
Neue Stolpersteine in Schmallenberg Thema im Rat
Die Stadt Schmallenberg will mit neuen Stolpersteinen an Opfer des NS-Regimes erinnern. Auch aus Schmallenberg sind Menschen mit psychischen und körperlichen Krankheiten in Anstalten umgebracht worden.
Veröffentlicht: Donnerstag, 26.03.2026 06:22
Die Städte und Gemeinden im Sauerland erinnern mit Stolpersteinen an die Opfer des Nazi-Regimes. In Schmallenberg erinnern Stolpersteine in der Kernstadt an verfolgte und ermordete Jüdinnen und Juden. 19 neue Stolpersteine sollen an Opfergruppen erinnern, für die es bisher keine Gedenkstätte in Schmallenberg gibt. Weitere Opfergruppen, zu denen jetzt ausreichende Hintergrundinformationen vorliegen, sind die sogenannten „Krankenmorde“, die Sinti & Roma, die politisch Verfolgten sowie Mitglieder der christlichen Kirche. Die Opfer stammen auch aus den Schmallenberger Dörfern. U.a. aus Fleckenberg, Gleidorf, Dorlar und Mailar. Die Grundstücksbesitzer werden gefragt, ob sie mit dem Verlegen eines Stolpersteins einverstanden sind. Heute entscheidet der Rat, ob die neuen Stolpersteine verlegt werden.
Krankenmorde
Weil sie psychische oder körperliche Krankheiten besaßen, sind Menschen im ganzen Deutschen Reich systematisch getötet worden. Dies erfolgte in den Jahren 1940-1941 in der sogenannten „Aktion T, so die Stadtverwaltung. Die Opfer kamen in zahlreichen Heil- und Pflegeanstalten durch Vernachlässigung, Hungerrationen oder Giftspritzen um. Für Schmallenberg lassen sich mindestens neun „Euthanasie-Opfer“ nachweisen:
Vier sind in der Tötungsanstalt Hadamar ermordet worden. Fünf sind nachweislich in Anstalten ermordet worden. Auch in der Provinzialanstalt Warstein. Eine Patientin wurde dort 1936 eingewiesen, mit den Diagnosen „unheilbar“ & „gemeingefährlich“. Der Vergleich mit anderen Patienten mit derselben Diagnose hat gezeigt, dass sie die Anstalt nicht mehr lebend verlassen hätte. Sie wurde 1938 für tot erklärt.
Zwangssterilisation
Ein weiteres (und bisher noch weniger behandeltes) Kapitel der NS-Rassenideologischen Verbrechen seien die Zwangssterilisationen, welche seit Juli 1933 im gesamten Reich betrieben worden sind, so die Stadt. Hier ist die Dunkelziffer aktuell noch zu hoch, um von einem vollumfänglichen Ergebnis sprechen zu können. Ein Fall lässt sich aber als „Krankenmord“ definieren: − Ein Patient wurde 1935 in Warstein eingewiesen und wurde vier Monate später in Lippstadt zwangssterilisiert. Er starb dort nachweislich an den Folgen der Zwangssterilisation. Somit ergeben sich unter dem Sammelbegriff der „Krankenmorde“ insgesamt 13 Personen, welche ihren letzten bekannten und frei gewählten Wohnort im Stadtgebiet Schmallenberg hatten und für die Stolpersteine verlegt werden sollen.
Weitere Opfer des Nationalsozialismus in Schmallenberg
Sinti & Roma
Auch in Schmallenberg sind Sinti & Roma Opfer des NS-Regimes geworden. Zwei von ihnen haben den Krieg überlebt und stehen dabei sinnbildlich auch für die Verfolgung, Unterdrückung und Ausgrenzung ihrer und anderer Familien im Stadtgebiet.
Politisch Verfolgte
Als weitere Gruppe der vom Nationalsozialistischen Regime verfolgten Personen zählen die aufgrund ihrer politischen Einstellung Verfolgten. Besonders die Anhänger von KPD und SPD wurden ab 1933 systematisch verfolgt, inhaftiert, deportiert und teilweise auch ermordet. Für Schmallenberg sind insgesamt drei Fälle belegt, von Personen, die ihren letzten Wohnort im Stadtgebiet hatten und in Konzentrationslager deportiert worden sind.
Mitglieder der christlichen Kirche
Auch Geistliche hatten unter der Verfolgung des Nationalsozialistischen Regimes zu leiden. Das Schicksal eines Geistlichen ist belegt, welcher zuletzt in Schmallenberg wohnhaft war und von hier aus inhaftiert und später deportiert wurde. Er wurde in Dachau ermordet, seine Urne befindet sich heute auf dem Friedhof in Schmallenberg.
Paten für Stolpersteine
Die Herstellungskosten pro Stolperstein belaufen sich auf 120€. Für 19 Stolpersteine würde sich daher eine Summe von 2.280€ ergeben. Es sollen Patenschaften für einzelne oder Gruppen von Stolpersteinen vergeben werden. Diese sind für die inhaltliche und konservatorische Betreuung der Stolpersteine zuständig. Aktuell hat das Gymnasium Schmallenberg die Patenschaft für alle jüdischen Stolpersteine übernommen. Das Stadtarchiv ist aktuell noch dabei zu prüfen, von wem und wie viele Patenschaften übernommen werden könnten. Eine Verlegung der Stolpersteine ist für das Jahr 2027 angedacht. Nach einer zentralen Gedenkveranstaltung in der Stadthalle soll ein Stolperstein symbolisch durch den Künstler Gunter Demnig verlegt werden. Die weitere Verlegung der Stolpersteine soll dezentral erfolgen und in Absprache mit den entsprechenden Nachfahren, Eigentümern und Paten. Gleichzeitig soll auch ein kleines Heftchen herausgegeben werden, in dem die Standorte der Stolpersteine und Schicksale der Personen genauer betrachtet werden sollen (Umfang ca. 50 Seiten). Die Druckkosten dafür belaufen sich auf ca. 2.000€. Somit sind für die Umsetzung insgesamt 4.500€ bereitzustellen