
Der Reformplan des Verkehrsministeriums zur Führerscheinausbildung stößt bei den Fahrlehrern in der Region auf breiten Widerstand. 83 Prozent der Fahrschulen lehnen die Reformpläne von Verkehrsminister Schnieder ab. Das hat der Branchenverband MOVING International Road Safety Association in einer Umfrage ermittelt. Schnieder will den Führerschein günstiger machen, das wollen auch die organisierten Fahrschulen und ihre Verbände. Allerdings seien die Meinungen darüber, wie dieses Ziel erreicht werden soll, grundverschieden, heißt es dazu vom Fahrlehrerverband Westfalen.
Schwierige Themen in Präsenz besser lernbar
Besonders massiv ist die Ablehnung in einem Punkt: Dem Wegfall der Verpflichtung zum Präsenzunterricht im Theorieunterricht. Das würde einen radikalen Einschnitt in die Branche bedeuten – mit ungewissen Folgen. Betroffen wäre nicht nur die allgemeine Verkehrssicherheit, sondern auch die knapp über 10.000 Fahrschulen in Deutschland. Das sagt auch der Mescheder Fahrlehrer Thomas Schnier von der Fahrschule Schnier+Voss:
„Besonders bei schwierigen Themen wie Vorfahrtsregeln merkt man erst in Präsenz, ob der Schüler es wirklich verstanden hat oder nicht und kann 1 zu 1 auch viel besser vermitteln.“
Andernfalls brauche der Fahrschüler mehr Fahrstunden, bis er es verstanden hat und dadurch steigen wieder die Kosten - was man ja eigentlich vermeiden wolle. Auch die Durchfallquote könnte dann steigen, da man Sicherheit im Straßenverkehr nicht digitalisieren, sondern nur in Präsenz vermitteln könne.
Hoffnung auf günstigeren Führerschein trügerisch?
Bereits bevor die Reform Gestalt annimmt, kämpfen Fahrschulen nach Verbandsangaben im täglichen Betrieb mit ihren Auswirkungen. Die Zurückhaltung der Menschen sei bereits spürbar. Viele Jugendliche zögerten derzeit eine Fahrschule zu besuchen, in der Hoffnung, die Fahrausbildung würde günstiger werden. Diese Hoffnung sei aus mehreren Gründen trügerisch. Erstens, weil die Reform Monate, wenn nicht Jahre dauern wird. Zweitens, weil sich auf lange Sicht der gesamte Fahrschulmarkt verändern werde. Die Reform ebne den Weg für waghalsige Geschäftsmodelle. Dass die Anmeldezahlen sinken, merkt Schnier dagegen derzeit nur leicht. Er führt das auf die besonderen Gegebenheiten im Sauerland zurück:
„Jugendliche sind bei uns auf dem Land eher auf den Führerschein angewiesen sind - in Städten sinken die Anmeldungen drastischer als hier.“
Empfehlung: Anmelden statt warten
Er rät davon ab, mit der Anmeldung zum Führerschein zu warten, weil nicht klar sei, ob und wann die Reform kommt und ob der Führerschein dadurch wirklich günstiger wird. Außerdem könnten die Fahrschulen dann später deutlich überlaufen sein, sodass Fahrschulen den Andrang nicht bewältigen und nicht alle Schüler adäquat bedienen könnten.
"Dass der Führerschein wirklich günstiger wird, ist eine Traumvorstellung", sagt Schnier.
Dass er so teuer sei, liege an den teuren Fahrstunden und daran, dass die Schüler heutzutage sehr viele davon brauchen, bis sie es zur Prüfung schaffen. Wenn das Verkehrsministerium die Reform tatsächlich umsetzt, will Schnier + Voss an seinem Konzept festhalten und trotzdem weiterhin Präsenzunterricht anbieten.