
Die Quagga-Muschel breitet sich auch in den Talsperren im Sauerland rasant schnell aus. Besonders an der Möhne- und Sorpetalsperre hat der Ruhrverband bei Tauchuntersuchungen bereits Massenbesiedlungen der invasiven Art festgestellt. Die Hennetalsperre in Meschede gilt aufgrund ihres hohen Calciumgehalts und ihres ausreichenden Nährstoffangebots als besonders gefährdet für die Ausbreitung der Quagga-Muschel. Deshalb führt der Ruhrverband ab kommendem Jahr strenge Regeln für den Freizeitsport auf dem Hennesee ein:
Der Einsatz eigener Wassersportgeräte wie SUPs, Kanus oder Schlauchboote ist untersagt. Übungen von DLRG oder Feuerwehr dürfen ausschließlich mit ortsfesten Booten stattfinden. Ziel ist der Schutz der Trinkwassergewinnung und die Verhinderung einer Erstbesiedlung.
Weiterhin erlaubt:
Die Nutzung von Booten mit festen Liegeplätzen. Auch Schwimmen, Tauchen, Angeln vom Ufer und Booten mit festen Liegeplätzen sind möglich, wenn eine entsprechende Reinigung und Trocknung des Equipments im Vorfeld durchgeführt wurde. Außerdem ist die Nutzung von stationären Verpachtungen von Freizeitbedarf an der Hennetalsperre erlaubt. Diese Schutzmaßnahmen zur Talsperrennutzung sind in der Freizeitordnung 2026 festgelegt. Ziel ist der Schutz der Trinkwassergewinnung und die Verhinderung einer Erstbesiedlung des Hennesees mit der Quagga-Muschel.
Der Ruhrverband warnt vor ökologischen und wirtschaftlichen Schäden. Die Muschel entzieht Fischen die Nahrung und verstopft technische Anlagen.
Den ersten Quagga-Muschel Alarm gab es bei uns aus der Möhne- und Sorpetalsperre. Um die Ausbreitung der Muschel zu verhindern, gelten auch dort ab 2026 neue Regeln für Freizeitnutzer.
Boote müssen nach der AHOI-Regel behandelt werden: Ausleeren, Hochdruckreinigen, optional desinfizieren und intensiv trocknen – mindestens fünf Tage. Auch Wassersportgeräte wie SUPs, Kajaks oder Angelausrüstung müssen gereinigt und getrocknet werden. Tauchausrüstung und Neoprenanzüge sind besonders gründlich zu säubern. Lebende Köderfische dürfen nicht zwischen Gewässern transportiert werden.
Der Ruhrverband forscht an Maßnahmen wie Filteranlagen und kürzeren Trocknungszeiten. Ziel ist, die Talsperren zu schützen, ohne die Freizeitnutzung stark einzuschränken. Weitere Infos gibt es auf der Website des Ruhrverbands.
Untersuchungen und Gegenmaßnahmen
Um das Ausmaß der Ausbreitung zu erfassen, führt der Ruhrverband umfassende Untersuchungen mittels Umwelt-DNA durch. Parallel dazu werden Laborstudien durchgeführt, um Maßnahmen gegen eine weitere Verschleppung zu optimieren. Dabei konnten bisher insbesondere die erforderlichen Trocknungszeiten von Booten deutlich reduziert werden: Statt der bislang vorgeschriebenen drei Wochen genügt nach aktuellen Forschungsergebnissen eine Trocknungszeit von mindestens fünf Tagen, um Quaggamuschel-Larven zuverlässig abzutöten. Die Trocknung muss dabei vollständig und gleichmäßig erfolgen – auch in Hohlräumen, Bilgen und schwer zugänglichen Bereichen. Feuchtigkeit in kleinen Ritzen oder geschlossenen Kammern kann dafür sorgen, dass die Larven deutlich länger überleben – nach aktuellen Erkenntnissen sogar bis zu 24 Tage. Die Desinfektion wurde ebenfalls intensiv getestet: Eine Behandlung mit 3-prozentigem Wasserstoffperoxid (H₂O₂) erwies sich dabei als hochwirksam, insbesondere für schwer zugängliche Bereiche von Booten und Trailern, in denen sich Wasser sammelt. Die empfohlene Einwirkzeit beträgt 60 Minuten; zuvor sollte allerdings stets die Materialverträglichkeit geprüft werden.
Hintergrund:
Die Quagga-Muschel filtert große Mengen an Plankton aus dem Wasser und entzieht dadurch Fischen und anderen Lebewesen die Nahrungsgrundlage – mit gravierenden Folgen für das ökologische Gleichgewicht, einhergehend mit einem dramatischen Rückgang des Fischbestands. In stark befallenen Seen, wie etwa dem Lake Michigan in den USA, machen Quaggamuscheln mittlerweile über 90 Prozent der Biomasse aus. Auch wirtschaftlich sind die Folgen erheblich: Die Muscheln besiedeln technische Anlagen und Bauwerke, verstopfen Wasserleitungen und verursachen so höhere Wartungs- und Reparaturkosten, geringere Energieerträge in Wasserkraftwerken und einen erhöhten Verschleiß. Der Bodensee ist bereits massiv von der Quaggamuschel besiedelt, die Bodensee-Wasserversorgung plant deshalb eine Investition von 4,6 Mrd. €, um ihre Infrastruktur gegen die Quaggamuschel und andere potenzielle Störfaktoren zu schützen.