
Das Handwerk im Sauerland steht wirtschaftlich weiter unter Druck. Die aktuelle Frühjahr-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Südwestfalen unter 800 Betrieben zeigt deutlich: Die Stimmung hat sich spürbar verschlechtert. Erstmals seit mehr als zehn Jahren bewerten mehr Betriebe ihre Geschäftslage nur noch als „befriedigend“ statt als „gut“. 41 Prozent der befragten Betriebe schätzen ihre Geschäftslage als gut ein, 42 Prozent als befriedigend, und 17 Prozent berichten von einer schlechten Geschäftslage. Hauptgeschäftsführer Hendrik Schmitt fasst die aktuelle Situation folgendermaßen zusammen: „Das Handwerk in Südwestfalen hält den Kopf noch gerade so über Wasser. Wenn die Kosten für Kredite, Material und Energie auf dem aktuell hohen Niveau bleiben oder steigen, spitzt sich die Lage weiter zu.“
Die wirtschaftliche Belastung sei in vielen Betrieben deutlich zu spüren: Die Betriebe arbeiten in einem schwierigen Umfeld, in dem die finanziellen Spielräume kleiner werden. Viele Unternehmen können Kostensteigerungen nur begrenzt weitergeben und müssen deshalb genauer kalkulieren. Das drückt auf die Stimmung und sorgt dafür, dass viele Betriebe vorsichtiger in die Zukunft blicken.
Weitere Ergebnisse der Frühjahrs-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer
Umsatzentwicklung
Auch beim Umsatz macht sich die verhaltene wirtschaftliche Entwicklung bemerkbar. In vielen Betrieben läuft das Geschäft nicht mehr so dynamisch wie in den Vorjahren. Kundinnen und Kunden achten stärker auf Preise, vergleichen Angebote intensiver und entscheiden sich später. Das führt dazu, dass Umsätze langsamer wachsen oder teilweise sogar zurückgehen. Gerade bei größeren oder langfristigen Projekten wird häufiger gezögert, weil auf Kundenseite Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung herrscht.
Auftragslage
Die Auftragslage bleibt ein zentrales Thema. Neue Aufträge gehen vielerorts zögerlicher ein als früher. Besonders bei größeren Vorhaben ist die Zurückhaltung spürbar. Viele Verbraucherinnen und Verbraucher, aber auch Unternehmen, verschieben Projekte, weil Finanzierung, Material und Energie weiterhin teuer sind. Das sorgt dafür, dass die Auftragsbücher in manchen Bereichen nicht mehr so gut gefüllt sind wie noch vor einiger Zeit. Für die Betriebe bedeutet das eine unsicherere Planungsgrundlage. Besonders angespannt ist die Lage im Bauhauptgewerbe. Nur noch 36 Prozent der Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als gut – der niedrigste „gut“-Anteil der letzten Jahre. Nahezu ein Drittel (30 Prozent) verzeichnet Auftragsverluste. Gleichzeitig sieht sich jeder zweite Betrieb gezwungen, die Preise zu erhöhen (Herbst 2025: 35 Prozent). Schmitt: „Die Kombination aus hohen Material- und Energiekosten zwingt die Betriebe dazu, die gestiegenen Kosten weiterzugeben. Die Belastungen können nicht mehr abgefedert werden.“
Auch im KFZ-Gewerbe ist die Lage schwierig. Die Werkstätten verzeichnen Umsatzrückgange. Teilweise wüssten die Betriebe Anfang des Monats noch nicht, ob sie am Ende des Monats noch ausgelastet sind. Wegen steigender Kosten für Ersatzteile und höherer Betriebskosten mussten viele ihre Preise erhöhen.
Differenzierteres Bild im Ausbaugewerbe:
Fast die Hälfte der Betriebe bewertet die Lage als gut (46 Prozent; Herbst 2025: 42 Prozent), 70 Prozent berichten von hoher Kapazitätsauslastung – Spitzenwert im südwestfälischen Handwerk. „Zu beobachten ist eine Verschiebung. Weg vom Neubau und hin zur Modernisierung und zum Erhalt bestehender Gebäude“, so Schmitt. Dennoch überwiegen bei den Umsätzen die Rückgänge gegenüber den Zuwächsen (31 Prozent Rückgänge, 21 Prozent Zuwächse).
Investitionen
Die schwierige Lage wirkt sich auch auf die Investitionsbereitschaft aus. Viele Handwerksbetriebe verschieben geplante Anschaffungen, etwa bei Maschinen, Fahrzeugen oder technischer Ausstattung. Häufig wird nur noch investiert, wenn es unbedingt nötig ist. Der Hauptgrund dafür sind die hohen Kreditkosten und die unsicheren wirtschaftlichen Aussichten. Wer heute investiert, muss sehr genau abwägen, ob sich die Ausgaben schnell genug rechnen. Das bremst die Modernisierung in vielen Betrieben.
Kostenbelastung
Ein besonders großes Problem bleibt der hohe Kostendruck. Materialpreise, Energieausgaben und Finanzierungskosten belasten die Unternehmen gleichzeitig. Dadurch wird es für viele Betriebe schwieriger, wirtschaftlich stabil zu arbeiten. Selbst bei guter Auslastung bleibt am Ende oft weniger übrig, weil ein größerer Teil der Einnahmen direkt in laufende Kosten fließt. Das macht deutlich, warum viele Betriebe ihre Lage nicht mehr als gut, sondern nur noch als befriedigend einschätzen.
Ausblick
Für die kommenden Monate bleibt die Lage angespannt. Sollte das hohe Niveau bei Kredit-, Material- und Energiekosten anhalten oder weiter steigen, könnte sich die Situation weiter verschärfen. Das Handwerk im Sauerland zeigt sich zwar weiterhin widerstandsfähig, doch die Belastungsgrenze vieler Betriebe ist erreicht oder zumindest in Sicht. Umso wichtiger sind verlässliche wirtschaftliche Rahmenbedingungen, damit die Unternehmen wieder mehr Planungssicherheit bekommen und neue Investitionen wagen können.