
Metall-Tarifrunde 2026: Was fürs Sauerland zählt
Die Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie starten am Mittwoch, 7. Oktober. Die IG Metall fordert mehr Geld und sichere Arbeitsplätze. Arbeitgeber warnen vor zusätzlichen Kosten. Im Sauerland, wo die Industrie besonders wichtig ist, dürfte die Tarifrunde aufmerksam verfolgt werden.
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Was die IG Metall in der Tarifrunde fordert
Rund 3,7 Millionen Beschäftigte arbeiten bundesweit in der Metall- und Elektroindustrie. Für sie verlangt die IG Metall fünf Prozent mehr Geld. Beschäftigte in unteren Entgeltgruppen sollen besonders berücksichtigt werden. Hinzu kommen Forderungen nach einer tariflichen Sicherung von Beschäftigung und Standorten sowie einer Gewinnbeteiligung in wirtschaftlich besonders erfolgreichen Betrieben.
Die Gewerkschaft verweist auf gestiegene Lebenshaltungskosten. Zugleich sieht sie große Unterschiede zwischen den Unternehmen: Während etwa Teile der Autoindustrie und des Maschinenbaus unter Druck stehen, laufen die Geschäfte in anderen Bereichen besser.
Arbeitgeber im Sauerland sehen wenig Spielraum
Volker Verch, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Westfalen-Mitte, beschreibt die Lage vieler Mitgliedsunternehmen im Sauerland als angespannt. Schwache Nachfrage, hohe Kosten und internationaler Wettbewerb belasteten die Betriebe. Zwar gebe es auch Unternehmen, die gut ausgelastet seien. Von deren Lage dürfe aber nicht auf die gesamte Branche geschlossen werden.
„Insgesamt überwiegt in der Metall- und Elektroindustrie aber derzeit ein schwieriges wirtschaftliches Umfeld. Entscheidend ist deshalb, dass wir in der Tarifrunde nicht von einzelnen erfolgreichen Unternehmen auf die gesamte Branche schließen.“ – Volker Verch, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Westfalen-Mitte
Die Forderung nach fünf Prozent mehr Entgelt innerhalb eines Jahres hält Verch für zu hoch. Ein Tarifabschluss müsse den Betrieben nach seiner Einschätzung Spielraum für Investitionen und Beschäftigung lassen. Eine eigene Zahl nennen die Arbeitgeber vor Verhandlungsbeginn nicht.
Warum die Tarifrunde für das Sauerland wichtig ist
Die Industrie hat im Sauerland weiterhin ein größeres Gewicht für die Beschäftigung als im Bundesdurchschnitt. Umso stärker treffen Stellenabbau und wirtschaftliche Schwierigkeiten die Region. Beim Autozulieferer Martinrea Honsel in Meschede wurde zuletzt der Abbau von bis zu 300 Stellen angekündigt. Der Medebacher Maschinenbauer Paul Köster meldete Insolvenz an.
Der Beschäftigungsrückgang reicht über die Region hinaus: In der nordrhein-westfälischen Metall- und Elektroindustrie arbeiteten im Juni 2026 nach Angaben des Unternehmensverbands rund 21.000 Menschen weniger als ein Jahr zuvor. Ob und wie ein neuer Tarifabschluss Arbeitsplätze im Sauerland sichern kann, ist ein zentraler Streitpunkt der Verhandlungen.
„Grundsätzlich beobachten wir mit Sorge, dass Investitions- und Standortentscheidungen immer stärker davon abhängen, wie wettbewerbsfähig Deutschland im internationalen Vergleich ist. Energiepreise, Steuern und Abgaben, Bürokratie, Arbeitskosten und die Geschwindigkeit von Genehmigungsverfahren spielen dabei eine wichtige Rolle. Unser Ziel muss deshalb sein, die Rahmenbedingungen so zu verbessern, dass Unternehmen gute Gründe haben, hier zu investieren und Arbeitsplätze hier zu halten.“ – Volker Verch, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Westfalen-Mitte
Wann sind Warnstreiks möglich?
Die ersten regionalen Tarifverhandlungen beginnen am 7. Oktober, unter anderem in Nordrhein-Westfalen. Die aktuellen Entgelttarifverträge laufen Ende Oktober aus. Ab dem 1. November sind Warnstreiks möglich. Ob Beschäftigte im Sauerland die Arbeit niederlegen, steht noch nicht fest.
„Ich würde mir wünschen, dass wir möglichst schnell zu einem vernünftigen und tragfähigen Ergebnis kommen. Die Positionen liegen zu Beginn der Tarifrunde erkennbar auseinander. Das gehört zu Tarifverhandlungen dazu. Entscheidend ist, dass beide Seiten konstruktiv bleiben und ihre Verantwortung für Unternehmen und Beschäftigte wahrnehmen. Eine Einigung vor Weihnachten halte ich grundsätzlich für möglich, wenn auf beiden Seiten die Bereitschaft zu einem realistischen Kompromiss besteht.“ – Volker Verch, Geschäftsführer des Unternehmensverbands Westfalen-Mitte