Organspende: Über was der Bundestag entscheidet

Viel zu wenige Organe werden in Deutschland gespendet. Das soll sich jetzt ändern. Der Bundestag entscheidet über eine neue Gesetzregelung. Hier erfahrt ihr die Hintergründe.

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Viele Menschen in Deutschland stehen Umfragen zufolge dem Organspenden ziemlich offen gegenüber, haben sich mit dem Thema aber nicht wirklich befasst. Wir haben hier für euch den Link zum Organspendeausweis. Alle weiteren Informationen und worauf ihr beim Ausfüllen achten müsst, erfahrt ihr hier.

709 Parlamentarier des Bundestages haben am Donnerstag, 16. Januar, die Entscheidungsmacht darüber, wie in Zukunft in Deutschland die Organspende geregelt wird. Dieser Schritt ist offensichtlich dringend, weil im Jahr 2019 nicht einmal 1000 Menschen in Deutschland Organe spendeten. Das ergibt im Durchschnitt 11,2 Spender pro eine Million Einwohner.

Diese Zahlen seien alarmierend, sagen Experten. Deutschland würde im internationalen Vergleich eines der Schlusslichter sein. Deshalb möchte Jens Spahn (CDU), der Bundesgesundheitsminister, dagegen wirken. Er hat eine neue Regelung ins Gespräch gebracht. Dagegen wehren sich unter anderem die Grünen, die selber einen Vorschlag gemacht haben. Im weiteren Verlauf erklären wir euch die einzelnen Vorschläge.

Widerspruchsregelung

Ohne Widerspruch ist jeder in Deutschland Organspender. So einfach lautet das Prinzip der Regelung, die Gesundheitsminister Spahn mit Vertretern der CSU, SPD und Linke, vorgestellt hat. "Nach dem Gesetzentwurf gilt jede Person als Organ- oder Gewebespender, es sei denn, es liegt ein erklärter Widerspruch oder ein der Organ- oder Gewebeentnahme entgegenstehender Wille vor“, heißt es. Alle Menschen ab 16 Jahren sollen Organspender sein.

Falls bei Menschen kein Widerspruch vorliegt, sind sogenannte Entnahmekrankenhäuser (über 1200 in Deutschland) verpflichtet, zu recherchieren. Das bedeutet, sie fragen nochmal Angehörige oder Vertrauenspersonen, ob bei der jeweiligen Person ein schriftlicher Widerspruch vorliegt oder aufgrund beispielsweise religiöser Gründe eine Organentnahme widersprochen wird.


Organspende-Beratung

Eine Art "Zustimmungslösung" möchten die Grünen gesetzlich festlegen lassen. Ziel ist es hierbei, dass - wie bislang - jeder Bürger selbst bestimmen kann, ob er Organspender sein möchte. Allerdings sollen alle Bürger regelmäßig nach ihrer Bereitschaft befragt werden - im Bürgeramt. Bei Terminen sollten sie demnach von Mitarbeitern die Frage nach der Organspende gestellt bekommen. Unschlüssige Personen soll die Entscheidung leichter gemacht werden, mit Hilfe ihres Hausarztes, der über die Vor- und Nachteile regelmäßig informieren soll.

AfD fordert mehr Vertrauen ins System

Es gibt noch einen weiteren Vorschlag, der zur Debatte steht. Den hat die Alternative für Deutschland (AfD) formuliert. Er zielt darauf ab, dass das Vertrauen in die Organspende gestärkt werden soll. Das "Vertrauen" sei beschädigt, weil das Verfahren "durch nicht staatlich gebundene Organisationen allein auf vertraglicher Basis" geregelt sei, so die AfD. Erst eingeführte Standards und das Übertragen des Verfahrens auf einen unabhängige Institution würde zu mehr Spendern führen, lautet im AfD-Antrag.


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