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Polizei kann Notrufe besser orten
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Polizei kann Notrufe besser orten

Die Kreispolizeibehörde im Hochsauerlandkreis nutzt eine neue Technologie, um Notrufe zu orten.

Veröffentlicht: Montag, 11.05.2026 09:57

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Die Polizei im Hochsauerlandkreis kann jetzt bei einem Notruf den Standort des Anrufers bestimmen, um schneller helfen zu können. Die Polizeileitstelle im HSK beteiligt sich zusammen mit anderen Leitstellen in NRW seit kurzem an einem bundesweiten Pilotbetrieb. Technische Grundlage ist nach Angaben des zuständigen Landesamtes für Zentrale Polizeiliche Dienste die sogenannte Advanced Mobile Location-Technologie, die in modernen Smartphones integriert ist.

Menschen in Stressituationen können sich schwer orientieren

Die Technik habe schon jetzt ihren praktischen Nutzen im Alltag gezeigt, so Benedikt Teutenberg, Sprecher der Polizei im HSK. Gerade in einem flächenmäßig großen und touristisch geprägten Kreis wie dem Hochsauerlandkreis komme es häufig vor, dass Menschen im Notfall nicht genau sagen können, wo sie sich befinden. Ein Beispiel aus der Praxis: "Ich bin irgendwo zwischen Brilon und Essen - solche Situationen erleben unsere Leitstellen-Disponenten tatsächlich immer wieder. Für Menschen in Stresssituationen ist es oft schwierig, sich zu orientieren oder einen Straßennamen zu nennen – selbst dann, wenn sie eigentlich ortskundig sind," so Teutenberg.

Genau hier unterstütze die neue Technik. "Unsere Leitstelle kann den Standort eines Anrufers schneller und präziser bestimmen und dadurch Hilfe gezielter entsenden. Das spart wertvolle Zeit – und im Ernstfall kann genau diese Zeit entscheidend sein."

Die Standortübermittlung erfolgt dabei nicht „heimlich“ oder dauerhaft. Liegen die gesetzlichen Voraussetzungen vor – etwa bei Gefahr für Leib, Leben oder Freiheit oder bei schweren Straftaten – können die Daten genutzt werden, um Menschen schnell zu helfen. In anderen Fällen fragen die Mitarbeitenden der Polizei aktiv nach dem Einverständnis der Anrufenden. Erst mit dieser Zustimmung werden die Standortdaten abgerufen.

Benedikt Teutenberg: "Für uns ist das System vor allem eines: ein zusätzliches Werkzeug, um Bürgerinnen und Bürgern schneller helfen zu können. Wer die 110 wählt, befindet sich oft in einer Ausnahmesituation. Dann zählt nicht nur schnelle Hilfe, sondern auch das Gefühl, nicht allein zu sein. Die neue Technik unterstützt unsere Kolleginnen und Kollegen dabei, genau das zu leisten: schnell, sicher und zuverlässig für die Menschen da zu sein."

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Ortung bei großer Gefahr oder bei Verbrechen

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Auch bei der Verfolgung von Straftaten könne die automatische Standortübermittlung hilfreich sein, heißt es. "Beobachtet etwa eine Zeugin oder ein Zeuge eine gewalttätige Auseinandersetzung, einen Raub oder einen Einbruch und wählt den Notruf 110, ohne den eigenen Standort genau benennen zu können, kann die Polizei die übermittelten Standortdaten nutzen. So können Einsatzkräfte schneller zum richtigen Ort entsandt werden." 

Wählt man mit dem Smartphone den Notruf 110, übermittelt das Gerät während des Rufaufbaus automatisch Standortdaten an einen zentralen Speicherort. Die Disponenten in den Polizeileitstellen können diese Standortdaten bis zu 60 Minuten nach Eingang des Notrufs abrufen, wenn die Voraussetzungen dafür vorliegen. Danach werden die Daten automatisch gelöscht.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sagte der Nachrichtenagentur dpa: "Wenn jemand in Not ist und nicht weiß, wo er ist, hilft uns das System jetzt, das Handy metergenau zu orten. Unsere Leitstellen schicken die Streifen dann dorthin, wo es brennt und zwar ohne Umwege. Und das alles, ohne den Datenschutz über Bord zu werfen."

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