
Einmal im Jahr simuliert das Team Wald- und Klimaschutz vom Zentrum für Wald und Holzwirtschaft aus Arnsberg (ZWH) mit weiteren Partnern den möglichen Ausbruch eines Waldschädlings in Nordrhein-Westfalen. Diesmal wurde die Ausbreitung des Eschenprachtkäfers im Wittringer Wald in Gladbeck simuliert. Der Käfer, der ursprünglich aus Asien stammt, kommt mittlerweile weltweit vor und kann auch den Eschen im Sauerland massiv schaden. Deshalb bereitet sich Wald und Holz NRW gemeinsam mit Experten des Ministeriums für Landwirtschaft und Verbraucherschutz in Übungen auf einen möglichen Schädlingsbefall vor. „Der Wald in Nordrhein-Westfalen bietet Lebensraum für Tiere und Pflanzen, liefert den Rohstoff Holz, schützt das Klima und ist für viele Menschen ein Ort der Erholung. Zugleich ist der Wald auch den globalen Folgen der Klimaveränderung ausgesetzt. Dazu gehört das Risiko der Ausbreitung von Käfern, die heimische Bäume schädigen. Regelmäßige Übungen unserer forstlichen Fachleute vor Gefahren durch invasive Insekten sind daher ein wichtiges Instrument des aktiven Waldschutzes“, so NRW-Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen.
Übung mit vielen Beteiligten und modernster Technik
Bei der Übung in Gladbeck am vergangenen Dienstag sind die Regionalforstämter des Landes und Experten aus dem Arnsberger ZWH beteiligt gewesen. Das Ziel: Die Maßnahmen aus dem Notfallplan des in Deutschland fachlich zuständigen Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen – des Julius-Kühn-Instituts (JKI) – praxisnah zu testen, Abläufe zu optimieren und eine schnelle Reaktionsfähigkeit sicherzustellen. Dabei wurden auch Drohnen und Hunde eingesetzt. „In einer globalisierten Welt lässt sich trotz umfassender und proaktiver Schutzvorkehrungen nicht immer verhindern, dass sogenannte Quarantäneschadinsekten aus anderen Regionen unbeabsichtigt nach Nordrhein-Westfalen gelangen“, erklärt Thomas Wälter, Leiter des Zentrums für Wald und Holzwirtschaft. „Da dies für unsere Wälder schwerwiegende Folgen haben kann, wollen und müssen wir auf einen solchen Ernstfall bestmöglich vorbereitet sein“, so Wälter.
15 Millimeter groß – fatal für Sauerländer Eschen
Der Eschenprachtkäfer befällt in erster Linie Eschen, schädigt sie stark und bringt sie zum Absterben. Er gehört zur großen Gruppe der Prachtkäfer. Weltweit kommen etwa 15.000 Prachtkäferarten vor, in Deutschland rund 100. Da sich die verschiedenen Prachtkäferarten selbst, und vor allem die Merkmale eines Befalls, kaum voneinander unterscheiden, ist für den sicheren Nachweis einer bestimmten Art immer die Bestimmung durch ein spezialisiertes Labor notwendig. Allerdings sind die einzelnen Arten relativ eng an einen bestimmten Lebensraum, also eine bestimmte Baumart, gebunden. Werden also Merkmale eines Prachtkäferbefalls an Eschen gefunden, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es sich um Agrilus planipennis handeln könnte, relativ groß.
Die Europäische Kommission hat den Eschenprachtkäfer als einen prioritären Unionsquarantäneschädling eingestuft. Für prioritäre Unionsquarantäneschädlinge erstellt das Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen – das Julius-Kühn-Institut (JKI) – sogenannte Rahmen-Notfallpläne. Tritt beispielsweise der Eschenprachtkäfer nachweislich im Wald in NRW auf, ist der Pflanzengesundheitsdienst von Wald und Holz NRW Ansprechpartner. Der für den Wald in NRW und forstliche Erzeugnisse zuständige Pflanzengesundheitsdienst ist Teil des Teams Wald- und Klimaschutz im Zentrum für Wald und Holzwirtschaft in Arnsberg.