
Jagdrecht für den Wolf
Wolfssichtungen und Rissfunde nehmen bei uns im Sauerland zu. Morgen muss der Bundesrat noch zustimmen, dass der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird. Wölfe dürften dann zukünftig unter bestimmten Voraussetzungen leichter erlegt werden. Jäger sind dafür, Landwirte sehen darin einen gewissen Schutz für ihre Weidetiere und Naturschützer sind klar dagegen.
Veröffentlicht: Donnerstag, 26.03.2026 05:02
Die Zahl der Wölfe in Europa hat sich innerhalb von zehn Jahren nahezu verdoppelt. Expertenschätzungen gehen aktuell von rund 20.000 Tieren aus. In NRW gibt es bis zu sieben Wolfsgebiete und schätzungsweise bis zu vier Wolfsrudel. Auch bei uns im Sauerland werden immer mehr Wölfe und Rissfunde gesichtet. Insbesondere Schmallenberg, Winterberg, Hallenberg und Medebach sind davon betroffen. Der Bundesrat muss morgen noch zustimmen, dass der Wolf ins Jagdrecht aufgenommen wird. Damit wäre er allerdings nicht automatisch im Landesjagdgesetz von NRW.
„Jede Wildart sollte ähnlich behandelt werden“
Die Präsidentin des Landesjagd-Verbandes, Nicole Heitzig aus Brilon, sagt zu der möglichen Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht „Jede Wildart sollte ähnlich behandelt werden“. Dazu gehöre auch, dass sie vernünftig gehegt und gejagt wird. Sie ist für die Aufnahme des Wolfes ins Bundesjagdrecht. In NRW sieht sie aktuell aber keine akute Problematik. Das liege unter anderem auch an der kleinen Population in NRW, so Heitzig. Außerdem ist sie der Meinung, dass erst einmal ein gründliches Wolfsmonitoring nötig ist. Das heißt, es müsste genau geschaut werden, wie viele Wölfe eigentlich in NRW unterwegs sind. Die Präsident des Landesjagd-Verbandes hört aktuell aber von vielen Wolfssichtungen bei uns im Hochsauerlandkreis, vor allem in Hallenberg und Medebach.
Tatsächlich gehen die meisten Jäger da sehr diskret mit um, weil sie da auch keinen Hype auslösen wollen. Leider zieht das auch häufig Leute nach sich, die dann unbedingt Wölfe sehen wollen, fotografieren wollen und denen dann nachstellen.
Die Vereinigung der Rotwildjäger im Rothaargebirge Nord e.V. spricht von deutlich mehr Wolfssichtungen und Rissfunden insbesondere im Raum Bödefeld, Winterberg und Hallenberg. Landwirte, Jäger und Anwohner berichten übereinstimmend von einer spürbaren Veränderung, so die Vereinigung.
Würde der Wolf das Ende der Weidekühe bedeuten?
Gerade die Landwirte bei uns im Sauerland sehen den Schutz ihrer Weidetiere im Vordergrund. Sie sorgen sich um ihre Sicherheit. Michael Alterauge ist Sprecher der Milchviehbauern im Sauerland.
Wenn der Wolf nicht intensiv bejagt werden kann, werden die Tiere oft nicht mehr auf den Weiden gehalten werden können.
Der Grund: die große Angst, dass sie von einem Wolf attackiert werden könnten. Michael Alterauge spricht mit vielen Landwirten aus dem Sauerland, die psychisch am Ende sind, weil sie ihre gerissenen Tiere von der Weide ziehen müssen. Außerdem würde der Wolf dadurch teilweise Lebenswerke zerstören. Seiner Meinung nach müssten Problemwölfe ganz klar erlegt werden dürfen.
Kritik von Naturschützern
Naturschützer bei uns aus dem Sauerland sind gegen die geplante Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht. Die Arnsberger Ortsgruppe des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland fordert einen flächendeckenden Herdenschutz. Der beinhaltet zum Beispiel Zäune oder Herdenschutzhunde. Außerdem wären sie für eine bessere Betreuung der Landwirte, auch auf psychologischer Ebene. Das sagt Birgit Jakubzik von der Arnsberger Ortsgruppe:
Dann medizinisch für die Tiere, aber dann auch für die Landwirte psychologisch, wenn die dann auch traumatisiert sein sollten, was natürlich auch wirklich schlimm ist, wenn man seine Tiere so verendet auf der Wiese sieht.
Sie ist der Meinung, dass die Bejagung des Wolfes nicht den Herdenschutz ersetze.
Fälle 2026 bei uns im HSK
Das Landesamt für Umwelt, Natur und Klima (LANUK) betreibt ein Wolfsmonitoring. Darauf werden alle gemeldeten Wolfssichtungen und Rissfunde abgebildet, allerdings nur die Nachgewiesenen. Aktuell ist für den HSK in diesem Jahr eine Wolfssichtung am 25. Januar in Schmallenberg gemeldet worden. Außerdem konnte ein Rissfund am 4. Februar in Schmallenberg-Bödefeld nachgewiesen werden. Dabei ging es um ein Muffelwild.
Die Vereinigung der Rotwildjäger im Rothaargebirge Nord e.V. berichtet von einem weiteren Rissfund im Stadtgebiet Hallenberg Anfang Februar. Der sei unmittelbar neben einer Winternotfütterung entdeckt worden. Die zuständigen Wolfsbeauftragten des LANUK waren vor Ort und entsprechende Proben sind entnommen worden. Ein endgültiges Ergebnis liegt aktuell noch nicht vor.
Zustimmung durch den Bundesrat
Der Bundestag hat Anfang März einen erleichterten Abschuss von Wölfen beschlossen. Der Bundesrat muss morgen (Freitag) noch zustimmen bevor die Neuregelung in Kraft treten kann. Durch das veränderte Gesetz, würde der Wolf als Tierart ins Jagdgesetz aufgenommen werden, die grundsätzlich bejagt werden darf. Problemwölfe sollen so zukünftig leichter erlegt werden, aber auch Wölfe aus einer großen und gesunden Wolfspopulation. Der Hintergrund: die Größe des Rudels soll so kontrolliert werden.
Als Jagdzeit ist dann der Zeitraum vom 1. Juli bis 31. Oktober vorgesehen. Wenn ein Wolf Weidetiere getötet oder verletzt hat, darf er sogar unabhängig von Erhaltungszustand und Jagdzeit geschossen werden.
Wenn der Bundesrat am Freitag zustimmt, ist der Wolf aber nicht automatisch bei uns im Landesjagdgesetz verankert. Bis Wölfe in NRW gejagt werden dürfen, wird es also noch dauern, vermuten Jäger und Landwirte bei uns aus dem Sauerland.