
Der Bürgermeister von Arnsberg, Ralf Paul Bittner, und der Verwaltungsvorstand verurteilen Morddrohungen gegen die Grünen-Ratsfrau Verena Verspohl. Hintergrund ist die Debatte um die Regenbogentreppe am Busbahnhof in Neheim. Sie war Anfang Februar schwarz-rot-gold übermalt worden. Die Arnsberger Grünen hatten das als klare rechtsextreme Aussage gegen Vielfalt, Queers und eine bunte Gesellschaft eingeordnet. Daraufhin hatte Verspohl Morddrohungen erhalten.
Gewaltandrohungen überschreiten jede Grenze:
Die Arnsberger Stadtspitze nennt die Drohungen einen Angriff auf die betroffene Person und auf die Demokratie. Sie betont: Meinungsfreiheit und respektvolle Diskussion sind Grundpfeiler unseres Zusammenlebens. Gewaltandrohungen überschreiten jede Grenze. Wer Politiker einschüchtern will, greift die Demokratie an. Arnsberg setzt sich mit Projekten wie Demokratiewochen und dem Arnsberger Preis für Demokratie für Toleranz und Zusammenhalt ein. Bürgermeister Bittner:" Arnsberg steht geschlossen für ein respektvolles Miteinander, für die freie Ausübung politischer Mandate und für den Schutz aller, die sich demokratisch engagieren. Hass, Gewaltandrohungen und Einschüchterungsversuche haben in unserer Stadt keinen Platz.“
Regenbogentreppe Schülerprojekt
Ursprünglich war die Treppe am Busbahnhof von Schülern des Arnsberger Gymnasiums Laurentianum in den Regenbogenfarben gestaltet worden. Sie sollte ein Zeichen für Offenheit, Vielfalt und Toleranz setzen. Die Treppe war in der vergangenen Zeit schon öfter das Ziel von Vandalismus.
Regenbogentreppe jetzt grau statt bunt?
Auch der Offen.BUND Arnsberg hat sich zur Regenbogentreppe zu Wort gemeldet. Der Verein setzt sich für die Interessen von queeren Menschen im Hochsauerlandkreis ein.
In einem offenen Brief bringt der Verein seine Verwunderung über die Entscheidung des Neheimer Bezirksausschusses zur Treppe am Neheimer Busbahnhof zum Ausdruck:
"Für uns ist es unverständlich, weshalb die Treppe nicht in den Zustand des Schulprojektes zurückgesetzt wird, sondern künftig keine Farbe mehr verwendet werden soll und stattdessen ein tristes Grau in Grau gewünscht ist. Hat die Stadt nicht mehr das Rückgrat, zu ihrer damaligen Entscheidung zu stehen? Sind die Werte, die das Projekt symbolisieren soll, über den Haufen geworfen worden? Knickt die Stadt vor Vandalen ein? Genau diesen Eindruck vermittelt die Entscheidung für uns. Diejenigen, die in unserer Stadt Dinge zerstören, weil sie sie für überflüssig halten, gewinnen mit ihren Aktionen. Das darf nicht sein und das ist die falsche Entscheidung! Gerade für queere Menschen im Sauerland ist es wichtig, dass sich die Stadt positioniert und unter anderem, Sichtbarkeit von Queerness durch Dinge wie z.B. die Regenbogentreppe, im öffentlichen Raum schafft. Besonders von einer Stadt mit sehr vielfältigen Mitbürger*innen wünschen wir uns Unterstützung und Positionierung. Wir möchten in Arnsberg alle friedlich miteinander leben, Verständnis füreinander haben und andere Ansichten akzeptieren. Wir haben in unserer Gesellschaft verlernt, Kompromisse zu machen. Uns stört der Nationalstolz nicht. Wir können froh sein, in diesem Land zu leben und sehen, was das Land für uns macht, diesem Stolz darf auch Ausdruck verleihen werden. Allerdings muss dabei alles seinen ordentlichen Weg gehen! Toleranz und Akzeptanz sind wichtige Werte unserer Stadt. Nur weil einige Menschen Dinge anderer zerstören, darf die Lösung nicht sein, dass alles verschwindet. Das ist ein Armutszeugnis. Daher bitten wir ausdrücklich darum, die Entscheidung aus dem Bezirksausschuss Neheim noch einmal zu überdenken und eine gemeinsame Lösung zu finden."