
2021 kam es nach extremem Starkregen in der Nacht vom 14. auf den 15. Juli zu der verheerenden Flut im Ahrtal. Dabei kamen allein in NRW 49 Menschen ums Leben. Insgesamt beläuft sich die Opferzahl in Rheinland-Pfalz, NRW und in der belgischen Wallonie auf 224 Menschen. Seitdem hat sich beim Katastrophenschutz auch bei uns im Sauerland viel getan. Kreis und Kommunen haben viel Geld investiert, um auf Extremwetterlagen besser vorbereitet zu sein. In Schmallenberg wurden im November zum Beispiel Notfallinfopunkte und Notfall-Leuchttürme eingeführt. Sie sollen helfen, wenn bei Katastrophen Strom, Telefon oder Internet ausfallen. Notfallinfopunkte sind Feuerwehrgerätehäuser, die als Anlaufstellen dienen, zum Beispiel in Fleckenberg oder Dorlar.
Notstromaggregate, Energie-Rollcontainer – Der Kreis rüstet auf
Der Hochsauerlandkreis will besser auf Krisen vorbereitet sein. "Wir sind uns unserer Verantwortung bewusst und investieren zum Schutze der Bevölkerung in modernste Technik", erklärt Thomas Grosche, Landrat des Hochsauerlandkreises. Der Kreis hat im Februar zwölf neue Rollcontainer für die Energieversorgung angeschafft. Sie kommen dezentral zum Einsatz und können Notunterkünfte, kritische Infrastruktur und andere Einrichtungen mit Strom versorgen. Die kompakten Wagen enthalten moderne Aggregate, Kraftstoff, Licht und Kabeltrommeln.
Als Reaktion auf einen mehrstündigen Stromausfall in Marsberg, hatte der Hochsauerlandkreis bereits 2024 mehrere neue Notstromaggregate angeschafft. Die Stromanhänger sind mit zusätzlichen Flutlichtmasten ausgestattet, die zum Ausleuchten größerer Einsatzstellen genutzt werden können. Die Geräte sind bei den freiwilligen Feuerwehren in Brilon, Eslohe und Winterberg stationiert. Sie sollen im Ernstfall Tankstellen überbrücken können. Der Hochsauerlandkreis hat vor rund zwei Jahren außerdem Satellitentelefone für seinen Krisenstab und die Städte und Gemeinden angeschafft.
Ebenfalls 2024 hat der Kreis für rund 273.000 Euro ein neues Wechselladerfahrzeug angeschafft, damit werden die Städte und Gemeinden z.B. bei der Brandbekämpfung unterstützt, auch der Einsatz bei Hochwasser und Unwetterlagen ist möglich.
Hochwasser im Sauerland
Rund um das Weihnachtsfest vor drei Jahren war unser Sauerland zuletzt stark von Hochwasser betroffen. Dauerregen hatte für steigende Flusspegel und Überschwemmungen gesorgt. Vor allem am 23.12 und an Heiligabend waren das THW und die Feuerwehren bei uns mit dem Hochwasser beschäftigt. Bis zu 100 Liter pro Quadratmeter kamen im Sauerland runter. Die meisten Einsätze der Feuerwehr liefen in Arnsberg, dort mussten die Feuerwehren 34 Mal ausrücken. Dabei ging es meistens um vollgelaufene Keller. Durch den Dauerregen hatten sich kleine Bäche in reißende Flüsse verwandelt. Der Bach "Wilde Aar" in Medebach-Oberschledorn war im Bereich der Petrus-Cramer-Straße über die Ufer getreten und hatte das Kellergeschoss mehrerer Häuser geflutet. Dabei wurden auch Kabelverteiler überschwemmt, was für einen Stromausfall in insgesamt 18 Häusern gesorgt hat. Außerdem musste die Feuerwehr noch eine Familie aus einem Haus evakuieren. Insgesamt waren allein in Medebach über 200 Einsatzkräfte der Feuerwehr im Einsatz. Am wenigsten betroffen vom Hochwasser waren die Sauerländer Kommunen Eslohe, Sundern, Hallenberg und Schmallenberg. Hier musste die Feuerwehr insgesamt 28 Mal ausrücken. Über die gesamten Feiertage gab es 207 Einsätze im gesamten Sauerland.
Wie hochwassergefährdet ist mein Haus?
Bereits seit über einem Jahr gibt es eine Hochwasserschutz-App für Haushalte in NRW. Das NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung und das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr haben die App mit dem Namen Starkregen- und Hochwasserschutz-App „H2OCH Wasser App/für’s Haus“ ins Leben gerufen. Sie ist auch als mobile Version für das Smartphone verfügbar. Mithilfe der Risikoerkennung kann schnell und einfach ermittelt werden, wie sicher das eigene Zuhause vor Überflutung, Starkregen oder Hochwasser ist. Die Risikoermittlung für das eigene Zuhause steht für alle Kommunen in Nordrhein-Westfalen zur Verfügung. Nach Eingabe und Bestätigung der Adresse lassen sich verschiedene Varianten, von einem extremen bis zu einem außergewöhnlichen Starkregenereignis, sowie unterschiedliche Hochwassersituationen durchspielen. Angezeigt wird schematisch nicht nur, welche Flächen überflutet würden, sondern auch, wie hoch das Wasser an dieser Adresse stehen würde. Hier der Link zu der App. https://www.hochwasser-app.nrw/check
Innenminister Reul über den Katastrophenschutz in NRW
Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe sieht Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) eine Entwicklung im Katastrophenschutz des Landes. «Wir haben aus den Erfahrungen bei dieser Flutkatastrophe und den Erwartungen, noch besser werden zu wollen, gelernt», sagte Reul in einem dpa-Interview in Düsseldorf. Das Land NRW hat zahlreiche Maßnahmen getroffen, um den Katastrophenschutz leistungsfähiger zu machen, so Reul. Unter anderem wurden Fahrzeuge und Geräte wie Notstromaggregate, Boote zur Strömungsrettung und mobile Schutzdämme angeschafft. Einige Fahrzeuge wurden dabei speziell für den Einsatz in NRW konzipiert. «Ich bin sicher, dass wir auf dem richtigen Weg sind, aber fertig sind wir noch lange nicht», sagte Reul. Von 2024 an bis 2032 will das Land Nordrhein-Westfalen insgesamt 225 Millionen Euro in die Beschaffung von Fahrzeugen und in die Ausstattung für den Brand- und Katastrophenschutz investieren, wie das Innenministerium der dpa mitteilte.

