
NRW-Handwerk fordert Wachstums-Offensive zum Jahresstart
Die wirtschaftliche Lage im nordrhein-westfälischen Handwerk bleibt angespannt: Umsätze und Aufträge stagnieren, viele Betriebe blicken vorsichtig auf 2026. Handwerkspräsident Andreas Ehlert fordert deshalb eine konsequente Wirtschaftspolitik mit Fokus auf den Mittelstand.
Veröffentlicht: Freitag, 09.01.2026 10:54
Das Interview zum Hören
Wirtschaft stagniert – Betriebe unter Druck
Die konjunkturelle Lage im NRW-Handwerk zeigt zu Beginn des Jahres 2026 kaum Dynamik. Nach Angaben von HANDWERK.NRW bleiben die Umsätze in vielen Gewerken rückläufig, die Auftragsbücher füllen sich nur schleppend. Präsident Andreas Ehlert warnte: „Von Aufbruch kann derzeit keine Rede sein. Real wird es 2026 auf eine Stagnation oder sogar ein leichtes Minus hinauslaufen.“ Auch die Beschäftigtenzahlen dürften - bedingt durch die Demografie - leicht sinken, um etwa 1,5 Prozent.
Forderung nach Wachstumsoffensive und Bürokratieabbau
Ehlert kritisierte die Bundesregierung dafür, dass viele Ankündigungen aus Neujahrsansprachen oder Koalitionsverträgen noch nicht bei den Betrieben angekommen seien. Konkret bemängelte er die fehlende Abschaffung der Bonpflicht, des Sonntagsbackverbots für Bäcker sowie die Stromsteuersenkung, die vor allem Großunternehmen zugutekommt. „Wir brauchen eine grundsätzliche Agenda für Wachstum, die den Mittelstand ins Zentrum stellt“, so Ehlert. Zudem müsse die Politik die Sozialsysteme reformieren, um die Lohnnebenkosten unter Kontrolle zu halten und den Betrieben Planungssicherheit zu geben.
Landespolitik und Perspektiven für das Handwerk
Auch auf Landesebene sieht das Handwerk Handlungsbedarf: Neue Gesetze, wie das Tarifentgeltsicherungsgesetz, würden Bürokratie schaffen und Betriebe abschrecken, kommunale Verpackungssteuern belasteten vor allem Gastronomie und Lebensmittelhandwerk. Positiv bewertet Ehlert die stabile Ausbildungsquote und die leichte Trendwende in der Baukonjunktur. „Handwerk ist krisensicher und zukunftsfest“, betonte er, und appellierte an junge Menschen: „Kommt ins Handwerk, macht eure Ausbildung, werdet Unternehmerinnen und Unternehmer.“
Autor: José Narciandi

