Anzeige
Schwierige Wirtschaftslage
© Ulf Gähme - Fotolia
Teilen:

Schwierige Wirtschaftslage

Konjunkturumfrage der IHK mit düsteren Aussichten. Nahost-Konflikt tritt Sauerländer Wirtschaft hart.

Veröffentlicht: Dienstag, 28.04.2026 04:16

Anzeige

Die hohen Energiekosten bremsen die Konjunktur bei uns im Sauerland. Das ist das Fazit der Frühjahrskonjunkturumfrage der Industrie- und Handelskammer Arnsberg, die gestern Abend vorgestellt worden ist. Während die Unternehmen ihre aktuelle Lage etwas besser bewerten als noch zum Jahresanfang, sind die Erwartungen wieder sehr eingetrübt. „Der Nahostkonflikt und seine Folgen haben die Hoffnung auf eine baldige Erholung der Wirtschaft am Hellweg und im Sauerland vorerst zunichte gemacht“, so kommentierte IHK-Präsident Andreas Knappstein die Ergebnisse der Konjunkturumfrage. Der Konjunkturklimaindikator ist um 5 Punkte von 95 auf 90 gesunken – bei 100 Punkten liegt die Wachstumsgrenze.

Die IHK hat die Umfrage vom 1. bis 17. April durchgeführt, 386 Unternehmen aus dem HSK und dem Kreis Soest haben sich beteiligt.

Anzeige

Aktuelle Lage etwas besser

Anzeige

Zum Jahresbeginn waren die Unternehmen erstmals nach längerer Zeit wieder vorsichtig optimistisch. „Es gab einen kleinen Hoffnungsschimmer, dass die Konjunktur im Laufe des Jahres wieder Fahrt aufnehmen könnte“, so der IHK-Präsident. „Diese Entwicklung sehen wir nun in der verbesserten Lage der Unternehmen.“ Die Firmen bewerten ihre Lage etwas besser als noch am Jahresanfang und so gut wie seit Herbst 2023 nicht mehr. Insgesamt liegt der Klimaindikator aber immer noch im negativen Bereich. Vor allem die Bauwirtschaft und die Dienstleistungsbranchen bewerten ihre aktuelle Lage besser, auch die Industrie hat etwas zugelegt. Das Gastgewerbe hat sein schwaches Niveau in etwa gehalten. Eine deutlich schlechtere wirtschaftliche Lage meldet das Verkehrsgewerbe (von +21,5 auf -7 Punkte), und am unteren Ende der Skala liegen Groß- und Einzelhandel.

Anzeige

Ausblick in die Zukunft wenig positiv

Anzeige

Und der Ausblick in die Zukunft ist düster. Die Geschäftserwartungen sind deutlich eingebrochen. Der Konjunkturklimaindikator, der sich aus Lage- und Erwartungswerten berechnet, fällt dadurch auf 90 Punkte. Bei 100 Punkten liegt die Wachstumsgrenze. Betroffen sind nahezu alle Branchen, außer die sonstigen Dienstleistungen. Besonders pessimistisch blicken der Großhandel und das Verkehrsgewerbe in die Zukunft. Sind doch vor allem Speditionen von den hohen Spritpreisen besonders betroffen.

Ein wesentlicher Grund dafür ist die geopolitische Lage und der Nahost-Konflikt. „Die Eskalation im Nahen Osten trifft die Unternehmen in einer ohnehin angespannten Situation zusätzlich und mit voller Wucht“, sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jörg Nolte. „In einer Phase, in der sich die Wirtschaft nach den Belastungen durch den Ukraine-Krieg, anhaltende Handelskonflikte und strukturelle Herausforderungen gerade leicht stabilisieren wollte, sorgt die neue Krise wieder für Verunsicherung und bremst eine mögliche Erholung spürbar aus.“ 

Besonders deutlich zeige sich das in den Risiken, die die Unternehmen sehen: 74 Prozent der Unternehmen halten die Energie- und Rohstoffpreise als größtes Risiko – ein deutlicher Anstieg (+29 Punkte) gegenüber dem Jahresbeginn. Auch die Verfügbarkeit von Rohstoffen wird deutlich häufiger genannt (+17 Punkte). Alle anderen Risiken – von Fachkräftemangel bis Nachfrage – verlieren aktuell an Bedeutung. 


Vor diesem Hintergrund planen die Unternehmen auch weniger zu investieren, und wenn, dann eher in den Erhalt und die Modernisierung als in den Ausbau. Positiver wird laut Konjunkturumfrage  das Thema Beschäftigung und Arbeitsplätze bewertet. Der Anteil der Unternehmen, die neue Mitarbeiter einstellen wollen, ist von 9 auf 13 Prozent gestiegen. Auffällig ist, dass deutliche weniger Firmen den Fachkräftemangel als Risiko sehen: Mit 34 Prozent Nennungen erreicht dieser – abgesehen von der Corona-Zeit – den niedrigsten Wert seit über zehn Jahren. Auch hier spiegle sich die gesamtwirtschaftliche Lage wieder.

Anzeige

Industrie besonders unter Druck

Anzeige

Besonders stark unter Druck steht die Industrie, die gleich doppelt betroffen ist: Viele Unternehmen sind energieintensiv und zugleich stark exportorientiert. Zum Ende des vergangenen Jahres hatten sich die Erwartungen der Branche deutlich aufgehellt, was sich nun in der verbesserten Lagebewertung widerspiegelt. Angesichts der aktuellen Entwicklungen drehen sich die Erwartungen wieder klar ins Negative. Ähnlich ist das Bild beim Export insgesamt: Die Situation stabilisiert sich leicht, während die Erwartungen deutlich zurückgehen. Hier herrsche eine große Unsicherheit, nicht nur wegen des Nahost-Konflikts sondern auch wegen der US-amerikanische Zollpolitik.


Die Belastung durch die Auswirkungen des Nahost Konflikts spiegelt sich auch in einer Blitzumfrage der IHK wider, die in der vergangenen Woche durchgeführt worden war: Die Mehrheit der Befragten berichtet von konkreten Auswirkungen des Konflikts auf das eigene Unternehmen, insbesondere durch gestiegene Energiepreise sowie höhere Transport- und Logistikkosten. Viele Betriebe reagieren darauf mit Preisanpassungen, um die zusätzlichen Belastungen aufzufangen. 

Anzeige

Klare Forderungen an Politik

Anzeige

„Die Unternehmen in Deutschland brauchen eine klare Orientierung, wohin sich der Standort Deutschland entwickeln soll. Im Moment fehlt ein überzeugendes wirtschaftspolitisches Zukunftsnarrativ, das Vertrauen schafft und Investitionen ermöglicht. Entscheidend ist, dass Ziele und Maßnahmen nachvollziehbar sind. Auch schwierige Entscheidungen sind vermittelbar, wenn sie Teil eines klaren Gesamtbilds sind. Gleichzeitig ist ein geschlossenes Auftreten der Regierung wichtig. Die Koalition muss erkennbar gemeinsam an einem Ziel arbeiten. Öffentliche Auseinandersetzungen untergraben Vertrauen und widersprechen diesem Anspruch“, appelliert Jörg Nolte. „Viele Unternehmen erleben derzeit eher das Gegenteil: Fehlende Klarheit, widersprüchliche Signale und kurzfristiger, punktueller Aktionismus. Das schwächt Vertrauen und bremst Investitionen. Der Koalitionsvertrag zeigte Ansätze einer wirtschaftsfreundlichen Agenda, doch vieles bleibt Stückwerk oder greift zu kurz. Maßnahmen wie die Senkung der Stromkosten oder der Industriestrompreis adressierten häufig nur Teilbereiche. Aus Sicht der Wirtschaft braucht es mehr Mut zu tiefgreifenden Reformen“, so Andreas Knappstein.

Anzeige
Anzeige
Anzeige