
"Wie stark die heimische Wirtschaft insgesamt getroffen wird, lässt sich noch nicht sagen. Aber die Sorgen um die allgemeine Konjunktur steigen aktuell", sagt Stefan Severin, Pressesprecher der IHK. Die Lage war ohnehin angespannt. Zuletzt zeigten Konjunkturumfragen leicht positive Erwartungen. Ob die steigenden Gas- und Rohölpreise diesen Hoffnungsschimmer wieder auslöschen, ist bislang ungewiss. Klar ist jedoch: Je länger der Krieg andauert, desto tiefer werden die Spuren in der Sauerländer Wirtschaft sein.
Auch Volker Verch vom Unternehmensverband Westfalen-Mitte warnt vor voreiligen Schlüssen. Für eine belastbare Einschätzung sei es noch zu früh. Zumindest merken die Verbraucher an den Tankstellen und auch die Sauerländer Unternehmen schon jetzt die gestiegenen Energiepreise. Grund dafür ist die Blockade auf der Straße von Hormus – eine der wichtigsten Routen für den weltweiten Ölhandel.
Besonders hart trifft es energieintensive Betriebe bei uns im Sauerland: Darunter Logistiker und Unternehmen, die Öl in der Produktion brauchen. Zudem stecke die deutsche Wirtschaft bereits im vierten Rezessionsjahr: „Wir haben in Deutschland ohnehin eine angespannte Energiekostensituation", sagt Verch. „Jede Preiserhöhung trifft unsere Unternehmen." Er fordert von der Politik, Steuern und Abgaben zu senken. Sonst, so Verch, verliere Deutschland den Anschluss an die Weltwirtschaft.
40.000 Euro Mehrkosten - pro Monat
Fabio Zacharias spürt aktuell die gestiegenen Dieselkosten. Sein Busunternehmen Zacharias Reisen aus Meschede-Freienohl tankt jeden Monat 70.000 bis 80.000 Liter Diesel. Der Preis ist um knapp 50 Cent gestiegen. Das verursacht unterm Strich 30.000 bis 40.000 Euro Mehrkosten monatlich. „Das tut mehr als weh!", sagt Zacharias.
Vorerst schluckt das Unternehmen die Kosten selbst und wartet ab. Doch sollte der Konflikt anhalten, werden die Preise für Kunden steigen. In den Vorjahren hat Zacharias Reisen stets langfristige Kraftstoffverträge abgeschlossen, um sich gegen Preisschwankungen abzusichern. 2026 nicht. Der Einkaufspreis zu Jahresbeginn war ungünstig - man entschied sich, zu warten. „Dementsprechend haben wir noch nichts gemacht und sind damit nicht gut gefahren, wie wir jetzt feststellen", räumt Fabio Zacharias ein.
1.500 Euro Mehrkosten - pro Tag
Bei der Spedition Mönig in Meschede bestimmt die Dieselpreisexplosion das Tagesgeschäft: Ein Fahrzeug im Nahverkehr fährt täglich rund 350 Kilometer. Das kostet aktuell rund 50 Euro mehr als zuvor - pro Fahrzeug, je nach Typ und Verbrauch. Die Spedition hat 30 Fahrzeuge. Pro Tag muss Spedition Mönig also Mehrkosten von mindestens 1.500 € stemmen.
Deshalb musste die Spedition den Anstieg umgehend an die Kunden weitergeben. Geschäftsführer Alexander Schulz erklärt das Problem mit den sogenannten Dieselfloatern - Klauseln, die Preisschwankungen abfedern sollen. Der Haken: Sie wirken zeitversetzt. Die heutigen Preise schlagen erst im Mai auf die Frachtpreise durch. Zu spät. Deshalb spricht Spedition Mönig jetzt wöchentlich mit seinen Kunden und legt den Zuschlag transparent fest.
Schulz stellt eine grundsätzliche Frage: „Wir müssen uns in Deutschland fragen, warum der Preisanstieg hierzulande viel extremer ausfällt als bei unseren europäischen Nachbarn. Deutschland arbeitet gerade extrem daran, dass die Unternehmen nicht mehr wettbewerbsfähig sein können."