
Die Brauerei Veltins aus Meschede-Grevenstein ist mit dem Jahr 2025 zufrieden. Obwohl es für die Braubranche ein ganz schwieriges Jahr war, verbesserte Veltins im Geschäftsjahr 2025 seinen Ausstoß auf 3.369.000 hl (+0,3 %). „Gerade in einer schwierigen konjunkturellen Marktphase weiß der Verbraucher starke Marken als verlässliche Wegbegleiter zu schätzen“, sagte Dr. Volker Kuhl, Sprecher der Geschäftsführung der Brauerei, bei der Vorstellung der Geschäftszahlen. Auch beim Umsatz legte die Familienbrauerei zu und erreichte ein Ergebnis von 461 Mio. Euro (+0,4 %). Wachstum brachte die Marke Pülleken, die um 13,6 % zulegte. Auch die alkoholfreien Produkte hatten einen Zuwachs von 10,4 %, darunter fallen Alkoholfreie Biere und Fassbrausen.
Deutscher Biermarkt verliert
Der Deutsche Biermarkt hat 2025 mit rund fünf Millionen Hektolitern innerhalb eines Jahres so viel Menge verloren wie seit 75 Jahren nicht mehr, heißt es. Veltins dagegen schloss das Geschäftsjahr mit einem leichten Zugewinn deutlich über Markt- und Wettbewerbsniveau ab. „Unsere Investitionen in ein breites, verbraucherattraktives Sortiment tragen spürbare Früchte, denn die ergänzenden Marken können heute Mengeneinbußen im Stammgeschäft exzellent ausgleichen“, so Dr. Volker Kuhl. Veltins Pils erreichte dabei einen Gesamtausstoß von 2,32 Mio. hl (-1,8 %) und steuert zwei Drittel zum Gesamtabsatz bei. Der nationale Marktanteil wuchs auf 6,6 %, während er in NRW auf 14,1 % stieg und damit auf Platz zwei liegt.
Fassbiergeschäft mit 443.900 hl
Das helle Pülleken und das zugehörige Naturradler Zitrönken legten zu, heißt es. Es wurden 373.600 hl Pülleken und damit 13,6 % mehr abgesetzt. Das helle Pülleken liegt im wachsenden Sortensegment der Hellbiere auf Platz 3. In NRW ist es weiter Marktführer. „Die Hälfte aller hellen Biere zwischen Rhein und Weser geht heute als helles Pülleken zum Durst“, so Dr. Volker Kuhl. Veltins Helles Lager wurde 2024 eingeführt. Es bilanzierte mit 49.000 hl. Die Marke Grevensteiner lag bei 111.700 hl (-13,5 %). Das alkoholfreie Segment mit den Veltins Fassbrausen sowie den alkoholfreien Bieren und Radlern, wuchs auf 241.300 hl und legte damit um 10,4 % zu. Das Fassbiergeschäft erreichte 443.900 hl. „Damit sind wir angesichts der Rahmenbedingungen im Vertriebskanal von Gastronomie und Events weiter auf Kurs“, so Rainer Emig, Geschäftsführer Vertrieb der Brauerei.
Neuheiten
Die Marke V+ als Biermix steuerte im zurückliegenden Geschäftsjahr 269.500 hl (-5,5 %) zum Ergebnis bei. Es wird im Frühsommer eine neue Sorte V+ Saure Zungen Cherry geben, so Veltins heute. „Wir haben den Anspruch, mit V+ gerade bei den Verwendern der jungen Erwachsenen neue, einprägsame Geschmackserlebnisse zu schaffen – das gehört zur DNA von V+ dazu.“ Als weiteres Produkt kommt 2026 das Pülleken als alkoholfreie Variante hinzu. Überdies sind saisonale Fassbrause-Sorten in Vorbereitung. Seit Jahresbeginn ist die Marke Karamalz vollumfänglich in die Produktions- und Vertriebsabläufe integriert, sodass die gesamte Produktpalette ab Rampe Grevenstein verfügbar ist. „Wir halten die Taktzahl von Produkteinführungen hoch, führen jedes Produkt aber mit Augenmaß in den Markt ein“, so Emig.
92 % aller Gebinde sind Mehrweg-Produkte
„Mit Weitsicht und Beharrlichkeit gelang es dank zunehmender Innovationskraft und Marktdurchdringung, die Konsum- und Branchenveränderungen in Handel und Gastronomie mitzugestalten“, so Dr. Volker Kuhl. Rund 92 % aller Gebinde wurden in Mehrweggebinden bereitgestellt. Im Gebindemix liegen der Flaschenanteil bei 79,2 %, der Fassbieranteil bei 13,2 % und der Dosenanteil bei 7,6 %. Veltins konnte seinen Bierausstoß seit Beginn des Jahrzehnts um etwa 25 % steigern, während der deutsche Biermarkt im selben Zeitraum nahezu 11 % verlor. Die Zahl der Beschäftigten erhöhte sich seit Jahrzehntbeginn um 64 Arbeitskräfte auf 754.
Brauwirtschaft vor Herausforderungen
Während Veltins gut da steht, sieht es auf dem Biermarkt anders aus, so Veltins. Die Gastronomie habe deutlich weniger Bier verkauft als noch im Jahr zuvor. Der Handel litt weiter unter dem Sparbemühen der privaten Haushalte. „Die Volumenverluste sind mit rund fünf Millionen Hektolitern für Deutschlands Brauereien eine schwere Last“, urteilte Dr. Volker Kuhl. „Für viele Betriebe wird sich in naher Zukunft leider die Existenzfrage stellen. Die geringer werdenden Verkaufsmengen bei einem unverändert herausfordernden Kostenniveau werden vielerorts den Marktaustritt bedeuten.“ Das zurückliegende Geschäftsjahr mit einer wachsenden Anzahl von Betriebsaufgaben sieht Dr. Kuhl erst als Anfang eines tiefgreifenden Strukturprozesses der Brauwirtschaft.
Mit einem Ausstoß von 113.000 hl blieb die Präsenz der Brauerei Veltins in den Auslandsmärkten stabil. Wenngleich die Brauwirtschaft unter den krisenhaften Umsatzrückgängen in der Gastronomie deutlich zu leiden hätte, setze die Privatbrauerei unverändert auf das traditionelle Geschäftsfeld. „Erfreulicherweise zeigen immer mehr Existenzgründer den Mut zum Aufbruch, um sich mit neuen Konzepten selbstständig zu machen. Die Chancen sind in diesen Jahren günstig, weil durch viele Betriebsaufgaben und mangels Nachfolger Standorte zur Verfügung stehen, an die vor einigen Jahren nicht zu denken war“, so Rainer Emig. „Die Gastronomie, die wir im nächsten Jahrzehnt erleben, wird eine andere sein als heute.“
Investitionen
Nach dem Abschluss der 400-Millionen-Euro-Investitionsoffensive ging es 2025 mit ergänzenden Investitionen in Höhe von 51 Mio. Euro am Stammsitz Grevenstein weiter, so Veltins. Mit Blick auf die zweite Hälfte des Jahrzehnts seien weitere Aufwendungen nötig, um die energetische Transformation zu beschleunigen. Die Hinwendung zu regenerativen Energien werde allein an Aufbaukosten für eine Windradinfrastruktur rund 60 Mio. Euro erfordern. Dort sei man soweit, dass die Genehmigungen vorlägen und mit den Planungen begonnen werden könne.