
Mit einer neuen Waldstrategie will das Land Nordrhein-Westfalen seine Wälder besser an die Folgen des Klimawandels anpassen. Im Mittelpunkt stehen klimaangepasste Mischwälder, die Wiederbewaldung von Schadflächen sowie konkrete Maßnahmen, um Wälder langfristig stabiler und widerstandsfähiger zu machen. Das ist auch für das Sauerland von Bedeutung, wo große Waldflächen in den vergangenen Jahren stark unter Trockenheit, Stürmen und Borkenkäferbefall gelitten haben.
50 Fachleute entwickeln Strategie
Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen hat die Strategie am Donnerstag in Düsseldorf präsentiert. An der Erarbeitung waren nach Angaben des Ministeriums über einen Zeitraum von mehr als drei Jahren mehr als 30 Verbände sowie rund 50 Fachleute aus Verwaltung, Wissenschaft, Forstpraxis, Naturschutz und weiteren Bereichen beteiligt.
Die neue Strategie umfasst 17 Themenfelder, 98 Ziele und 129 Maßnahmen. Hinzu kommen 16 übergeordnete Empfehlungen für Entscheidungsträger. Zentrale Botschaft des Landes: Der Wald kann sich an den Klimawandel nicht ohne aktives Handeln anpassen. Deshalb liegt ein Schwerpunkt auf der klimaangepassten Waldbewirtschaftung.
Mischwälder mit mehr Baumarten
Ein wichtiger Baustein ist der Umbau hin zu standortgerechten Mischwäldern mit mehreren Baumarten. Dabei geht es vor allem um die Wiederbewaldung von beschädigten Flächen und die langfristige Pflege der Wälder. Nach Vorstellung des Landes sollen künftig auf allen Waldflächen - unabhängig von der Besitzart - möglichst anpassungsfähige Mischwälder wachsen.
Zur Unterstützung sollen bestehende Instrumente weiter genutzt werden. Dazu zählen laut Ministerium das Internetportal Waldinfo.NRW, verschiedene Waldbau- und Wiederbewaldungskonzepte, Schulungsangebote, forstliche Beratung sowie Demonstrationsflächen für private Waldbesitzer. Auch Försterinnen und Förster vor Ort sollen bei der Umsetzung eine zentrale Rolle spielen.
Schäden durch Stürme, Dürre und Borkenkäfer
Der Handlungsdruck ist groß: Seit 2018 haben laut Land Stürme, Dürresommer und Borkenkäfer massive Schäden verursacht. In Nordrhein-Westfalen seien rund 140.000 Hektar Wald und damit etwa 15 Prozent der Waldbestände flächig abgestorben. Gerade im Sauerland sind die Folgen an vielen Stellen sichtbar. Seit 2019 wurden nach Angaben des Landes mehr als 181 Millionen Euro an Hilfen für Waldbesitzende ausgezahlt. Für die Wiederbewaldung stehen in diesem Jahr rund 15 Millionen Euro zur Verfügung.
Kritik vom NABU
Kritik an der neuen Strategie kommt unter anderem vom NABU NRW. Der Verband begrüßt zwar, dass das Land überhaupt eine umfassende Waldstrategie vorgelegt hat. Aus Sicht des Naturschutzbundes liegt der Schwerpunkt aber weiterhin zu stark auf wirtschaftlicher Nutzung und Holzproduktion. Die natürliche Wiederbewaldung komme in dem Papier zu kurz.
Die NABU-Landesvorsitzende Dr. Heide Naderer erklärte, dort, wo sich Wald selbst entwickeln könne, entstünden häufig stabile und artenreiche Mischwälder, die besser mit Hitze, Schädlingen und Extremwetter umgehen könnten. Außerdem fordert der Verband, heimische Waldgesellschaften in Nordrhein-Westfalen stärker zu fördern und nicht-heimische Baumarten stärker zu begrenzen.
Mögliche Zerschneidung von Waldflächen
Positiv bewertet der NABU dagegen die Hinweise in der Waldstrategie zur möglichen Zerschneidung von Waldflächen durch Infrastrukturprojekte. Hier erwartet der Verband, dass die Aussagen aus der Strategie auch in laufende Planungen auf Landesebene einfließen.
Nach der Vorstellung der Landeswaldstrategie soll nun die konkrete Umsetzungsplanung folgen. Für viele Regionen in NRW - besonders auch für das waldreiche Sauerland - dürfte entscheidend sein, wie schnell und wirksam die Maßnahmen in der Praxis ankommen.