
Der Caritasverband Meschede gibt seinen Kinderhort auf: Nach gut 43 Jahren endet die Betreuung von Schulkindern am 31. Juli 2027. Betroffen sind 26 Plätze. Grund für das Aus sind nicht fehlende Nachfrage oder Zweifel an der pädagogischen Arbeit, sondern die grundlegend veränderten politischen und finanziellen Rahmenbedingungen für die Betreuung von Kindern im Grundschulalter. Das Ziel des Verbands: ein geordneter und verlässlicher Übergang für Kinder, Familien und Mitarbeitende.
Darum muss der Hort schließen
Mit der Reform des Kinderbildungsgesetzes (KiBiz) in Nordrhein-Westfalen endet die bisherige Landesfinanzierung von Hortplätzen für schulpflichtige Kinder zum 31. Juli 2029. Die Betreuung von Grundschulkindern soll künftig zunehmend über die Offene Ganztagsschule (OGS) erfolgen - im Zuge des stufenweise eingeführten Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung.
Für den Caritasverband führt diese Entwicklung schon deutlich vor 2029 zu erheblichen wirtschaftlichen und personellen Unsicherheiten. Denn es ist davon auszugehen, dass sich Eltern angesichts des absehbaren Endes der Hortfinanzierung frühzeitig für einen Platz im OGS-System entscheiden. Damit werde es immer schwieriger, die für einen wirtschaftlichen Betrieb erforderliche Auslastung des Hortes dauerhaft sicherzustellen, so der Verband. Gleichzeitig benötigen die Mitarbeitenden frühzeitig eine verlässliche berufliche Perspektive.
„Ein Stück Caritas-Geschichte endet"
Die Entscheidung wiege schwer, weil der Hort über mehr als vier Jahrzehnte weit mehr als ein reines Betreuungsangebot war, so der Caritasverband. In kleinen Gruppen werden Kinder im Alter von sechs bis 14 Jahren intensiv begleitet: gemeinsames Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung, Freizeitangebote und vor allem die individuelle Förderung und langjährige Begleitung der Familien prägen die Arbeit. Gerade Kinder, die aufgrund ihrer persönlichen oder familiären Situation eine intensivere Unterstützung brauchen, profitieren von den kleinen Gruppen und den kontinuierlichen Beziehungen zu den Fachkräften. Auch mit den Offenen Ganztagsschulen in Meschede besteht seit Jahren eine gute Zusammenarbeit - immer wieder konnten Kinder, für die eine engmaschigere Betreuung nötig war, in den Hort wechseln.
„Wir sind nach wie vor von der Qualität und der Bedeutung unseres Hortangebotes überzeugt. Gerade für Kinder, die in größeren Betreuungssystemen an ihre Grenzen kommen, kann die intensive Begleitung im Hort entscheidend für eine positive schulische und persönliche Entwicklung sein. Deshalb schmerzt es uns besonders, nach gut 43 Jahren ein Angebot schließen zu müssen, von dessen pädagogischem Wert wir weiterhin uneingeschränkt überzeugt sind", erklärt Esther Voigt, besondere Vertreterin des Vorstands des Caritasverbandes Meschede.
Erst im Sommer 2025 ist kräftig investiert worden
Noch im Sommer 2025 hatte der Verband erheblich in die Zukunft des Hortes investiert. Nachdem die bisherigen Räume in der Schützenstraße wegen einer Eigenbedarfskündigung aufgegeben werden mussten, zog die Einrichtung in das ehemalige Verwaltungsgebäude an der Steinstraße. Dort entstanden auf rund 160 Quadratmetern neue Spiel-, Aufenthalts- und Betreuungsräume sowie eine Außenfläche. Für Umzug und Herrichtung floss ein hoher fünfstelliger Betrag.
„Dass wir erst vor kurzer Zeit noch einmal erheblich in den Standort investiert haben, zeigt, dass wir den Hort erhalten wollten. Zu diesem Zeitpunkt bestand jedoch noch die Hoffnung, dass es auch über 2026 hinaus eine tragfähige Perspektive für diese besondere Betreuungsform geben würde. Mit dem nun feststehenden Auslaufen der Landesfinanzierung hat sich diese Grundlage grundlegend verändert", so Dominik Hansmeier, Vorstand des Caritasverbandes.
Betreuung läuft bis 2027 in gewohnter Qualität weiter
Für die betroffenen Familien ändert sich bis zum Sommer 2027 zunächst nichts am laufenden Betrieb: Der Caritasverband führt die Betreuung in der gewohnten Qualität fort und begleitet Familien und Mitarbeitende eng. Parallel sollen die Gespräche mit den betroffenen Schulen fortgesetzt werden, um für die verbleibenden Hortkinder möglichst gute Anschluss- und Übergangslösungen zu schaffen. Der Dank des Verbandes gilt schon jetzt den Mitarbeitenden, die den Kinderhort über Jahrzehnte mit großem persönlichem Engagement geprägt haben, sowie den vielen Familien, die der Einrichtung ihr Vertrauen geschenkt haben.