Projekt "Wir im Wald" startet im Sauerland

Studenten starten Projekt zu Nutzungskonflikten im Wald. Waldbesitzer, Forstleute, Naturschützer, Erholungssuchende und Sportler haben oft unterschiedliche Interessen.

© Samira Nitz

Unser Wald soll viele Funktionen erfüllen: Erholung bieten, Trinkwasser filtern, Lebensraum für Tiere, Pflanzen und Pilze sein und Holz liefern. Und das soll er auch unter den schwieriger werdenden Bedingungen des Klimawandels tun. Wie bringen wir das alles unter einen Hut - wie finden wir einen Ausgleich zwischen unterschiedlichen Interessen und Perspektiven? Waldbesitzer, Förster, Naturschützer, Touristen und Anwohner haben dazu teils unterschiedliche Ansichten.

Das Sauerland ist für ein Hochschulprojekt zum Thema Wald ausgewählt worden. Die Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg und die Bodenseestiftung aus Radolfzell wollen gemeinsam mit der Hochschule der Medien in Stuttgart deutschlandweit nach Möglichkeiten suchen, wie Nutzungskonflikte in Wäldern kommunikativ etwas entschärft werden können. Das Projekt heißt "Wir im Wald".

Bei uns im Sauerland geht es um das Thema Waldbewirtschaftung, die Folgen durch den Borkenkäfer, um Sturmschäden und den Klimawandel. Die Studierenden wollen mit Verantwortlichen und Betroffenen vor Ort diskutieren, wie der Wald der Zukunft gestaltet werden könnte. Es werden Befragungen vor Ort durchgeführt, Besucherströme im Wald gemessen, es gibt Infos dazu in Blogs und Podcasts und auf social media-Kanälen. Das Forschungsprojekt lädt zu Veranstaltungen ein und erkundet, wie gute Kommunikation zu konfliktreichen Themen gelingen kann.

Heute ist erster Waldrundgang

Konflikte im Wald sind vielfältig – sprechen wir darüber auf einem Waldrundgang, heißt es. Gerade in den Wäldern rund um den Rothaarsteig gebe es Anlass zur Diskussion.

Heute um 16 Uhr wird mit Frank Rosenkranz (Forst) und Michael Düben (Naturschutz) über Rückegassen, Kahlflächen oder exotische Gehölzexperimente im Wald bei Latrop diskutiert.

Morgen um 16 Uhr sprechen Norbert Kohnen (Forst) und Rüdiger Grebe (Tourismus) über Landschaftsbilder, Waldästhetik und Wildnis sowie über Windkraft im Wald und die Folgen von Borkenkäfer und Holzernte. Auch diese Exkursion findet in Latrop statt, Startpunkt ist ebenfalls der Wanderparkplatz Latrop am Rothaarsteig.

Dabei wird Livestreaming im Wald ausprobiert.

Für die Führungen kann man sich unter: wirimwald@hdm-stucgart.de. anmelden. Der Link zum Stream hier:

Diskussion im neuen Format – eine „Fishbowl“ für mehr Beteiligung

Die Podiumsdiskussion am 5. Juni um 18 Uhr im Habbels findet als sogenannte „Fishbowl“ statt, dabei sitzen Experten im Innenkreis, die Teilnehmenden in Außenkreisen wie in einem Goldfischglas darum herum. Es gibt kein Podium, dafür aber im Innenkreis zwei freie Stühle, auf die sich jede und jeder Teilnehmende setzen und mitdiskutieren kann. Die Idee eines solchen Fishbowl-Formats ist es, das Publikum stärker einzubeziehen und auf Augenhöhe miteinander zu reden, heißt es. Auf den vier Plätzen im Innenkreis werden vier Personen aus der Region mit unterschiedlichen Perspektiven sitzen: Waldbesitzer und Holzeinkäufer Markus von Weichs und der Schmallenberger Stadtförster Christian Bröker, der Naturschützer und ehemalige Leiter der Biologischenstation HSK Werner Schubert und der Tourismusexperte Dr. Jürgen Fischbach. Anmeldung unter: wirimwald@hdm-stucgart.de, da die Plätze im Habbels begrenzt sind.

Ziel des Projekts „Wir im Wald“

Da Konflikte in vielen Waldgebieten Deutschlands auftreten, wird das Projekt in vier Fallregionen in ganz Deutschland mit unterschiedlichen Schwerpunkten und Fragestellungen durchgeführt. Es geht darum, mehr Verständnis für unterschiedliche Nutzungsinteressen zu schaffen und Situationen aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten. Die Hochschule der Medien in Stuttgart ist mit rund 40 Studierenden dabei. Es sind PR- und Journalismus-Studierende, die in kleinen Teams am Projekt mitarbeiten und Pressemittteilungen, Social-Media-Posts, Podcasts und die Veranstaltungen vor Ort umsetzen.

„Erfolgreiche Kommunikation ist wichtig, auch im Grünen. Mit unserer Diskussionsrunde wollen wir erreichen, dass sich Menschen auf neutralem Boden begegnen und austauschen können“, sagt zum Beispiel Sofia Kuhnle, die als Studentin die Fishbowl-Diskussionsrunde mitbetreut. Sabeth Wollinger hat sich für die Waldspaziergänge entschieden, „weil ich es spannend finde, dass wir zur Lösung von Konflikten im Wald beitragen können und mit unterschiedlichen Perspektiven in Kontakt kommen“.

Professor Alexander Mäder von der Hochschule der Medien hat das Projekt gemeinsam mit den Partnern initiert. Er findet es gut, dass Studierende schon früh echte Praxiserfahrung sammeln: „Konflikte entstehen nicht nur im Wald, sondern auch in vielen anderen Bereichen des öffentlichen Lebens. Medienschaffende übernehmen in diesen Debatten wichtige Aufgaben: Sie recherchieren die nötigen Fakten, sie erklären das Für und Wider - und sie bringen die Menschen darüber ins Gespräch.“

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