
Viele Unternehmen in Südwestfalen haben ein Problem: Sie wollen weiter ausbilden, finden aber immer seltener genug passende Bewerberinnen und Bewerber für Metall- und Elektroberufe. Das zeigt eine heute veröffentlichte Umfrage der IHKs aus Arnsberg, Siegen und Hagen.
Für die Betriebe ist das ein echtes Warnsignal. Wenn Ausbildungsplätze frei bleiben, fehlen später die Fachkräfte - und zwar genau in den Berufen, die für Produktion, Maschinenbau, Instandhaltung und moderne Industrie besonders wichtig sind. Deshalb sehen die befragten Betriebe die Nachwuchsgewinnung als zentrale Herausforderung.
Viele Lehrstellen bleiben unbesetzt
Laut Umfrage konnten rund zwei Drittel der befragten Unternehmen im vergangenen Jahr nicht alle angebotenen Ausbildungsplätze besetzen. Die Rückmeldung ist eindeutig: Viele Betriebe würden gern ausbilden, stoßen aber bei der Nachwuchsgewinnung zunehmend an ihre Grenzen. Das betrifft nicht nur einzelne Firmen, sondern eine ganze Schlüsselbranche in der Region.
Berufe in der Metall- und Elektrobranche verändern sich spürbar
Die Anforderungen in Metall- und Elektroberufen ändern sich gerade stark. Digitalisierung, Automatisierung, vernetzte Produktion und Künstliche Intelligenz spielen in vielen Unternehmen längst eine größere Rolle als früher. Neben handwerklich-fachlichen Grundlagen werden heute auch digitale Kenntnisse, vernetztes Denken sowie Analyse- und Problemlösefähigkeit immer wichtiger. Deshalb gewinnt auch die Rolle von Berufsschulen und überbetrieblichen Bildungsstätten aus Sicht der Betriebe an Bedeutung. Viele Unternehmen, insbesondere kleinere und mittlere Betriebe, können nicht jede neue Technologie selbst in der Ausbildung abbilden. Moderne Lernlabore, überbetriebliche Angebote und enge Kooperationen der Lernorte werden deshalb als wichtiger Schlüssel gesehen, um Zukunftsthemen wie Digitalisierung, Automatisierung, Robotik oder KI praxisnah vermitteln zu können.
Betriebe wollen das Ausbildungssystem - aber moderner
Die befragten Unternehmen stellen das duale Ausbildungssystem grundsätzlich nicht infrage. Im Gegenteil: Für sie bleibt die betriebliche Ausbildung der wichtigste Weg, um Fachkräfte zu sichern.Trotzdem sagen viele Betriebe klar, dass die Ausbildungsordnungen moderner und flexibler werden müssen. Gewünscht werden Berufsbilder, die aktuelle technische Entwicklungen schneller aufgreifen und sich besser an unterschiedliche Betriebsrealitäten anpassen lassen.
Besonders wichtig ist den Unternehmen mehr Spielraum in der Ausbildung. Gemeinsame Grundlagen sollen bleiben, danach soll es aber mehr Möglichkeiten zur Spezialisierung geben. Als sinnvolle Lösungen nennen die Betriebe zum Beispiel Wahlqualifikationen, Profilmodule und Bausteine, die sich zusätzlich zertifizieren lassen. So könnten neue Inhalte einfacher eingebaut werden, ohne die Unternehmen zu überfordern.
Eine zukunftsfähige Ausbildung in den Metall- und Elektroberufen sei ein wichtiger Baustein für die Fachkräftesicherung und die Wettbewerbsfähigkeit der Industrieregion Südwestfalen.
Hintergrund der IHK-Umfrage
Für die Befragung wurden 870 Ausbildungsbetriebe aus den Kammerbezirken Arnsberg, Siegen und Hagen angeschrieben. 274 Unternehmen haben teilgenommen. Thema war die Zukunft der Metall- und Elektroberufe - von Ausbildungsordnungen über neue Kompetenzanforderungen bis hin zu Prüfungen und überbetrieblichen Ausbildungsangeboten.