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Einwanderer stirbt bei Polizeieinsatz in Bologna
© Guido Calamosca/LaPresse via ZUMA Press/dpa
Der Leichnam soll nun obduziert werden.
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«Genug, genug!» - Einwanderer stirbt bei Polizeieinsatz

In Bologna kommt ein Marokkaner ums Leben, während ihn zwei Polizeibeamte auf den Boden drücken. Der Fall sorgt in Italien für viele Schlagzeilen. Jetzt laufen Vorermittlungen gegen die Polizisten.

Veröffentlicht: Montag, 20.07.2026 12:33

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Italien

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Bologna (dpa) - Das Video läuft in Italien jetzt überall. In den Hauptnachrichten der großen TV-Sender, in den Cafés, auf den Handys. Ein Mann am Boden, das Gesicht nach unten, die Hände in Handschellen. Auf ihm zwei Polizeibeamte in Uniform. Ein dritter Mann, Oberkörper nackt, hält ihn an den Knöcheln fest. Der Mann am Boden ruft: «Aiuto. Basta, basta!» («Hilfe! Genug, genug!») Trotzdem lassen die Beamten nicht von ihm ab. Bis er nichts mehr sagt und sich auch nicht mehr bewegt. 

So ging am Sonntag in der Mittagshitze auf einer Straße in Bologna das Leben von Abderrahim Fakir zu Ende, 42 Jahre alt, Einwanderer aus Marokko, seit mehr als 30 Jahren in Italien, Eigentümer einer kleinen Putzfirma. Die Bilder sorgen in Italien für Entsetzen. Manche vergleichen den Fall bereits mit dem Tod des Schwarzen George Floyd im Mai 2020 in den USA. Andere hingegen verteidigen das Vorgehen der Polizei.

Innenministerium verspricht volle Aufklärung

In Rom, wo Ministerpräsidentin Giorgia Meloni mit einem Bündnis aus drei rechten und konservativen Parteien regiert, verspricht das Innenministerium «völlige Transparenz». Melonis kleinerer Koalitionspartner, die Lega-Partei von Vize-Regierungschef Matteo Salvini, stellt aber bereits fest, dass die Beamten ihre Pflicht getan hätten. Salvini selbst, früher auch einmal Innenminister, erklärt: «Ich stehe immer auf der Seite der Polizei.»

Dabei ist in dem Fall sehr vieles noch unklar. Nach allem, was man weiß, wurde die Polizei am Sonntag über den Notruf 112 in den Stadtteil Pilastro gerufen, weil ein Mann dort randaliere. Beim Eintreffen der Beamten soll der Marokkaner, der sich nach Auskunft seiner Anwältin völlig legal in Italien aufhielt, gegen den Streifenwagen geschlagen haben. Daraufhin hätten die beiden Polizisten Pfefferspray eingesetzt, ihn auf den Boden gedrückt und ihm Handschellen angelegt, berichten mehrere Augenzeugen.

Szene auf Video: «Hilfe! Genug, genug!»

Auf dem Video, das aus einem Fenster von einem Nachbarn gemacht wurde, sieht es nicht so aus, als ob von dem Mann am Boden noch irgendwelche Gefahr ausgehen könnte. Seine Hände sind auf den Rücken gefesselt. Immer wieder ruft er um Hilfe. Die Beamten pressen ihn nach unten, bis er immer leiser wird. Mehrere Rettungssanitäter sehen zu. Erst als er sich nicht mehr bewegt, nach mehr als vier Minuten, drehen sie ihn um. Zu spät. Um 12.53 Uhr stellt ein Arzt seinen Tod fest.

Die Leiche wird nun obduziert. Davon erhoffen sich die Ermittler Aufschluss über die Todesursache. Beim ersten Augenschein habe man Verletzungen am Hinterkopf und im Gesicht festgestellt, heißt es. Nun geht es auch darum, ob der Mann möglicherweise Vorerkrankungen hatte. Zudem wurde die Körperkamera (Bodycam) eines der beiden beteiligten Beamten der Staatsanwaltschaft übergeben. Auch das Video ist in deren Besitz. 

Unklar ist auch noch, warum es in Pilastro überhaupt zu Ärger kam. Der Marokkaner sei - wie häufig - zu Besuch bei Verwandten gewesen, hieß es. Angeblich gab es Streit vor einer Garage. Die Polizisten sollen dann den Rettungsdienst herbeigerufen haben, weil der Mann angeblich Anzeichen einer psychiatrischen Krise gezeigt haben soll.

Proteste am Abend in Bologna

Noch hat die Staatsanwaltschaft nicht entschieden, ob sie gegen unbekannt ermittelt oder konkret gegen die beiden Beamten - und möglicherweise auch gegen die Sanitäter, weil diese nichts unternahmen. Gegen die zwei Polizisten laufen aber bereits Vorermittlungen wegen fahrlässiger Tötung, ebenso wie gegen insgesamt vier Sanitäter. 

Aus dem Innenministerium heißt es dazu: «Es gibt nichts zu verbergen, uneingeschränkte Zusammenarbeit mit den Ermittlern.» In Bologna, einer traditionell linken Stadt, kamen noch am Sonntag mehrere Hundert Menschen zu Protesten zusammen. Dabei gab es Sprechchöre gegen die Polizei und Rufe nach Gerechtigkeit. Sogar von «assassinio di stato» («staatlichem Mord») war die Rede.

Innenminister soll im Parlament Auskunft geben 

Die Schwester des Toten sagte: «Ich werde keine Ruhe finden, bis mein Bruder gerächt ist. Sie haben ihn geschlagen und getötet.» Der Bürgermeister von Bologna, Matteo Lepore, rief für Montagabend zu einem stillen Gedenken auf.

Längst ist der Fall aber auch in Rom in der Politik angekommen. Die Linke verlangte von der Regierung Auskunft im Parlament. Aus dem rechten Lager, wo immer wieder ein hartes Vorgehen gegen Einwanderer verlangt wird, wird die Polizei in Schutz genommen, nicht nur von der Lega. Meloni, die ansonsten gern und schnell lobende Worte für die Polizei findet, hielt sich sich in den ersten 24 Stunden mit öffentlichen Bekundungen aus dem Fall heraus.

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© dpa-infocom, dpa:260720-930-410734/3
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Auto der italienischen Polizei
© Christoph Sator/dpa
Ein Auto der italienischen Polizei. (Symbolbild)
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Einwanderer stirbt bei Polizeieinsatz in Bologna
© Leonardo Garavaglia/JNA via ZUMA Press Wire/dpa
Demonstranten zeigen ihre Solidarität mit der Familie des Opfers.
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