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Brilon: Treffen kommunaler Waldbesitzer

20 Prozent der Waldfläche sind bundesweit in kommunalem Besitz, im HSK sind es 45%. Im Vorfeld gibt es Kritik an der Förderpraxis des Bundes bei Aufforstungen.

Veröffentlicht: Sonntag, 20.10.2024 22:00

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Bürgermeister, Landräte und Forstexperten aus ganz Deutschland sind heute in Brilon bei der Bundestagung des Gemeinsamen Forstausschusses waldbesitzender Städte und Gemeinden in Deutschland. Der Ausschuss setzt sich zusammen aus Vertretern des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, des Deutschen Städtetages und des Deutschen Landkreistages. Es geht um den kommunalen Wald. 20 Prozent der Waldfläche sind bundesweit in kommunalem Besitz, im HSK sind es 45% der Waldfläche. Die Interessenvertretung trifft sich zweimal im Jahr zum Austausch. Zu der Veranstaltung heute hatte Brilons Bürgermeister Bartsch eingeladen. Es geht auch um ein Förderprogramm für klimaangepasstes Waldmanagement des Bundes. Es stößt auf zum Teil auf Kritik. Viele Vorgaben daraus gelten als zu teuer oder nur schwer umsetzbar.

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Förderprogramm für Waldbesitzer

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Der Zweck des im November 2022 vom Bund aufgelegten Zuwendungsprogramms „Klimaangepasstes Waldmanagement“ ist der Erhalt, die Entwicklung sowie die Bewirtschaftung von Wäldern im Klimawandel. Das Programm ist für alle Waldbesitzer. Kommunen können für die ersten 500 Hektar bis zu 100 Euro/Hektar/Jahr, für die darüber hinausgehenden Waldflächen bis zu 80 Euro/Hektar/Jahr beantragen. Dafür müssen sie sich an 12 Förderkriterien halten. Das Förderprogramm wird grundsätzlich begrüßt. Die meisten Kriterien werden als richtig und nachvollziehbar eingeschätzt. Es gibt aber auch einiges an Kritik.

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Bürokratie und Kosten als Hindernis

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In vielen Kommunen haben die politischen Gremien beschlossen, keine Förderung zu beantragen, so Experten. Zum einen, weil die Förderkriterien mit sehr viel Bürokratie und Kosten einhergehen. Zum anderen, weil die Mehraufwendungen für einzelne Maßnahmen die Fördersumme erheblich übersteigen könnten. Auch die ungewisse Fortführung des Programms über 2026 hinaus halte Kommunen derzeit von einer Inanspruchnahme ab, heißt es. Die kommunalen Forstbetriebe hoffen daher auf eine entscheidende „Nachbesserung“ der Richtlinie.


Viele Bäume müssten innerhalb von zwei Jahren kartiert und dokumentiert werden. Aus verkehrssicherungstechnischen Gründen und auch aus Forstschutzgründen wird dies eher kritisch gesehen. Die Ausweisung und Kartierung binde außerdem Personal. Von einem Aufwand von ca. 30 Minuten pro Baum ist die Rede. Im Stadtforstbetrieb Arnsberg wären 11.400 Habitatbäume zu kartieren, wenn man sich auf die Förderrichtlinie einließe, so der Deutsche Städte- und Gemeindebund. Das würde für die Arbeitsressourcen einen Gesamtaufwand von 3800 bis 5700 Stunden bzw. 487 bis 731 Arbeitstage bedeuten. Diese zusätzlichen Kosten für die Auswahl und Kennzeichnung der Habitatbäume würden sich für die Jahre 2023 und 2024 in Summe (bei 75 Euro/Std.) auf rund 285.000 bis 427.500 Euro beziffern.

Kritisch gesehen wird auch die Forderung, dass jeder Waldbesitzer, der über mehr als 100 Hektar Waldfläche verfügt, fünf Prozent davon stilllegen muss. Die Zweckbindung beträgt 20 Jahre. Die Waldflächen müssen aktiv aus der Bewirtschaftung genommen werden. Das schränke die Flexibilität der Bewirtschaftung vor Ort wesentlich ein und führe zum Verzicht von Einnahmen.


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Experten wünschen sich einen Mischwald

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Der Wald, der jetzt neu angepflanzt wird, ist ein Wald für die kommenden Generationen. Experten wünschen sich eine sehr gute Mischung auch im Laubwald. Sie wehren sich gegen zu starke Regularien. Es gehe beim Wald auch immer um try and error.

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