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Bischof Heiner Wilmer
© Rolf Vennenbernd/dpa
Heiner Wilmer wird ab Sommer neuer Bischof in Münster. Am Donnerstag wurde er im Dom vorgestellt.
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Münster bekommt mit Wilmer fortschrittlichen Bischof

Heiner Wilmer übernimmt das Bistum Münster. Er gilt als fortschrittlich und spricht sich für alternative Leitungsmodelle mit Frauen sowie für die Segnung homosexueller Paare aus.

Veröffentlicht: Donnerstag, 26.03.2026 16:24

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Katholische Kirche

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Münster (dpa) - Voller Emotionen, Witz und persönlicher Worte: Heiner Wilmer, der noch amtierende Bischof von Hildesheim in Niedersachsen, stellte sich am Donnerstag im Dom zu Münster den Gläubigen seines neuen Bistums vor. Und dabei sparte der 64-Jährige nicht mit eindringlichen Worten zum Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. «Viele Verantwortungsträger haben viel zu lange weggeschaut», sagte Wilmer, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, in seiner Rede im Dom. «Das alles darf es nie wieder geben, und ich werde mich mit aller mir zur Verfügung stehenden Kraft dafür einsetzen, dass unsere Kirche ein sicherer Raum ist.» 

Sein Wechsel falle ihm nicht leicht, sagte der designierte neue Bischof in Münster. Bei dem Hinweis auf «wunderbare Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Bischofshaus und im Generalvikariat» versagte ihm kurz die Stimme, und er kämpfte mit den Tränen. In Hildesheim war er seit 2018 im Bischofsamt.

Dabei kehrt Wilmer fast in seine alte Heimat zurück. Er ist auf einem Bauernhof im südlichen Emsland aufgewachsen und sollte eigentlich den Hof übernehmen. Weil er nur Plattdeutsch sprechen konnte, schickten ihn die Eltern in einen Kindergarten nach Hopsten in Nordrhein-Westfalen, erzählte er nach der Vorstellung im Dom bei einer Pressekonferenz. «Das Lernen des Hochdeutschen ist mir mit Abstrichen gelungen», berichtet der Nachfolger von Felix Genn, der im vergangenen Jahr mit 75 Jahren in den Ruhestand gegangen war.

Unterschrift um 6.00 Uhr am Morgen

Erst im Februar war Wilmer zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) gewählt worden. Am 17. März kam dann die Frage, ob er nach Münster gehen würde. Gab es Zweifel? «Doch, ich habe darüber nachgedacht. Tatsächlich», sagte der angehende neue Bischof, der am 28. Juni in sein Amt eingeführt werden soll.

Aber nachdem die Frauen und Männer in Münster sich für ihn ausgesprochen hätten und sich dann auch noch Papst Leo für ihn entschieden habe, habe er zugestimmt. «Am 19. März um 6.00 Uhr am Morgen habe ich unterschrieben. Wie das genau gehen soll, mit diesen zwei großen Aufgaben, werden wir sehen. Es muss gut koordiniert werden», sagte Wilmer.

Regeln für Bischofsernennung

Der Ernennung durch den Papst im Vatikan geht ein genau festgelegtes Verfahren voraus. Im Bistum Münster gilt nach wie vor das Preußische Konkordat aus dem Jahr 1929. Dabei handelt es sich um einen völkerrechtlichen Vertrag mit dem Vatikan.

Laut diesen Regeln legt das Bistum Rom eine Liste mit geeigneten Kandidaten vor. Das Domkapitel, ein Leitungsgremium der Priester des Bistums, erhält über den Botschafter des Vatikans in Deutschland eine Liste mit drei Kandidaten zurück. Dabei ist der Papst nicht an die Kandidatenliste aus Deutschland gebunden.

Das Domkapitel wählt dann einen der vorgeschlagenen Kandidaten. Nimmt der die Wahl an, muss noch die Landesregierung zustimmen. Erst dann wird Rom der Name gemeldet und der Papst ernennt den neuen Bischof.

Oldenburger Land zählt auch zum Bistum Münster

Zum Bistum Münster gehören in Nordrhein-Westfalen das Münsterland bis zum Niederrhein und zum Nordrand des Ruhrgebiets sowie das Oldenburger Land in Niedersachsen.

Gemessen an der Zahl der Katholiken ist das Bistum Münster in Deutschland das größte – wenn auch mit knappem Vorsprung. Hier sind 1,63 Millionen Katholiken gemeldet, im Erzbistum Köln sind es 1,62 Millionen. Diese Zahlen nennt die Bischofskonferenz für das Jahr 2024.

Alternative Leitungsmodelle mit Frauen

Wilmer gilt als fortschrittlich im Vergleich zu anderen Bischöfen in Deutschland, in seinem bisherigen Bistum in Niedersachsen werden auch alternative Leitungsmodelle mit Frauen erprobt. Immer wieder hat er sich auch für eine Erneuerung der katholischen Sexualmoral ausgesprochen. Die Möglichkeit zur Segnung homosexueller Paare findet er gut.

Damit passt Wilmer zum als progressiv geltenden Bistum Münster. Von hier aus entwickelte sich Maria 2.0, eine Initiative von Frauen, die sich für eine andere Rolle von Frauen in der katholischen Kirche einsetzt und Missstände anprangert. 2019 traten die Frauen in den Kirchenstreik, der sich auf andere Bistümer in Deutschland ausweitete.

Auf der anderen Seite setzt sich Wilmer aber auch stark für das Thema Evangelisierung ein, das konservativen Bischöfen traditionell wichtig ist. Nach seiner Wahl zum Chef der deutschen Bischöfe am 24. Februar war er in ersten Interviews allerdings zunächst etwas vage und zögerlich aufgetreten. Bei der Frage, wie möglicherweise Frauen in einer bisher männerdominierten Kirche eine stärkere Rolle spielen könnten, wies er auf die von Papst Franziskus initiierte Weltsynode hin und wurde nicht konkreter. Er sei überzeugt, dass auch heute der Heilige Geist wirke, versicherte er.

Der Neue unterrichtete mal in der Bronx

Der designierte Münsteraner Bischof spricht mit einem norddeutschen Einschlag. Seine Herkunft aus dem Emsland ist deutlich hörbar. Auch hat er den typischen Prediger-Ton eines Geistlichen. In einem TV-Interview nach seiner Wahl zum Chef der Bischöfe gab der Moderator es nach wiederholten Versuchen auf, dem neuen DBK-Vorsitzenden etwas anderes als eine diplomatische Antwort zu entlocken. Bei seiner Vorstellung in Münster wirkte Wilmer deutlich lockerer als vor dem Millionen-Publikum im Fernsehen.

Dabei ist Wilmer schon in der Welt herum gekommen – und das nicht als Diplomat. Er unterrichtete Deutsch und Geschichte in der New Yorker Bronx und leitete eine Ordensgemeinschaft in Rom. Der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller beschreibt ihn als «katholischen Weltenbürger», der über gute Kontakte zum Vatikan verfüge, dort anerkannt und bestens vernetzt sei. Wie es hieß, war dies einer der wichtigsten Gründe für seine Wahl an die Spitze der Bischofskonferenz.

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Bischof Heiner Wilmer
© Rolf Vennenbernd/dpa
Bei seiner ersten Rede im Dom vor den Gläubigen: Heiner Wilmer.
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Bischof Heiner Wilmer
© Rolf Vennenbernd/dpa
Zum Abschluss segnete der designierte Bischof die Gläubigen im Dom.
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Bischof Heiner Wilmer
© Rolf Vennenbernd/dpa
Münsters Oberbürgermeister Tilmann Fuchs (Grüne) war unter den Besuchern im Dom und begrüßte den gerade ernannten Bischof.
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