
Jüngere und ältere Menschen gehören zu den Verlierern, wenn es ums Wohnen geht: „Etliche der rund 5.530 Azubis im Hochsauerlandkreis wohnen noch bei ihren Eltern. Und das nicht immer ganz freiwillig. Denn eine eigene Wohnung können sie sich oft nicht leisten“, sagt Friedhelm Kreft von der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Ein aktueller Bericht zeigt: Manchmal scheitert ein Ausbildungsvertrag daran, dass Azubis keine Wohnung oder kein WG-Zimmer in der Nähe finden. IG BAU-Bezirkschef Friedhelm Kreft warnt: Wenn junge Leute wegen hoher Mieten keine Ausbildung machen können, schadet das der Wirtschaft. Er fordert: Bund und Land sollen den Bau von Azubi-Wohnungen fördern, besonders in der Nähe von Ausbildungsstätten. Auch Steueranreize für Betriebe, die Wohnraum für Azubis schaffen, hält er für sinnvoll.
Wohnarmut im Alter
Wenn ältere Menschen in Rente gehen, können hohe Mietkosten auch zum Problem werden. Die IG BAU Westfalen Mitte-Süd warnt vor „Wohnarmut im Alter“. Rund 35.500 Baby-Boomer im Hochsauerlandkreis gehen bis 2035 in Rente – viele mit niedrigen Renten. Grund: Häufige Arbeitslosigkeit und oft schlecht bezahlte Jobs. IG BAU-Chef Friedhelm Kreft sagt: Viele können sich ihre Wohnungen bald nicht mehr leisten. Die Mieten steigen seit Jahren. Kreft fordert: Mieten müssen sinken, mehr Sozialwohnungen sind nötig. Laut Pestel-Institut braucht NRW bis 2035 rund 454.900 Sozialwohnungen – das sind 17.900 neue pro Jahr. Dafür müssen Bund und Land mehr Geld bereitstellen, und zwar direkt zum Baubeginn. Einfacheres Bauen soll Kosten senken und mehr günstigen Wohnraum schaffen. Kreft fordert außerdem eine genaue Statistik: Das Land soll erfassen, wo wie viele Sozialwohnungen entstehen. Nur so lasse sich die Lage im Hochsauerlandkreis und in NRW verbessern.
Mehrgenerationen-Projekt in Medebach
Ein Beispiel für ein Bauvorhaben nach dem Geschmack der IG Bau ist mit Sicherheit das Mehrgenerationen-Projekt in Medebach. Es wird von der Wohnungsgenossenschaft Hochsauerland umgesetzt. Ab diesem Jahr entstehen drei neue Häuser mit 27 Wohnungen. Angeboten werden moderne 2- und 3-Zimmer-Wohnungen mit Wohnflächen zwischen 61 und 104 qm. Alle Wohnungen sind barrierearm erreichbar und somit für Rollstuhl-Fahrer und ältere Menschen geeignet. Im weiteren Verlauf wird auf dem angrenzenden Grundstück ein Wohnhaus entstehen, mit Apartments für Arbeitnehmer und Auszubildende und einer Senioren-WG mit insgesamt 19 Wohneinheiten.