
Die Medebacher Maschinenbaufirma Paul Köster GmbH ist insolvent. Das hat das Unternehmen mitgeteilt. Betroffen sind rund 320 Mitarbeitende. Der Geschäftsbetrieb läuft vorerst uneingeschränkt weiter. Die Geschäftsführung habe in den vergangenen Wochen verschiedene Optionen für die weitere Aufstellung des Unternehmens geprüft und schließlich beim Amtsgericht Arnsberg Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt, heißt es in der Mitteilung. Das Gericht bestellte Herrn Rechtsanwalt Marco Kuhlmann von der Kanzlei KKN Rechtsanwälte zum vorläufigen Sachwalter. Hintergrund ist eine drohende Zahlungsunfähigkeit. Das Unternehmen handle damit frühzeitig und aus eigener Initiative.
Löhne über Insolvenzgeld vorerst gesichert
Kundenaufträge, Lieferbeziehungen und Serviceleistungen würden im Verfahren fortgeführt. Die Löhne und Gehälter der rund 320 Mitarbeitenden sind zunächst über das Insolvenzgeld der Bundesagentur für Arbeit gesichert.
Die Geschäftsführung bleibt im Amt und führt das Unternehmen durch das Verfahren. Unterstützt wird sie von den erfahrenen Restrukturierungsexperten Rechtsanwalt Dr. Frank Kebekus und Rechtsanwalt Karsten Müller-Körber von der Kanzlei KebekusPartner, die als Generalbevollmächtigte eingebunden sind.
Ziel des Verfahrens ist es, die Paul Köster GmbH wirtschaftlich zu stabilisieren und als Familienunternehmen für die Zukunft stark aufzustellen, so das Unternehmen. Im Mittelpunkt stehe die Sicherung des Standortes Medebach und möglichst vieler Arbeitsplätze. Dazu gehöre eine Weiterentwicklung des Geschäftsmodells und des Produktportfolios.
Schwierige Marktlage
Auslöser der Entwicklung sei ein deutlich verändertes Marktumfeld. Ein erheblicher und plötzlicher Auftragsrückgang, vor allem aus der Automobilindustrie, habe die wirtschaftliche Basis belastet. Hinzu kämen gestiegener Preisdruck, höhere Kosten und eine Reduzierung des Kundenkreises durch eine größere Anzahl an Kundeninsolvenzen im Stammkundenbereich in den letzten zwei Jahren.
Trotz der aktuellen Lage stehe das Unternehmen operativ auf einer soliden Grundlage, hieß es. Über Jahrzehnte gewachsenes Know-how im Sondermaschinenbau, eine etablierte Marktposition und langjährige Kundenbeziehungen im In- und Ausland bildeten das Fundament für die Fortführung. „Wir nutzen die Eigenverwaltung früh und bewusst, um unser Familienunternehmen für die Zukunft bestmöglich in einem sich stark ändernden Markt aufzustellen. Unser Ziel ist klar: Wir wollen die Paul Köster GmbH und den Standort Medebach gemeinsam mit unserem Team voranbringen“, erklärt Christopher Köster, Geschäftsführer der Paul Köster GmbH.
Gewerkschaft überrascht
Die IG Metall ist von dieser Entwicklung überrascht worden, sagte Helmut Kreutzmann, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Olsberg im Gespräch mit Radio Sauerland. Er versuche jetzt den Betriebsrat zu erreichen, um gemeinsam zu besprechen, wie die Gewerkschaft unterstützen kann. Ziel sei es natürlich möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten, so Kreutzmann.
Über Paul Köster
Die Paul Köster GmbH mit Sitz in Medebach ist ein familiengeführtes Unternehmen des Sondermaschinenbaus mit Schwerpunkten in Dichtheitsprüfung, Montage- und Automationstechnik und beschäftigt rund 320 Mitarbeitende.