
Fachleute des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) haben 2025 Ausgrabungen auf der Wallburg Bruchhauser Steine (Hochsauerlandkreis) durchgeführt. Die Ergebnisse liegen jetzt vor: Sorgsam formierte eiserne Beilklingen und speziell abgebauter Quarz lassen auf Kulthandlungen der Eisenzeit vor über 2.000 Jahren schließen, heißt es. LWL-Chefarchäologin Dr. Sandra Peternek: "Die Situation auf dem Feldstein ist außergewöhnlich und lässt erstmals eindeutig erkennen, dass die Felsen der Bruchhauser Steine im religiösen Verständnis der Eisenzeit eine wichtige Rolle gespielt haben." "Die Bruchhauser Steine bei Olsberg-Bruchhausen sind nicht nur Nordrhein-Westfalens erstes Nationales Naturmonument und ein beliebtes Wanderziel, sondern auch ein Bodendenkmal von überregionaler Bedeutung", so Grabungsleiter Dr. Manuel Zeiler von der LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Olpe.
Während der Eisenzeit, d.h. zwischen dem 5. und 3. Jahrhundert v. Chr., wurden die weithin sichtbaren Felsen mit Befestigungsanlagen eingefasst. Warum die Menschen dieser Zeit den Berg so gesichert haben, blieb Forschenden lange unbekannt. Die vier großen Porphyrfelsen sind bis heute eine kilometerweit sichtbare Landmarke und könnten im religiösen Verständnis der Zeit eine wichtige Rolle gespielt haben. Schon ein 2013 gefundenes Armring-Fragment sowie eine absichtlich beschädigte Lanzenspitze, die auf dem Bodendenkmal während der Eisenzeit platziert wurden, legten diesen Verdacht nahe.
Neueste archäologische Maßnahmen erbrachten jetzt einen weiteren außergewöhnlichen Befund: Im Oberboden auf einer Klippe des Feldsteins fand Heimatforscher Matthias Dickhaus zwei eiserne Beile, deren Klingen im rechten Winkel zueinander ausgerichtet waren. Als beauftragter Sondengänger zog er umgehend die LWL-Archäologie hinzu, heißt es.
Unter den Beilen stießen die LWL-Archäolog:innen auf eine verfüllte Grube im Gestein. Zeiler: "Diese Grube entstand dadurch, dass hier oben auf dem Felsen Quarz abgebaut wurde, der im Ausgangsgestein eingeschlossen ist. Der Quarz wurde noch vor Ort auf einer Steinplatte und mit einem sogenannten Pochstein bis auf wenige Millimeter Durchmesser zerstoßen und zermahlen. Zum Schluss wurde die Grube wieder verfüllt - samt Steinplatte und Pochstein."
Zeiler schließt daraus: "Wir fassen hier rituelle Handlungen auf einem der exponiertesten Felsen der Landmarke: Die Menschen bauten Quarz ab, zerkleinerten ihn und abschließend musste die "Wunde im Berg" wieder verschlossen werden." Die Niederlegung zweier Beile auf der Erdoberfläche habe das Ritual feierlich beendet, so Zeiler weiter.
Der Befund ist auch deshalb außergewöhnlich, weil Quarz viel leichter am Fuße des Felsens hätte abgebaut werden können. Daher halten die Forschenden besonders eine Theorie für wahrscheinlich: "Es ist möglich, dass speziell der Quarz von diesem erhöhten Ort nahe der Anderswelt für die Menschen der Eisenzeit von großer Bedeutung war," so Zeiler. Die Anderswelt, ein Begriff aus der keltischen Mythologie, bezeichnet den jenseitigen Raum von Göttern oder Geistern.
Quarz wurde in der Eisenzeit häufig dem Ton handgetöpferter Gefäße beigemengt. Zeiler: "Denkbar ist, dass der Quarz vom Feldstein Bestandteil besonderer, vielleicht ritueller Gefäße war."
Ausstellung der Funde
"Die Vermittlung der neuen archäologischen Erkenntnisse ist ein großes Anliegen der Stiftung Bruchhauser Steine", so Nadja de Pierpont-Freifrau von Fürstenberg, Vorsitzende der Stiftung, die sich um die Erhaltung und Pflege des Nationalen Naturmonuments kümmert. "Mit einer neuen Vitrine, die eine Auswahl der Funde der neuesten Ausgrabung zeigt, können wir die aktuelle Forschung präsentieren und das kulturelle Erbe in unsere museale Darstellung zur Geologie und Natur einbetten." Die neue Vitrine präsentiert die Steinplatte, den Pochstein zum Zerkleinern des Quarzes und zerkleinerten Quarz.
Die beiden Beile werden aus konservatorischen Gründen als Repliken zu sehen sein. "Wir sind stolz, dass wir nicht nur eine der außergewöhnlichsten Wallburgen Nordrhein-Westfalens bewahren und der Öffentlichkeit zugänglich machen, sondern, dass immer neue archäologische Puzzleteile unser Bild von der Vergangenheit langsam aufklären", so Freifrau von Fürstenberg.
