
Die Hitze macht vielen Menschen auch gesundheitlich zu schaffen. In die Notaufnahmen im Hochsauerlandkreis kommen bei den aktuell heißen Temperaturen auch immer mehr Patientinnen und Patienten mit hitzebedingten Beschwerden. Meist leiden sie unter Kreislaufproblemen oder Beschwerden infolge von Flüssigkeitsmangel. Das Klinikum Hochsauerland registriert einen Anstieg der Fallzahlen in seinen Notaufnahmen. Eine deutlich höhere Auslastung aufgrund von Hitze gab es in der Zentralen Notaufnahme des St.-Marien-Hospitals, in Marsberg bislang nicht, so der ärztliche Leiter der Notaufnahme Doctor Medic Thinesh Ernest. Grundsätzlich beobachtet er jedoch, dass das Thema Hitze und deren gesundheitliche Auswirkungen in den Sommermonaten zunehmend an Bedeutung gewinnt.
Häufige Krankheitsbilder bei Hitze
Am häufigsten treten Kreislaufbeschwerden, Schwindel, Blutdruckschwankungen, Flüssigkeitsmangel (Dehydrierung), allgemeine Schwäche, Kopfschmerzen und Erschöpfungszustände auf. Atemwegserkrankungen können sich verschlechtern. Bei besonders gefährdeten Personen können sich auch bestehende Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch hohe Temperaturen verschlechtern, heißt es aus den Krankenhäusern. Das Klinikum Hochsauerland sagt außerdem, es gebe auch vermehrt Stürze, die in Zusammenhang mit Kreislaufproblemen stehen können.
Besonders gefährdete Personengruppen
Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder, chronisch kranke Patientinnen und Patienten sowie Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Personengruppen reagieren häufig empfindlicher auf hohe Temperaturen und Flüssigkeitsverluste. Auch Schwangere leiden besonders unter Hitze.
Krankenhäuser haben sich vorbereitet
Die Mitarbeiter sind für die besonderen Herausforderungen während heißer Wetterperioden sensibilisiert, heißt es aus Marsberg. Sie achten insbesondere auf eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung der Patientinnen und Patienten und stellen zusätzliche Getränke bereit. Darüber hinaus sorgen sie durch regelmäßiges Lüften und das Öffnen der Fenster für ein möglichst angenehmes Raumklima. Aus dem Klinikum heißt es: Unsere Teams sind auf solche Situationen gut vorbereitet, sowohl was die medizinische Versorgung in den Notaufnahmen als auch die Abläufe auf den Stationen betrifft. Bei hohen Temperaturen achten wir besonders auf vulnerable Patientengruppen, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, die frühzeitige Erkennung von Kreislaufproblemen und eine angepasste Betreuung.
Tipps aus dem Klinikum Hochsauerland
Jan Kuhse, Sektionsleiter Akut- und Notfallmedizin rät: „ An heißen Tagen ausreichend trinken, körperliche Anstrengung in die kühleren Tageszeiten verlegen, direkte Sonne meiden und besonders auf ältere, alleinlebende oder vorerkrankte Menschen achten. Auch die Ernährung spielt bei Hitze eine wichtige Rolle: Empfehlenswert sind leichte Mahlzeiten, wasserreiches Obst und Gemüse beispielsweise Melone, Gurke oder Beeren sowie kleinere Portionen über den Tag verteilt. Schwere, fettige Speisen und übermäßiger Alkoholkonsum sollten vermieden werden. Bei starken Kreislaufbeschwerden, Verwirrtheit, Bewusstseinsstörungen, Brustschmerzen oder Atemnot sollte umgehend medizinische Hilfe gerufen werden“.
Diabetiker und Menschen mit Nervenerkrankungen sind stärker betroffen
Das gilt besonders an Tagen mit Temperaturen über 30 Grad Celsius und Nächten, in denen die Lufttemperatur nicht unter 20 Grad Celsius sinkt. Solche tropischen Bedingungen sind für fast jeden Stoffwechsel eine Herausforderung. Sie können aber vor allem für chronisch kranke Menschen mit einem gestörten Stoffwechsel sehr belastend sein. Besonders gefährdet sind Menschen mit Diabetes Typ 2, von denen im HSK rund 27.000 Menschen betroffen sind. Wenn ihr Blutzuckerspiegel schwankt und kann es zu einer Über- oder Unterzuckerung kommt. Menschen mit Diabetes haben außerdem ein erhöhtes Risiko für Hitzeerschöpfung. Bei hohen Temperaturen muss das körpereigene Kühlsystem mehr leisten, um die normale Körpertemperatur von etwa 37 Grad Celsius zu halten.
Wenn zu wenig getrunken wird, erhöhen sich die Blutzuckerwerte, was zu einer verstärkten Zuckerausscheidung über den Urin führt und den Flüssigkeitsbedarf weiter erhöht.
Auch Nervenschädigungen und starkes Übergewicht (Adipositas) machen es dem Körper schwerer, sich an die Hitze anzupassen. Adipositas schränkt die Wärmeabfuhr weiter ein, die Körperoberfläche wird im Verhältnis zum Körpergewicht kleiner. Die Wärmeabgabe im Fettgewebe läuft außerdem langsamer als im Muskelgewebe.