrop: 14.30 Uhr, Gedenkstätte vor dem Stadtbüro
Arnsberg: 15.00 Uhr, jüdischer Friedhof an der Straße „Kuhweg“
Hüsten: 15.45 Uhr, jüdischer Friedhof an der Straße „Alt Hüsten“
Neheim: 16.30 Uhr, jüdischer Friedhof an der „Möhnepforte“
Die Veranstaltergemeinschaft „Gedenken an den 9. November 1938“ lädt außerdem zu einem Vortrag am Sonntag um 16 Uhr ein. Bernhard Padberg hält dann seinen Vortrag „Irmgard wohnt hinterm Schrank...Wie Oelinghausen zum Zufluchtsort für eine jüdische Familie wurde.“ Der Vortrag findet in der Ehemaligen Synagoge in Neheim, Mendener Straße 35, in Neheim statt. In der Veranstaltergemeinschaft engagieren sich das Dekanat Hochsauerland-West, die Ev. Kirchengemeinde Neheim, die Ev. Erwachsenenbildung im Ev. Kirchenkreis Arnsberg, der Heimatbund Neheim-Hüsten e.V., der Jägerverein Neheim 1834 e.V., das Katholisches Bildungswerk Arnsberg-Sundern e.V., die Kath. Kirchengemeinde St. Johannes Baptist Neheim und Voßwinkel, die Kath. Kirchengemeinde St. Petri Hüsten sowie die Stadt Arnsberg.