
Die geplante Reform des Kinderbildungsgesetzes, kurz KiBiz, sorgt auch im Sauerland für wachsende Kritik. Eltern der Kindertageseinrichtung St. Vinzenz in Olsberg-Antfeld haben sich jetzt mit einem offenen Brief an die Politik gewandt. Darin warnen sie vor den möglichen Folgen der Reform für kleine Kitas im ländlichen Raum. Aus ihrer Sicht könnte der Gesetzentwurf gerade Einrichtungen wie die Kita in Antfeld massiv unter Druck setzen.
Eltern sehen Zukunft der Kita St. Vinzenz in Gefahr
Die Kita St. Vinzenz in Antfeld besteht seit 88 Jahren. In dem offenen Brief beschreiben die Eltern sie als einen Ort von Verlässlichkeit, Geborgenheit und Gemeinschaft - und als Teil der Dorfgeschichte.
Besonders die Struktur als eingruppige Einrichtung mache die Kita aus. Nach Einschätzung der Eltern droht genau dieser Charakter durch die geplante KiBiz-Reform in NRW verloren zu gehen.
Kritik: Kleine Kitas im ländlichen Raum benachteiligt
Im Mittelpunkt der Kritik stehen mehrere Punkte. Die Eltern befürchten, dass der Personalschlüssel weiterhin zu knapp ausfallen könnte und den Betreuungsalltag nicht realistisch abbilde. Außerdem sehen sie weiter große finanzielle Unsicherheiten für Träger und Einrichtungen.
Besonders kritisch bewerten sie, dass kleine Einrichtungen strukturell benachteiligt werden könnten. Das betreffe vor allem Kitas mit nur einer oder zwei Gruppen, wie sie im ländlichen Raum häufiger vorkommen. Aus Sicht der Eltern werden deren besondere Rahmenbedingungen im Gesetzentwurf nicht ausreichend berücksichtigt.
Sorge um feste Bezugspersonen und pädagogische Qualität
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft mögliche organisatorische Änderungen im Kita-Alltag. Eltern und Fachkräfte befürchten, dass es durch neue Regelungen häufiger zu wechselnden Bezugspersonen kommen könnte. Gerade für jüngere Kinder seien feste Bindungen und verlässliche Beziehungen aber besonders wichtig.
Auch der Austausch zwischen Eltern und Erzieherinnen und Erziehern könnte nach Einschätzung der Kritiker leiden. Wenn Zeitfenster enger gefasst werden, bleibe beim Bringen und Abholen womöglich weniger Raum für Gespräche. Zudem warnen die Eltern davor, dass steigende Kosten für Gebäude, Energie und Instandhaltung die Arbeit der Einrichtungen zusätzlich erschweren.
Unterschriften sollen in Olsberg übergeben werden
Gemeinsam mit weiteren Kitas in Olsberg haben die Eltern von St Vincenz in den letzten Wochen Unterschriften gesammelt, um für Änderungen am KiBiz zu protestieren. Diese sollen heute bei einem Treffen am Rathaus in Olsberg an Bürgermeister Patrick Potthoff übergeben werden.
Kommende Woche besucht zudem der CDU-Landtagsabgeordnete Matthias Kerkhoff den Kindergarten St. Laurentius in Elleringhausen, um mit betroffenen Eltern und Erzieherinnen ins Gespräch zu kommen.
Proteste auch in Neheim
Mit ihrer Kritik stehen die Eltern aus Olsberg nicht allein da. Bereits Anfang April hatten Erzieherinnen, Erzieher und Eltern der katholischen Kitas in Arnsberg gegen die geplante Reform demonstriert. Organisiert worden war die Aktion von katholischen Kindertageseinrichtungen und Mitarbeitervertretungen im Erzbistum Paderborn.
Der Protest in Neheim verlief bewusst still. Mit Plakaten, Informationstexten und Schweigen machten die Beteiligten auf ihre Sorge aufmerksam. Sie kritisieren unter anderem, dass Erfahrungen aus der Praxis und wissenschaftliche Erkenntnisse zur kindlichen Entwicklung im politischen Verfahren bislang nicht ausreichend berücksichtigt würden.
Familienministerin kündigt Änderungen an
Die Debatte um die KiBiz-Reform in NRW hat inzwischen auch den Landtag erreicht. Bei einer Fachanhörung diskutierten Politikerinnen und Politiker gemeinsam mit Expertinnen und Experten aus Bildung, Erziehung, Trägerverbänden und Gewerkschaften am Donnerstag über den Entwurf.
NRW-Familienministerin Verena Schäffer hatte zuletzt bereits auf die Kritik reagiert und Änderungen angekündigt. Unter anderem sollen ausgeweitete Kernzeiten sicherstellen, dass in bestimmten Zeiträumen ausgebildetes Fachpersonal vor Ort ist.