
Steigende Energie- und Materialpreise, längere Lieferzeiten, unsichere Kalkulationen und eine spürbare Zurückhaltung bei Kundenaufträgen setzen die Unternehmen bei uns zunehmend unter Druck. Das geht aus einer aktuellen Umfrage der Handwerkskammer Südwestfalen unter 352 südwestfälischen Betrieben hervor. Mehr als die Hälfte der befragten Betriebe, 53 Prozent, gibt an, deutliche Auswirkungen der aktuellen Lage zu spüren. Weitere 30 Prozent berichten von leichten Auswirkungen.
Nur ein kleiner Teil der Unternehmen sieht sich kaum oder gar nicht betroffen. „Die Ergebnisse dieser Umfrage sind ein deutliches Warnsignal“, so Hendrik Schmitt, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Südwestfalen. „Internationale Krisen sind
für unsere Betriebe längst keine abstrakten Nachrichten mehr. Wer heute ein Angebot schreibt, weiß oft nicht, ob Materialpreise, Energiekosten oder Liefertermine morgen noch Bestand haben. Diese Unsicherheit bremst Investitionen, erschwert Planung und
belastet die Betriebe erheblich.“, so Schmitt weiter.
In der Umfrage der Handwerkskammer konnten heimische Unternehmen auch angeben, welche Themen den Betrieb aktuell am meisten belasten. Das Ergebnis: Viele Unternehmen aus unserer Region sehen sich gleichzeitig mit steigenden Kosten, unsicheren Lieferketten, höheren Personalaufwendungen und einer vorsichtigeren Nachfrage konfrontiert. Hinzu kommt eine wachsende Kritik an der politischen Lage und an aus Sicht vieler Unternehmen unzureichender Unterstützung. Besonders Betriebe aus rohstoff- und energieintensiven Gewerken fühlen sich mehrfach belastet, so die Umfrage.
Probleme in vielen Branchen
Besonders stark betroffen sind unter anderem Elektrotechniker, Kraftfahrzeugtechniker, Maler und Lackierer sowie Tischler. Diese Gewerke berichten überdurchschnittlich häufig von steigenden Energiepreisen, Lieferverzögerungen und Schwierigkeiten bei
der Beschaffung bestimmter Produkte. Auch Installateure, Heizungsbauer und Straßenbauer sehen sich vor allem mit steigenden Materialpreisen und einer zunehmenden Zurückhaltung bei Kundenaufträgen konfrontiert, so die Handwerkskammer. Die Unsicherheit bei Kalkulation und Angebotserstellung nimmt deutlich zu, berichten einige Bauhandwerkbetriebe.
Lieferengpässe und längere Lieferzeiten
Ein zentrales Problem bleiben laut Umfrage Lieferengpässe bei wichtigen Materialien, Waren und Leistungen. Besonders häufig genannt wurden Dämmstoffe und Wärmedämmmaterialien wie EPS, PIR und PU, Kunststoffe einschließlich Kunststoffrohren,
Metalle wie Aluminium, Stahl und Kupfer sowie Baumaterialien wie Bitumen und Dachbaustoffe. Auch Motoröle und Kraftstoffe zählen zu den betroffenen Bereichen. Viele dieser Produkte sind rohstoff- und energieintensiv – und damit besonders anfällig
für internationale Krisen, Preisbewegungen und Störungen in Lieferketten, so die Handwerkskammer. 53,7 Prozent der Betriebe erleben außerdem verlängerte Lieferzeiten. Weitere Unternehmen rechnen mit zusätzlichen Problemen in den kommenden Wochen und Monaten. Für viele Betriebe bedeute das nicht nur organisatorischen Mehraufwand, sondern auch ein erhöhtes wirtschaftliches Risiko, heißt es.
Kosten steigen
Die Preisentwicklung stellt die Betriebe zusätzlich vor große Herausforderungen. 73,7 Prozent der befragten Unternehmen berichten von deutlichen Preissteigerungen bei Energie, Kraftstoffen, Materialien oder Vorprodukten. Weitere 22 Prozent verzeichnen
leichte Preissteigerungen. Die genannten Kostensteigerungen bewegen sich vielfach zwischen fünf und mehr als 20 Prozent. Gleichzeitig gelingt es den Betrieben nur begrenzt, diese Mehrkosten an ihre Kundinnen und Kunden weiterzugeben. Lediglich
11,9 Prozent geben an, die gestiegenen Kosten weitgehend weiterreichen zu können. 48 Prozent schaffen dies nur teilweise, 38,9 Prozent kaum oder gar nicht.