Nach Verfolgungsjagd: 1 Jahr und 11 Monate Haft

Das Amtsgericht Schmallenberg hat heute einen 22-jährigen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und 11 Monaten verurteilt. Der Schmallenberger hatte sich im Februar dieses Jahres eine gefährliche Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert.

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Mit einem milden Urteil endete heute die Verhandlung gegen einen Jungen Mann aus Schmallenberg vor dem Amtsgericht Schmallenberg. Richter Ralf Fischer verurteilte den 22-jährigen zu einer Haftstrafe von einem Jahr und elf Monaten. Wegen mehrerer Vorstrafen sitzt der Verurteilte aktuell noch eine Strafe von 10 Monaten ab.

Im Februar dieses Jahres soll sich der Angeklagte sich mit einem Streifenwagen eine kilometerlange Verfolgungsjagd von Westernbödefeld über Bad Fredeburg und Berghausen geliefert haben. Mit Geschwindigkeiten bis zu 150 kmh raste er über Kreis- und Landstraßen.

Vor dem Amtsgericht Schmallenberg stand er heute wegen eines verbotenen Autorennens und fahrlässiger Körperverletzung. Dabei soll er betrunken und ohne Führerschein gefahren sein.

"Letzte Chance"

"Sie haben Glück gehabt, dass bei ihrer Fahrt niemand zu Tode gekommen ist". Das sagte Richter Ralf Fischer heute bei der Verhandlung im Amtsgericht Schmallenberg zum Angeklagten Kevin B. Die beiden sind sich nicht zum ersten Mal vor Gericht begegnet. Der 22-jährige, der in Bad Fredeburg zur Schule gegangen ist, hat bereits 6 Vorstrafen. Diesmal hätte er sich aber zum ersten Mal einsichtsvoll, kooperativ und offen gezeigt, so Richter Fischer. In vorherigen Verhandlungen sei der Angeklagte eher ablehnend aufgetreten. Heute räumte er die Vorwürfe ein und entschuldigte sich bei der Nebenklägerin. Sie hatte während der Verfolgungsjagd im Auto gesessen und war beim Crash schwer verletzt worden.

Als eine Freundschaft in die Brüche ging, sei er wieder in alte Muster zurückgefallen, so der Verteidiger des Angeklagten.

"Ich gebe ihnen jetzt die letzte Chance", begründete Richter Fischer sein relativ mildes Urteil. "Wenn Sie kein Drogenproblem hätten, wäre das ganze nie passiert".

Wegen seiner Vorstrafe muss der junge Schmallenberger trotzdem insgesamt noch 2 Jahr und 8 Monate absitzen.

Die Verfolgungsjagd am 4.02.2023

Hier die Einzelheiten der Verfolgungsjagd Anfang Februar 2023 aus der Anklageschrift:


"Kevin B. soll am Tattag gegen 02:33 Uhr mit einem PKW Ford Focus unter anderem die Einmündung L740/Bonacker in Schmallenberg mit überhöhter Geschwindigkeit in Richtung Westernbödefeld in alkoholbedingt fahruntüchtigem Zustand und ohne im Besitz einer gültigen Fahrerlaubnis zu sein befahren haben."


Als er einen Streifenwagen der Polizei sah, beschleunigte der Angeklagte derart stark, dass zunächst ein größerer Abstand zu Streifenwagen entstand. Der Angeschuldigte beschleunigte das von ihm gefahrenen Fahrzeug im Bereich "Teufelsloch" am Abzweig L917 (Kirchrarbrach) auf eine Geschwindigkeit von 120 km/h bei erlaubten 70 km/h. Die Insassen des Streifenwagens verloren erneut den Sichtkontakt zum Verfolgten. Einem weiteren eingesetzten Polizeiauto kam der Angeklagte dann mit deutlich überhöhter Geschwindigkeit auf der Straße "Wehrscheid" in Richtung Gleidorf entgegen.


"Um 03:11 Uhr gelang es den eingesetzten Beamten trotz der gefahrenen hohen Geschwindigkeit die Verfolgung zu dem Angeklagten aufzunehmen. Hierbei befuhr der Angeschuldigte u.a. innerorts die B 511 im Bereich "Wehrscheid" mit einer Geschwindigkeit von 100 km/h bei erlaubten 50 km/h. Durch einen Polizisten wurde am Kreisverkehr Wehrscheid/ B 511/ "Im Ohle" dann eine optische Straßensperre durch Querstellen des Streifenwagens eingerichtet. Dieser Straßensperre näherte sich der Angeschuldigte ebenfalls mit überhöhter Geschwindigkeit und bog ca. 50 Meter vor der Straßensperre mit einem riskanten Verkehrsmanöver vor dem Kreisverkehr in die Straße "Im Ohl" ab. Der Angeschuldigte setze seine Fahrt über die Straßen "Mothmecke" und "Leißestraße" mit Geschwindigkeiten jenseits der 100 km/h bei erlaubten 30 km/h fort, überquerte ungebremst und mit hoher Geschwindigkeit die B 511 und das dort befindliche Stopp-Schild, setzte seine Fahrt über die K 36 in Richtung Ebbinghof mit Geschwindigkeiten zwischen 120 km/h und 150 km/h fort, sodass um 03:14 Uhr erneut der Sichtkontakt der Beamten abbrach."


Bei Oberberndorf traf die Polizei dann wieder auf den Flüchtenden. Als er den Streifenwagen sah, flüchtete er mit größtmöglicher Geschwindigkeit in Richtung Berghausen.


Das Ende der Verfolgungsjagd:


Um 03:28 Uhr endete die Fahrt des Angeschuldigten. In Mailar verlor er mit 120 kmh die Kontrolle über das Fahrzeug und krachte in mehrere geparkte Fahrzeuge. Nach Angaben des Amtsgerichts entstand dabei ein Sachschaden in Höhe von rund 108.000,00 €.


Durch die Kollision wurden die zwei Insassen des vom Angeklagten gesteuerten Autos verletzt. Ein Mann zog sich mehrere Blutergüsse und Schnittwunden im Schulterbereich und an der Hüfte zu. Eine Frau erlitt eine stark blutende Platzwunde am Kopf, ein Schädelhirntrauma sowie eine Deckenplattenimpressionsfraktur.

Alle drei Fahrzeuginsassen hatte Cannabis und Alkohol konsumiert.



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