
Gestiegene Kosten
Köln (dpa) - Der Kölner Dom wird jährlich von rund sechs Millionen Menschen besucht, die meisten davon sind Touristen. Genau diese werden für den Besuch des Innenraums ab Juli zur Kasse gebeten. Das teilte das Domkapitel auf einer Pressekonferenz mit.
Für Gottesdienstbesucher und Betende sowie Mitglieder des Zentral-Dombau-Vereins bleibt das knapp 160 Meter hohe Gotteshaus demnach aber kostenfrei. Ebenso gratis soll der Zugang zu Opferlichtern und zum stillen Gebet in bestimmten Bereichen bleiben. Touristen machen Dompropst Guido Assmann zufolge jedoch etwa 99 Prozent der Dom-Besucher aus.
Wie hoch die sogenannte «Besichtigungsgebühr für touristische Besucherinnen und Besucher» sein wird und wie Kontrollen ablaufen, wollte das Domkapitel noch nicht mitteilen. Mit der Gebühr sollen die gestiegenen Kosten unter anderem für Pflege, Schutz und den laufenden Betrieb des Doms gedeckt werden, die mittlerweile die Einnahmen seit Jahren übersteigen.
Reserven des Doms bald aufgebraucht
Bislang war der große Innenraum des Doms kostenlos, Eintritt wurde aber bereits für die Schatzkammer oder auch den Aufstieg zur Aussichtsplattform verlangt. Nun teilte das Domkapitel mit, dass seit 2019 sechs Jahre in Folge minus gemacht wurde. Über viele Jahre hätte man das noch mit Rücklagen auffangen können. «Wir sind in die Situation gekommen, dass die Reserven des Kölner Doms auf absehbare Zeit aufgebraucht sind», erklärte Domrendant Clemens van de Ven.
Eine Klausurtagung Anfang der Woche habe sich mit der Entwicklung der Wirtschaftslage des Doms befasst und ergeben, dass die gestiegenen Kosten ohne den Eintritt nicht mehr zu stemmen seien. In den kommenden Wochen soll eine Planungsphase weitere Details klären. Diskutiert werden sollen auch Aktionstage mit freiem Eintritt für bestimmte Besucher.
Weltkulturerbe mit 632 Jahren Bauzeit
Der Kölner Dom, dessen Grundstein im Jahr 1248 gelegt aber erst 632 Jahre später im Jahr 1880 vollendet wurde, gilt als eine der bedeutendsten christlichen Kirchen überhaupt und als gotisches Meisterwerk, ist ein in zahlreichen Liedern besungenes Wahrzeichen der Stadt Köln sowie Weltkulturerbe. Jährlich finden bis zu 2.000 Gottesdienste dort statt, die auch weiterhin kostenfrei bleiben.
In den vergangenen Jahren hat man dem Domkapitel zufolge bereits versucht, die Einnahmen durch verschiedene Maßnahmen zu erhöhen. So habe man beispielsweise für Konzerte, die mehr als 500 Stufen lange Turmbesteigung und die Schatzkammer Eintritt verlangt und teils Eingänge zu Randzeiten geschlossen, um Personal zu sparen. Die Maßnahmen hätten jedoch nicht ausgereicht.
Die Eintrittsgebühr für Touristen sei nun «ein Schritt, den wir als Domkapitel wohlüberlegt und im Bewusstsein unserer großen Verantwortung gehen», sagte Dompropst Guido Assmann. «Er mag manchen als Eingriff in liebgewonnene Gewohnheit erscheinen. Aber er ist alternativlos, wenn wir die Pflege, den Schutz und den laufenden Betrieb des Domes in bewährter Weise fortführen möchten.»
Besucherrückgang erwartet - und daraus entstehende Vorteile
Zwar könne es durch die Gebühr zu einem Besucherrückgang kommen, das könne sich aber positiv auf die Atmosphäre im häufig überfüllten Inneren des Doms auswirken. Der Tagesbetrieb könne so beruhigt und der Dom so wieder stärker als Gotteshaus und sakraler Raum erlebt werden.
Es handele sich zudem um einen nicht unüblichen Schritt, «der an vielen anderen Kirchen und Kathedralen ähnlicher Prominenz längst üblich ist», betont Assmann. Tatsächlich sind zwar Kirchen in Deutschland in der Regel kostenfrei, doch ähnlich berühmte Kirchen in Europa nehmen auch Eintrittsgebühren. Der Eintritt in die Sagrada Família in Barcelona beispielsweise kostet mehr als 30 Euro und auch für die berühmte Westminster Abbey in London müssen Besucher rund 35 Euro zahlen. Der Eintritt in die Hauptbereiche vom Petersdom im Vatikan oder dem Dom zu Florenz hingegen ist kostenfrei.
Mitglieder Dombau-Verein bleiben befreit
Barbara Schock-Werner, Präsidentin des Zentral-Dombau-Vereins (ZDV) verweist ebenfalls auf die in großen Kathedralen europaweit übliche Praxis. «Wir erkennen an, dass dieser Schritt notwendig geworden ist», sagt Schock-Werner laut Mitteilung. Laut ihren Angaben bleiben die ZDV-Mitglieder, die pro Jahr rund 60 Prozent der Bauerhaltungskosten tragen, von der Eintrittsgebühr befreit.

